Alle in schwarz

18. September 2014. "Shermin Langhoff will ein Theater, das nah an der gesellschaftlichen Wirklichkeit ist, das die aktuellen Konflikte verhandelt und politische Positionen bezieht. Sie will sich einmischen", schreibt Jana Simon in ihrem mehrseitigen Porträt der Gorki Intendantin in der Zeit (18.9.2014), an der sie außerdem beobachtet: "Wie ihr Publikum kleidet sie sich mit Vorliebe schwarz."

Und: "Manchmal ist ihr Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen, übergroß." Und manchmal gingen dabei jene Zwischentöne verloren, die sie selbst bei ihren Gegnern vermisse. "Andererseits ist sie vielleicht gerade deswegen so erfolgreich", so Simon. In einer Zeit, die oft so komplex erscheine, dass es schwierig sei, zu einer Überzeugung zu finden, sei die Sehnsucht nach einer klaren Meinung groß. "Langhoff duckt sich nicht weg. Sie will der als übermächtig wahrgenommenen Mehrheit andere Geschichten entgegenstellen. Zum Beispiel ihre eigene."

Bis heute weigere Langhoff sich, "die herrschenden Verhältnisse", wie sie es nenne, zu akzeptieren. Seit ihrer Jugend befinde sie sich im fortwährenden Widerstand. "Shermin Langhoff ist eine Rebellin auf Lebenszeit." Eine Rebellin mit "Gespür dafür, worauf die Öffentlichkeit reagiert", so Simon.

Und stellt zwischen solche Feststellungen noch eine interessante Anekdote, die Langhoff ihr zur Verfügung gestellt hat: Für ihre zweite Spielzeit hätte Langhoff eine Komödie eingeplant. "Es sollte um islamistische Terroristen gehen. Ein Thema, das politischer, aktueller, relevanter kaum sein könnte." Sie habe das Stück abgesetzt. Es sei der Punkt, an dem Langhoffs Idee vom politischen Theater an ihre Grenzen stoße, so Simon: "Wer lacht schon über Selbstmordattentäter, während die Terrormilizen des Islamischen Staates Menschen enthaupten."

(sd)

Das Gorki Theater ist in der diesjährigen Kritikerumfrage der Fachzeitschrift "Theater heute" zum "Theater des Jahres" gewählt worden. In der gerade angelaufenen Saison haben wir Yael Ronens Erotic Crisis sowie Fallen von Sebastian Nübling und Ives Thuwis besprochen.

 
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