"Wo die Angst ist, da geht's lang!"

Barbara Frey im Gespräch

Bochum, 3. August 2021. Sie habe kürzlich, erzählt Barbara Frey, in einem Hotelfoyer nahe eines Essener Zechengeländes eine Frauenskulptur gesehen, die "Schwarze Barbara". Die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, ist auch Nothelferin des Menschen bei der Gefahr plötzlichen Todes. Und schon sind wir, hier im Bochumer Haus der Kultur Ruhr am Gerard-Mortier-Platz als dem Logistik-Zentrum der Ruhrtriennale und ihrer Intendanz, mitten im Thema. Am 14. August beginnt Freys erste Saison ihrer auf drei Jahre angelegten Intendanz des NRW-Festivals mit ihrer Inszenierung von Edgar Allan Poes "Der Untergang des Hauses Usher". Das Gespräch führt Andreas Wilink.

Jedermann kennt kein Morgen

von Reinhard Kriechbaum

18. Juli 2021. Die Stimme der Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler ist heuer vom Tonband zu vernehmen. Sie verweist auf das Sicherheitskonzept der Salzburger Festspiele. Und sie betont mit klaren Worten, dass es zu alledem auch die tätige Mithilfe des Publikums braucht. Sprich: Bitte Maske aufsetzen!

Die Wunde aufstechen, bis sie blubbert

Interview mit Claudia Bauer, Lucia Bihler, Pınar Karabulut, Theresa Thomasberger und Josephine Witt

15. Juli 2021. Im März trat Klaus Dörr als Intendant der Berliner Volksbühne zurück, nachdem mehrere Mitarbeiterinnen Belästigungsvowürfe gegen ihn erhoben hatten. Bald machte das Wort Femwashing die Runde. Der Begriff, bislang vor allem aus der Wirtschaft bekannt, bezeichnet die Strategie, ein pro-feministisches Image zu etablieren, während sich an den Strukturen im Hintergrund wenig ändert. Auch Dörr hatte sich um ein fortschrittliches Außenbild des Hauses bemüht und dezidiert Frauen für die Regie engagiert. Alles nur Fassade? Wie bewerten die Volksbühnen-Regisseurinnen den Skandal? Hat er ihr Selbstverständnis verändert? Simone Kaempf und Jorinde Minna Markert haben mit fünf von ihnen gesprochen.

Ein "Wir" irrt sich gewaltig

von Michael Wolf

Berlin, 23. Juni 2021. Außerhalb Griechenlands erregt das Athener Embros-Theater vor allem Aufsehen, wenn es mal wieder in seiner Existenz bedroht ist. 2006 fiel die Förderung weg, einige Zeit stand es leer. 2011 besetzten Künstler das staatseigene Gebäude, zwei Jahre später folgte die Räumung, dann eine erneute Besetzung. Die selbstverwaltete Bühne, so liest man, hat sich seither zu einem soziokulturellen Zentrum entwickelt. Der Eintritt ist frei, Studenten, Flüchtlinge und Nachbarn treffen dort aufeinander. Im Mai endete diese Erfolgsgeschichte vorerst, die Behörden versiegelten das denkmalgeschützte Gebäude mit Beton. Der Staat, immer noch in größten wirtschaftlichen Schwierigkeiten, will es wohl einer kommerziellen Nutzung zuführen. Nach Protesten soll das Theater Medienberichten zufolge inzwischen aber wiedereröffnet worden sein.

Draußen vor den Theatertüren

8. Juni 2021. Alles muss raus! Theater, das bedeutet in diesem Sommer vor allem draußen spielen: Vor dem Schloss, dem Dom, auf dem See oder auf den eigens errichteten Open-Air-Bühnen von Stadt- und Staatstheatern. Corona-sicher und nur bedingt wettergeschützt begegnen die Schauspieler und Schauspielerinnen ihrem Publikum jetzt bei Tageslicht.

Wie geht es jetzt weiter?

von Gesine Danckwart, Angela Richter und Sabrina Zwach

Juni 2021. Drei Theatermacherinnen mit sehr unterschiedlichen Wegen begreifen den pandemiebedingten Einschnitt und hysterischen Stillstand als Chance zum Nachdenken und Gegenfragen: Wie geht es jetzt weiter? Was muss im Theater eigentlich sein? Was kann auf den Prüfstand? Was brauchen wir so gar nicht mehr? Wie lassen sich die Theater, ihre Berufe und Fertigkeiten, ihre Narrative, ihre Kunst, ihre Aktualität in gesellschaftlichen Diskursen nach Innen und Außen abbilden? 

Fragen ohne Aufschub

von Christian Rakow

26. Mai 2021. 24 mächtige grönländische Eis-Blöcke platzierte das Künstlerduo Olafur Eliasson und Minik Rosing im Dezember 2018 vor der Tate Modern in London. Für die Produktion Ice Watch, zum Jahrestag des Pariser Klima-Abkommens. Die Klötze schmolzen dahin, wie das Eis in Grönland selbst. Ein starkes Symbol für die Folgen der Erderwärmung. Um es herzustellen, wurden 55 Tonnen Treibhausgase (CO2-Äquivalente) in die Luft geblasen. So ließen es sich Eliasson/Rosing von der Umweltagentur Julie's Bicycle errechnen. Das Gros der Umweltlast (82%) entstammte dem Schiffstransport und der Kühlung des Eises, etwa 16 % machten die Flugreisen des Teams aus. Für dieselben Emissionen hätte man zwei Schulklassen von London nach Grönland und zurück fliegen können, kalkulieren Julie's Bicycle. An der Tate sahen tausende Menschen die Installation, über die mediale Verbreitung noch zehntausende mehr. Eine gute Kosten-Nutzen-Balance?

Machtfragen

20. Mai 2021. Wie führen Sie Ihr Haus? Wie gestalten Sie Veränderung? Und wie viel Demokratie verträgt der Theaterbetrieb? Das haben die Herausgeber*innen des Sammelbandes "Theater und Macht – Beobachtungen am Übergang", einer Kooperation von nachtkritik.de und der Heinrich-Böll-Stiftung, zehn Intendant*innen und Leitungsteams zwischen Augsburg und Zürich gefragt. Inspiriert sind die acht Fragen u.a. von der Intendant*innen-Befragung in der Publikation "Unternehmensethik für den Kulturbetrieb" (2012) von Daniel Ris, der als Intendant der Burgfestspiele Mayen nun selbst zu den Befragten gehört.

Kickstart und dann Ebbe?

19. Mai 2021. Was wird bleiben vom digitalen Turbo-Wandel, den die Theater im letzten Jahr hingelegt haben? Immerhin haben sie investiert, in Ausstattung und Know-Hhw. Videotechniker*innen haben sich zu Livestream-Expert*innen fortgebildet und Mitarbeiter*innen der Öffentlichkeit zu Community Manager*innen. Neu geschaffen wurden auch Positionen, die es am Theater bislang nicht gab: Digital-Entwickler*innen.

Deutsche Identität erweitern

Natasha A. Kelly im Gespräch

19. Mai 2021. Nach Bekanntwerden der Rassismusvorfälle am Düsseldorfer Schauspielhaus hat Ende März 2021 ein Schwarzes Künstler*Innenkollektiv um Natasha A. Kelly die Zusammenarbeit mit dem Theater beendet. Ursprünglich sollten die Künstler*innen im Rahmen der 360° Förderung, die das Schauspielhaus mit Spielzeitbeginn 2019/20 erhalten hat, um sich diverser aufzustellen, zwei Theaterprojekte realisieren. In einem Offenen Brief wandten sich Kelly und das Kollektiv an den Düsseldorfer Intendanten Wilfried Schulz, den Oberbürgermeister und die NRW- Kultusministerin. Darin kündigten sie die Zusammenarbeit mit dem Theater auf. Statt an einen sicheren Ort zu kommen und künstlerisch arbeiten zu können, hätten sie sich in Strukturen wiedergefunden, die sie in ihren Rassismuserfahrungen retraumatisierten. Als Konsequenz forderten sie eine eigene Bühne. Erste Gespräche mit politisch Verantwortlichen haben inzwischen stattgefunden. Im Zoom-Interview mit Esther Slevogt spricht Natasha A. Kelly über Planungs- und Gesprächsstand.