Die problematische Mitte

Bianca Klose im Interview mit Matthias Dell

11. März 2019. Mitte Februar hat die Berliner Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) gemeinsam mit Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters (DT) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), eine Handreichung "Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts" vorgestellt. Die Broschüre entstand als Folge eines gestiegenen Beratungsbedarfs in den letzten beiden Jahren: Theater und andere Kulturinstitutionen sehen sich immer häufiger Angriffen von rechten Akteur*innen ausgesetzt. Vom inflationären Gebrauch parlamentarischer Anfragen durch die AfD bis zu Bombendrohungen reicht das Spektrum der Störaktionen. Die Broschüre erntete Lob für ihren Ratgeberteil, aber auch starke Kritik für ihre theoretischen Positionsbestimmungen und die Einschätzung, der "Kulturkampf von rechts" werde bereits in den Feuilletons der großen Zeitungen geführt. Die Bro­schü­re mache letztlich kei­nen Un­ter­schied "zwi­schen kon­ser­va­ti­ven, li­be­ral­kon­ser­va­ti­ven, rechts­ex­tre­men, ras­sis­ti­schen, Gen­der­theo­rie-skep­ti­schen oder rechts­po­pu­lis­ti­schen Po­si­tio­nen", urteilte die Wochenzeitung "Die Zeit". Im theoretischen Teil der Broschüre wurde fälschlicherweise behauptet, Zeit-Autor Ul­rich Grei­ner ha­be die zu­wan­de­rungs­kri­ti­sche "Er­klä­rung 2018"un­ter­zeich­net. Der Fehler wurde umgehend korrigiert und bedauert. Im Interview mit Matthias Dell erklärt sich MBR-Geschäftsführerin Bianca Klose und spricht über ihre Sicht auf die Presse-Reaktionen.

Wilmersdorfer Witwen und Kulturkampf

1. März 2019. "Fahr mal wieder U-Bahn, dann ahnst'e, wie das Leben läuft": Diesem Liedtext folgt "Der Theaterpodcast" – in die Inszenierung "Linie 1" am Berliner Kinder- und Jugendtheater GRIPS, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. In Folge #12 geht es zudem um die Frage, ob sich das Theater in einen von rechtsnationalen Kräften erklärten "Kulturkampf" verwickeln lässt.

 

Triumph des Kleinmuts

Von Regine Müller

23. Februar 2019. Doch, sie können Theater in Halle, und wie! Die Dramaturgie ist selbst in der Niederlage auf fast gespenstische Weise perfekt, als sich am Freitagabend wenige Stunden nach Bekanntgabe des Votums des Aufsichtsrats der Vorhang ausgerechnet zur Premiere von Richard Strauss’ Oper "Ariadne auf Naxos" hebt. "Träum ich? Wach ich? Leb’ ich? Bin ich bei Sinnen?" ist als Zitat aus Hugo von Hofmannsthals Libretto auf den Vorhang projiziert, und nicht wenige der Premierenbesucher fragen sich wohl, ob die Entscheidung des Aufsichtsrats, Florian Lutz' Vertrag nicht zu verlängern, nicht doch nur ein aberwitziger Traum ist, aus dem man schleunigst aufwachen möchte.

Kunst in unsicheren Zeiten

von Dorothea Marcus

Köln, 11. Februar 2019. Sollte politisches Theater auf Mitleidserzeugung ausgerichtet sein? Kann man überhaupt mit Leiddarstellung auf der Bühne Empathie – und letztlich Weltverbesserung – erreichen, ohne Gefahr zu laufen, Teil einer pornografischen Mitleidsindustrie zu werden? Eine, die ohnehin nur das präsentiert, was wir hören wollen? Und können sich Theatermacher*innen mit Weltverbessungsfragen überhaupt glaubwürdig beschäftigen, solange sie Baumwolle tragen und Schokolade essen – Produkte, die unter härtesten neokolonialen Bedingungen hergestellt werden? Knifflige Fragen, aufgeworfen von der Spezialistin schlechthin für globale Gerechtigkeit und Dekolonisierung Nikita Dhawan, Professorin für Politische Theorie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, zum Auftakt des 2. "Flausen"-Bundeskongresses am Freien Werkstatt Theater Köln. Zu ihren Antworten später, denn das Hauptthema war ein anderes.

Auf zweiter Stufe

von Christian Rakow

6. Februar 2019. Ziel jeder Erziehung ist es, den Erzieher überflüssig zu machen. So hat es Kant der Pädagogik mit auf den Weg gegeben. Und wenn man erst einmal aus der Obhut der Erzieher in Familie und Schule entlassen ist, was nichts anderes bedeutet, als im emphatischen Sinne mündig geworden zu sein, dann graust es einen doch eigentlich, weiterhin Bildungsprozeduren an sich zu erfahren. Zumal in der Kunst, von der man nach dem Durchgang durch die Avantgarden des 20. Jahrhunderts nun alles Mögliche erwartet: Verstörung, Subversion, Provokation, oder weiterhin auch ästhetische Finesse, handwerkliche Meisterschaft und dergleichen Formenaspekte. Aber wohl nicht zuvorderst den Transport eines politischen Bildungsauftrags.

Notlösung ohne Not

von Dorothea Marcus

Köln, 1. Februar 2019. Der Rücktritt von Carl Philip von Maldeghem ist eine Erleichterung. Und das nicht, weil er ein schlechter Intendant geworden wäre – im Gegenteil, er hätte wohl ein solides, theaterpädagogisch gestütztes, konservatives und unterhaltsames Abonnenten-Programm garantiert. Gestern Nachmittag hatten wir für nachtkritik.de noch ein Interview geführt, Carl Philip von Maldeghem war aufgeräumt, überaus freundlich und schien sich wirklich auf Köln zu freuen.

Literatur als Provokation der Theaterkritik

von Kai Bremer

30. Januar 2019. Als vor Kurzem Simon Strauß in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" dazu aufgerufen hat, vergessene Theaterstücke für die Gegenwart wiederzuentdecken, hat das auch hier für einige Reaktionen gesorgt. Bemerkenswert ist jedoch nicht nur das Anliegen an sich, sondern auch der Umstand, dass der Theaterkritiker damit indirekt daran erinnert, dass solide Textkenntnis und wohl begründete literaturkritische Kompetenzen zu den Fundamenten der Theaterkritik zählen.

Von Vielfalt und Verstärkung

26. Januar 2019. Flüstern, Raunen, Intimität: Mit Mikroports geht das auch auf dem Theater. Als technische Verstärkung von Schauspielerstimmen sind sie mittlerweile Standard. Wie Regisseur*innen aber auch ästhetisch und inhaltlich mit Mikroports umgehen, ist Thema in Folge 11 von "Der Theaterpodcast". Außerdem sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit Sandrine Micossé-Aikins vom Berliner Projektbüro Diversity Arts Culture über Vielfalt auf und hinter den Bühnen, Stichwort: Diversität.

Die als erste in den Kampf ziehen

von Sophie Diesselhorst und Elena Philipp

Berlin, 25. Januar 2019. Was ist eigentlich mit der Volksbühne? Erstaunlich ruhig ist es geworden um den Aufreger der letzten drei Jahre. Mit Gastspielen bewährter Erfolgs-Inszenierungen aus Hamburg, Hannover und Stuttgart füllt Interimsintendant Klaus Dörr das Haus und hält Berlins Kultursenator Klaus Lederer den Rücken frei, damit der in Ruhe eine*n Nachfolger*in bestimmen kann. Zu sagen, dass die Entscheidung mit Spannung erwartet wird, wäre eine gehörige Untertreibung.

Wie? Ach!

von Andreas Wilink

24. Januar 2019. Eine kleine, vielleicht unwesentliche Akzentverschiebung, aber doch wohl bezeichnend. In seiner Vita und desgleichen bei seiner Vorstellung am heutigen Donnerstag im Kölner Rathaus las und hörte man von dem designierten Schauspielhaus-Intendanten (ab Sommer 2021) etwas über seine Zeit als Intendant der Schauspielbühnen Stuttgart. Wie, ach? Ein gewisses Erstaunen. Aber es ist eben nicht das Staatsschauspiel Stuttgart gemeint, sondern eigener Aussage nach "das Sprechtheater mit dem höchsten Publikumszuspruch in Baden-Württemberg". Nun, ein Schelm usw.

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