Caitlyn Jenner auf Usedom

von Georg Kasch

6. September 2016. Am Tag nach der Mecklenburg-Wahl fragte ein Bekannter: Gut 20 Prozent für die AfD, und in meinem Freundeskreis gibt’s kaum Kommentare dazu? Ich finde das nicht erstaunlich, denn das Resultat ist nicht so dramatisch ausgefallen, wie ich befürchtet hatte – ich habe es für möglich gehalten, dass die AfD stärkste Kraft wird. Ich komme aus Mecklenburg-Vorpommern, da muss ich mir nichts vormachen. Schauen Sie sich mal die Zahlen von Usedom an, dann wissen Sie, was ich meine.

Das Lachen des Teiresias

von Georg Kasch

31. Mai 2016. Teiresias war ein blinder Seher mit Bühnenkarriere bis heute. Seine Sehergabe, so sagt die Legende, hatte er dem größten Stresstest seines Lebens zu verdanken: Als er sich auf die Frage von Hera und Zeus, Chefgötter im Dauereheclinch, welches Geschlecht die meiste Lust beim Sex empfinden würde, zu einer Antwort hinreißen ließ, kostete ihn das das Augenlicht. Zum Ausgleich gab’s die Prophetie.

Die Freiheit des Draußen

von Georg Kasch

26. April 2016. Jetzt also auch noch Prince. Nach David Bowie, dem Identitätsjongleur, hat der nächste androgyne Großkünstler die Bühne verlassen. "Wenn man irgendwo lernen kann, dass Grenzen Blödsinn sind, sexuell, ästhetisch, ethnisch, dann bei Prince", schrieb der geschätzte Kollege @zahnwart auf Facebook. Peaches, selbst eine queere Ikone, fasste ihn so: "Er ist weder eine Drag Queen, noch ist er eine Frau, die ihre maskuline Seite betont. Nein, er ist trotz allem dieser absolute Machotyp, der sich aber wie selbstverständlich aufrüscht und in High Heels und Reizwäsche herumstolziert."

Kill Your Enemies

von Georg Kasch

22. März 2016. Ein Wort kann eine Waffe sein. Das N-Wort zum Beispiel. Neulich, nach den Landtagswahlen, begab sich eine Spiegel-Online-Reporterin ins sachsen-anhaltinische Bitterfeld, um zu erfahren, warum ausgerechnet hier die AfD mit über 30 Prozent das landesweit beste Ergebnis erzielte, stärkste Kraft wurde und auch noch ein Direktmandat holte. Da benutzt bei Sekunde 20 ein älterer Herr das N-Wort mit so viel Hass und bebender Überzeugung, dass angesichts dieses Beispiels eigentlich auch dem letzten bürgerlichen Zweifler aufgehen muss: Solange Menschen diesen Begriff so verwenden, muss er tabu sein. Auch in historischen Kinderbüchern.

Machos in Strumpfhosen

von Georg Kasch

16. Februar 2016. Was war eigentlich mit den deutschen Männern in der Silvester-Nacht von Köln los?, fragten einige verwundert in Blogs und Kommentarforen, darunter manch dunkelbraune. "Standen sie nur daneben, und haben in Angststarre verharrt? Haben sie vielleicht sogar weggeschaut? ... Warum haben die nicht ihre Frauen verteidigt, zur Not mit Fäusten?“ Vielleicht, weil sie Polizei haben (theoretisch jedenfalls) ? Oder weil der Mann von der Emanzipation kastriert wurde? Oder "um ja nichts als Rassist, als fremdenfeindlicher Rechter oder sonst was zu gelten“, wie die "besorgten Bürger“ und ihre prominenten Stimmen vermuten?

Hört David Bowie!

von Georg Kasch

12. Januar 2016. Was ist das nur mit der Menschheit und der Welt? Kriege, Katastrophen, Flüchtende, die Nacht von Köln und die unsäglichen Reaktionen darauf. Was soll man glauben? Und vor allem: woran? Nun ist zu allem Überfluss auch noch David Bowie tot. Dabei schien er unsterblich, ewig jung, wie von einem anderen Stern. Er, der den Pop revolutionierte und queerness mainstreamfähig machte, vollkommen unabhängig davon, mit wem er letztlich ins Bett stieg.

Hässliche Frauen?

von Georg Kasch

1. Dezember 2015. Sind sie nicht süß, die bigotten Konservativen? Die CDU zum Beispiel: Einerseits wird es beim Bundesparteitag Mitte Dezember einen Antrag geben, der alle Zuwanderer verpflichten will, unter anderem die Gleichberechtigung von Männern und Frauen sowie Homo- und Heterosexuellen anzuerkennen. Gleichzeitig spricht sich ein weiterer Antrag des Parteivorstands dafür aus, das bestehende Eheverbot für lesbische und schwule Paare aufrechtzuerhalten.