Theater Made by Characters

von Oliver Kranz

Oktober 2018. So viel Georgien war noch nie. Es gibt Theatergastspiele, Lesungen und touristische Werbeveranstaltungen. Szene-Magazine erklären Tiblissi zum neuen Berlin. Die Frankfurter Buchmesse macht's möglich. Das winzige Land am Südrand des Kaukasus kann sich als kulturelles Zentrum präsentieren – mit Folklore und Technoclubs, alten Kirchen, gutem Essen und viel unberührter Natur. "Made by Characters" ist der Slogan unter dem Georgien für sich wirbt – ein Wortspiel, das vor allem im Englischen funktioniert, weil dort "character" auch Buchstabe bedeutet. Die Georgier haben ein eigenes Alphabet, das ihnen geholfen hat, trotz der jahrhundertelangen Besetzung ihres Landes ihre kulturelle Identität zu bewahren.

Gestohlene Kindheit

von Dorothea Marcus

12. Oktober 2017. Der georgische Mann ist höflich, respektvoll, stark und orthodox christlich. Er kämpft störrisch, arbeitet hart, führt die Familie, trinkt nur manchmal: ein Superheld. Immer schneller ertönen die heiligen Imperative des Maskulinen aus den zwei umliegenden Zimmern. Im Hauptraum dreht sich Schauspieler Erekle Getsadze immer gehetzter im Kreis, bis er erschöpft zusammenbricht. Ein Opfer der Anforderungen.