Go, Google, go away!

von Sophie Diesselhorst

11. Juni 2018. Es ist Sommer, und die Nachtkritik(-Redakteurin) ist erschöpft. Aber alles gut. Im luxuriösen Unterschied zu den Theatermacher*innen, die in Vorproben für die nächste Spielzeit sitzen und schwitzen, darf sie im Freibad die Hüllen fallen lassen. Was sich dabei allerdings nicht ablegen lässt, ist die professionelle Deformation jederzeit und überall Inszenierungen zu wittern, zu enttarnen und (selbstverständlich messerscharf!) zu analysieren.

Theaterrepubliken gründen!

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 1. Mai 2018. Findungskommission ist in. Ein stichprobenartiger Streifzug durch deutschsprachige Theaterlande zeigt, dass das Hinterzimmer als Intendanten-Findungsort im Augenblick keine Konjunktur hat: Abgesehen von Rostock (wo der Intendantenposten zugunsten einer "internen Lösung" noch nicht einmal ausgeschrieben wurde) und Schwedt sind alle neuen Stadt- und Staatstheater-Intendanzen, die 2018 auf nachtkritik.de gemeldet wurden, per Findungskommission zustande gekommen.

Äh, ästhetische Kriterien?

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 27. März 2018. Das deutsche Stadt- und Staatstheater verhält sich zum internationalen Kunstbetrieb wie der unter prekären Bedingungen produzierte Indie-Film zum Hollywood-Blockbuster. Das ist nichts Neues, wurde mir aber noch einmal besonders deutlich, als ich in Nathaniel Kahns sehr sehenswertem, an Insider-Interviews reichen Dokumentarfilm The Price of everything bei Sotheby's New York einen Auktionator tänzeln und hämmern sah und neidisch dachte: Wow, was für eine Spannung dieser Kunstmarkt produziert. Und was da für ein Glaube drinsteckt! An den Wert der Kunst bzw. des jeweils verhandelten Kunstwerks, das feierlich erleuchtet hinterm Auktionator an der Wand hängt und die Gebote in die Höhe treibt, bis man die Nullen nicht mehr zählen kann.

Dialektik des blinden Flecks

von Sophie Diesselhorst

20. Februar 2018. Unlängst hat Frank Castorf ein langes Radio-Interview gegeben. Die NDR-Kultur-Sendung heißt "Klassik à la carte", was man im Zusammenhang mit dem Weltenzerschmetterer Castorf unfreiwillig komisch finden kann. Andererseits ist Castorf ja selbst längst ein Klassiker. Und in dem Interview bietet er ein launiges Best-of seiner politischen und ästhetischen Positionen – wobei er es als einer, der "sagt, was andere nicht sagen", natürlich strategisch erschwert, seine Äußerungen in solche Kategorien einzusortieren.

Na los!

von Sophie Diesselhorst

16. Januar 2018. #MeToo ist im deutschen Showgeschäft angekommen. Mit den Vorwürfen, die drei Schauspielerinnen in einer Reportage des Zeit Magazins gegen den Bad-Hersfelder-Festspiele-Intendanten Dieter Wedel erhoben, rückt die Debatte, zu der man sich bisher in lässiger Distanz möglichst schlau bzw. slacktivistisch positionieren konnte – wenn man wollte – in unbequeme Nähe.