FAUSTGretchen - Staatstheater Kassel

Gerettet

Das blaue Licht / Dienen - In Rebekka Kricheldorfs neuem Stück, in Kassel uraufgeführt, bricht das Bedeutungsschwere unversehens ins Leichte

Vorsicht: scharfe Kurve!

von Michael Laages

Kassel, 10. Februar 2017. Ob wohl Rebekka Kricheldorf dem Kollegen Ferdinand Schmalz ein paar praktische Tipps mit auf den Weg geben mochte – am Abend, bevor Schmalz in Kassel der "Förderpreis für komische Literatur" verliehen werden sollte? Kricheldorf bekam ihn ja vor mittlerweile schon sieben Jahren; mit dem jüngsten Stück, uraufgeführt wieder am Theater des Intendanten Thomas Bockelmann, der die Autorin schon seit seiner Intendanz am Theater in Münster begleitet und neue Stücke von ihr immer wieder in den Spielplan nimmt, müht sich Rebekka Kricheldorf aber unüberspürbar um ein anderes Profil.

Immer noch Sturm - Marco Štorman zeigt Peter Handkes großes Familiengemälde in Kassel geisterhaft und indianisch

Winnetous Erben

von Michael Laages

Kassel, 6. Juni 2015. Gerade trat ja der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer in die Spur seines Landsmanns Peter Handke, der vor drei Jahren (und zum 70. Geburtstag) mit dem renommierten Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde. Und unübersehbar verbindet sich "die unverheiratete", das Preisträgerstück Palmetshofers gleich in mehrerlei Hinsicht mit "Immer noch Sturm", jenem Handke-Text, der den Dramatiker derzeit heimisch werden lässt wie nie zuvor in den Spielplänen deutscher Bühnen.

Hochzeit bei den Cromagnons - Wajdi Mouawads Erstlingswerk in Kassel von Gustav Rueb inszeniert

Das Leben ist woanders

von Petr Manteuffel

Kassel, 10. April 2015. Mit seinem Welterfolg "Verbrennungen", das die schickalshaften Verstrickungen der Beteiligten und Nachgeborenen des libanesischen Bürgerkrieges thematisiert, hat Wajdi Mouawad 2003 ein posttraumatisches Passionsspiel und Reinigungsritual geschaffen, das man am explosivsten in einer nahöstlichen Gemeinde unter Beteiligung der gesamten Anwohnerschaft aufführen müsste. Eine Brücke zum griechischen Drama schlagend, pfropfte er dem Stück freilich im letzten Drittel die Ödipus-Thematik auf, was die Wirkung eher schwächt; der Nahe Osten hat auch ohne Ödipus Probleme genug. Nun hat sich das Kasseler Staatstheater als erstes im deutschsprachigen Raum Mouawads Erstlings "Hochzeit bei Cromagnons" aus dem Jahre 1992 angenommen.

Die Jungfrau von Orleans - Gustav Rueb inszeniert Schiller in Kassel

Visionen von Johanna

von Andreas Wicke

Kassel, 30. November 2013. "Ich möcht als Reiter fliegen / Wohl in die blutge Schlacht", heißt es in Joseph von Eichendorffs "In einem kühlen Grunde", und mit diesem Gedicht, in wackerem Männerchorsound vom Ensemble gesungen, endet Gustav Ruebs Kasseler Inszenierung der "Jungfrau von Orleans". Blutüberströmt steht Johanna an der Rampe, im Hintergrund wird der Showdown begleitet von all jenen Visionen, die im Laufe des Abends auf Rückwand und Bühnenboden projiziert worden waren.