In einer Kette

Wuppertal, 23. März 2010. Über 50 Theater aus der ganzen Republik wollen am kommenden Samstag an der Solidaritäts- und Protestdemonstration anlässlich des Welttheatertags in Wuppertal teilnehmen. "Eine größere Beteiligung der deutschen Bühnen an einer Solidaritätsveranstaltung hat es bisher nicht gegeben", vermeldet die Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein.

Die humane Substanz wird zur Disposition gestellt

Berlin/Neustrelitz, 19. März 2010. Bei der gestrigen Verleihung des Kunstpreises Berlin in der Akademie der Künste erhielt Annett Wöhlert, die Oberspielleiterin des Schauspiels der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz den Förderungspreis der Sektion Darstellende Kunst. In der Begründung der aus Nele Hertling, Gisela May und Christoph Schroth bestehenden Jury heißt es: "Annett Wöhlert ist es gelungen, eine starke regionale und überregionale Ausstrahlung des Schauspiel-Ensembles zu erreichen. Ihre Arbeit sprengt mittlerweile den Rahmen einer 'Provinz-Bühne'." Die 1965 geborene Regisseurin bedankte sich mit folgender Rede, in der sie die alarmierende kulturpolitische Situation in Mecklenburg-Vorpommern skizziert:

Köln, 24. Januar 2010. 13 Millionen Euro sollen in der Kölner Kulturlandschaft eingespart werden. Gleichzeitig hat die Stadt einen 295 Millionen Euro teuren Neubau für Oper und Schauspiel beschlossen. Soweit, so bekannt. Aber der Widerstand wächst. Kippen die Pläne am Ende doch noch? Bis zum 15. März wollen zwei Bürgerinitiativen 30.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln, um den Abriss des Riphahn-Baus und den Neubau zu verhindern, berichtet der Kölner Stadtanzeiger am Freitag.

Kölner Affäre

Köln, 16. März 2010. Sollte das Kölner Schauspielhaus wie geplant abgerissen werden, wollen die Erben des Kölner Architekten Wilhelm Riphahn gegen gegen die Stadt klagen. Das berichtet Christian Hümmeler auf der Website des Kölner Stadtanzeigers. Oper, Schauspiel und Theaterrestaurant am Kölner Offenbachplatz stellen nach Ansicht der Riphahn-Erben ein "in sich geschlossenes architektonisches Ensemble und städtebauliches Konzept dar". Der Abriss eines Teils würde diese "urheberrechtlich geschützte Gesamtwirkung" zerstören. Kulturdezernent Georg Quander kündigte an, den Einwand bis zur Ratssitzung am 13. April prüfen zu wollen.

Das nächste Kapitel kölscher Baupolitik

von Regine Müller

Köln, 18. Dezember 2009. In einer elfstündigen Marathonsitzung ist am frühen Freitagmorgen in Köln die Entscheidung gefallen: Der Rat der Stadt Köln hat sich für den Neubau des Schauspielhauses und die Sanierung der Oper entschieden und dafür 295 Millionen Euro bewilligt. Der Rat ist damit dann doch treulich dem Vorlagenpapier der Verwaltung gefolgt, in dem die lapidar apodiktische Floskel: "Alternativen: Keine" zu lesen stand.

In dieser Zitrone ist kein Saft mehr

von Harald Raab

Mannheim, Dezember 2009. Der kulturelle Stolz der Rhein-Neckar Region ist das Nationaltheater in der Industrie- und Dienstleistungsmetropole Mannheim. Doch wie es da drinnen aussieht – jetzt endlich geht es viele an: die Zuschauer, das Personal und immer mehr den Gemeinderat. Denn wenn es ungewöhnlich heftig regnet, müssen im Bühnenbereich Eimer aufgestellt werden. Das Dach ist undicht. Der hölzerne Bühnenboden ist stellenweise so verrottet, dass Blechplatten eingezogen werden mussten, um ein Einbrechen zu verhindern. An der Fassade bröckeln Teile der Steinplatten ab. Wegen Sicherheitsmängel fürchtet Generalintendantin Regula Gerber, dass ihr Haus von einem Tag auf den anderen geschlossen werden kann. Eine Sanierung in der Größenordnung von 25 Millionen Euro ist überfällig.

Begriffsnotstand

Köln/Berlin, 15. Dezember 2009. In Köln soll der Opern- und Schauspiel-Gebäudekomplex abgerissen und neu gebaut werden. Eigentlich. Denn einstweilen sind die veranschlagten Kosten auf 364 Millionen explodiert. Am Donnerstag möchte der Stadtrat dennoch den Neubau beschließen werden. Unterstützt von den Initiativen Köln kann auch anders und Kölner Komment gibt es jetzt aber einen Aufruf, diese Pläne noch einmal gründlich zu überdenken. Mut zu Kultur – Inhalt vor Fassade heißt das Schreiben (hier zu lesen). Der Theaterregisseur Frank-Patrick Steckel hat ihn auch unterschrieben und seine Unterstützung in einem Brief an den Journalisten Jörg Jung, einem der Mit-Initiatoren des Aufrufs, begründet. nachtkritik.de liegt der Brief Steckels vor; er wird hier ungekürzt wiedergegeben.

 

Das ist der Anfang

von Regine Müller

Nordrhein-Westfalen, 28. November 2009. Von außen betrachtet, befindet sich die Kultur in Nordrhein-Westfalen derzeit in einer absurden Schieflage. Oder sind es gar schon veritable Parallelwelten, die unabhängig voneinander existieren?