Amelie Deuflhard – Kampnagel Hamburg, Intendantin

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Beeindruckende Theaterereignissen gab es im letzten Jahr so einige: unvergessen die Adaption des verbotenen Romans von Maxim Biller, Esra, in der Regie von Angela Richter, die wunderbar subtile Arbeit der Geheimagentur Reisen in einen anderen Tourismus, die den Zuschauer zwei Stunden in ferne Welten schickt, und die abgründig-poetische Arbeit Die Melancholie der Drachen von Philippe Quesne, die eine Liebeserklärung an die Kunst und das Theater ist.

Matthias Fontheim – Staatstheater Mainz, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Am meisten beeindruckt hat mich im letzten Jahr Jürgen Goschs Möwe-Inszenierung im Bühnenbild von Johannes Schütz, die ich in der Volksbühne gesehen habe. Es war ein hoch konzentrierter Abend mit überwältigenden Schauspielern, allen voran Corinna Harfouch als Irina Nikolajewna Arkadina und Kathleen Morgeneyer als Nina. Der Moment, in dem Nina auf einem tonnenschweren Stein über dem (Bühnen)Abgrund tänzelte, sagt alles über das Leben wie über das Theater aus. Ein so unvergesslicher, anrührender und wahrhaftiger Augenblick.

Elmar Goerden – Schauspielhaus Bochum, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Das Wunder einer bestimmten Probe, an einem Abend im September, werde ich lange, vielleicht nie vergessen. Eigentlich wollten wir uns nur treffen, um die Szene nochmals in Ruhe zu lesen: Lear im Sturm, allein. Die Fenster des Proberaums zum Hof standen offen, es war noch warm, keine Assistenten, keine Souffleuse, keine Scheinwerfer.

Markus Heinzelmann – Theaterhaus Jena, Künstlerischer Leiter

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Herausragend ist für mich 2009 ein spürbares Erstarken der Komödie insgesamt im Theater. Ich finde, dass dadurch die Unterscheidung zwischen Unterhaltungs- und Intellektproduktion, wie schon lange überfällig, im Positiven aufgeweicht wird. Beeindruckend zum Beispiel, wie René Pollesch es schafft, politisches Theater und Komödie zu kombinieren bzw. sich beides immer wieder nicht nur nicht ausschließt, sondern Symbiose wird.