Roland May – Theater Plauen-Zwickau, Generalintendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Den Schauspielern bei ihrer Arbeit zuzusehen, machte lange nicht so viel Freude wie bei Eines langen Tages Reise in die Nacht von Eugene O'Neill am Centraltheater in Leipzig in der Regie von Sebastian Hartmann. Trotz ihrer aggressiv–lauernden Grundhaltung wurde der Plot mit einer rotzigen Portion Lakonie und leisem Fatalismus über die Rampe gebracht, dass ich wirklich Lust bekam, da oben mitzuspielen.

Barbara Mundel – Theater Freiburg, Intendantin

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Vier Erlebnisse sind mir in den Sinne gekommen, drei davon betreffen Kollektive.
Das erste Erlebnis ist eine besondere Art der politischen Demonstration und betrifft das Freiburger Publikum, oder noch allgemeiner – die Menschen dieser Stadt:
Das Theater Freiburg und das Theater im Marienbad waren im Juni 2009
Gastgeber der Baden-Württembergischen Theatertage. Eröffnet haben wir diese Tage zusammen mit dem "Archiv der Zukunft" und der Freiburger Initiative "Schule mit Zukunft" mit einem Themen-Wochenende unter dem Titel Theater träumt Schule. Es war eine Stimmung im ganzen Haus, die vor Spannung vibrierte. Man konnte die Bereitschaft und Lust der Menschen, Schule zu verändern – lustvoll radikal zu verändern, – mit Händen greifen.

Amélie Niermeyer – Düsseldorfer Schauspielhaus, Intendantin

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

"Drei Schwestern" von Anton Tschechow gehört zu meinen Lieblingsstücken. Ich habe es selbst inszeniert, habe es oft auf der Bühne gesehen. Was Karin Henkel mit ihrer Inszenierung am Schauspiel Frankfurt gelungen ist, hat mich deshalb sehr beeindruckt. Sie und die Schauspieler haben genau den Ton zwischen Tragik und Komik getroffen, der Tschechows Stücke für mich so wertvoll macht.

Christoph Nix – Theater Konstanz, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Es war nicht mal ein Geheimtipp, und wäre ich aufmerksamer gewesen, hätte ich präziser die internationalen Spielpläne studiert, so wäre mir das Projekt Mother Courage am National Theatre in London vorher aufgefallen. In der Hauptrolle Fiona Shaw, in der Regie von Deborah Warner, mit einem neuen Text und einer (fast) neuen Musik von Duke Special and the Band konnte man im Dezember des Jahres 2009 noch einmal erleben, wie heutig Brecht in einem Land sein kann, das im Krieg mit Afghanistan steht.