Friedrich Schirmer – Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Zwei bzw. drei Aufführungen des vergangenen Theaterjahres sind mir in nachdrücklichster Erinnerung geblieben. Zum einen die Doppelbegegnung mit dem Werk Christoph Schlingensiefs: Mea Culpa in Wien und Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir beim Theatertreffen in Berlin. Mir sind kaum Aufführungen erinnerlich, die so, bis zum äußersten Punkt, persönlich sind, weil sie beide das "Schicksal" ihres Schöpfers zum Thema haben – in großer theatralischer Form, voller Schmerz die eine, spielerisch leicht die andere. Jenseits aller berufsbedingten Beurteilungskriterien, die man sich im Laufe der Zeit so angeeignet hat: Hier hat mich Theater berührt wie schon lange nicht mehr.

Kehlmann, Ultras, Schlingensief

Berlin, 30. Dezember 2009. Über 1 Million Besuche gab es in diesem Jahr auf nachtkritik.de. Manche scheinen vor allem die Kritikenrundschauen zu lieben, andere lesen vornehmlich die aktuellen Nachtkritiken, wieder andere stöbern hauptsächlich im Archiv – und alle klicken besonders gern in die Spalte "Letzte Kommentare".

Am Ende des Jahres haben wir durchgezählt und die Liste der in diesem Jahr zehn meist gelesenen Texte auf nachtkritik.de ermittelt. Hier ist das Ergebnis:

Wir lauschen, Sie reden

Berlin, 24. Dezember 2009. Über 11 Millionen Seiten wurden in diesem Jahr unter der Internetadresse nachtkritik.de aufgerufen. Viele Leser lieben die Nachtkritiken, andere die Essays und Kommentare, wieder andere informieren sich in den Kritikenrundschauen. Der absolute Clou aber, Stein des Anstoßes und Ort des Klatsches, ist das Kommentarwesen.

Am Ende des Jahres haben wir durchgezählt und die Liste der zwanzig Texte mit den meisten Kommentaren auf nachtkritik.de ermittelt. Hier ist das Ergebnis:

Joachim Lux – Thalia Theater Hamburg, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

1. Der (zumindest von der Berliner) Kritik verrissene Simon & Garfunkel Abend The Sound of Silence von Alvis Hermanis, gesehen bei den Salzburger Festspielen. Ein Abend, der fliegt, wie Theater selten fliegt. Freie Schauspieler mit Phantasie, in eine Komposition gebracht von einem Menschenfreund, der zuschaut und ordnet, nicht mehr und nicht weniger. Keine ästhetischen Verdikte: Keine Postdramatik, keine Dekonstruktion vonwasauchimmer, aber auch kein Rückfall in Konvention, eher Tanztheater als Schauspiel, assoziativ wie zwingend, musikalisch wie Tschechow, Leben als Komposition.