Was soll unsere Kunst?

von Esther Slevogt

Budapest, Dezember 2017. Das Bäumchen ist zart und zweifelhafter Abstammung: die "robinia pseudoacacia". Das ist ihr botanischer Name und heißt zu Deutsch etwa "Akazie, die eigentlich eine Robinie ist". In Ungarn ist der Baum ein sogenanntes "Hungaricum", also, laut offizieller Definition "eine spezielle, einzigartige, unverwechselbare, nur für Ungarn typische Sache, die durch Ungarn auch in der Welt bekannt ist".

Theater gegen die Mcdonaldisierung der Welt

von Esther Slevogt

Budapest, April 2014. Putin-Witze machen die Russen am liebsten selber: Es sei natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Wladimir Putin sich auch Alaska zurückholen werde, sagt ein junger Dramaturg vom St. Petersburger Bolschoi Drama Theater und grinst: "Putin's Ice-Krim" sozusagen. Die Halbinsel wäre schließlich 1867 vom dummen Zaren zu einem Schleuderpreis an die USA verhökert worden und natürlich von extremer strategischer Bedeutung. Er ist im Gefolge von Andrej Mogutschis St. Petersburger Lewis-Caroll-Abend "Alice" nach Budapest gekommen, eines der Highlights der ersten Ausgabe des neuen Theaterfestivals M.I.T.E.M. am Nationaltheater.

"Bitte berichten Sie, was hier geschieht!"

von Esther Slevogt

Budapest, im März 2013. Es war nicht ohne Ironie, dass ausgerechnet am 15. März, dem Nationalfeiertag, an dem Ungarn seit der Jahrtausendwende der gescheiterten Revolution von 1848/49 gegen die habsburgische Fremdherrschaft gedenkt, mancherorts Panzer eingesetzt werden mussten, um die plötzlich auf das Land niedergegangenen Schneemassen zu bekämpfen. Panzer hatten bekanntlich 1956 einer anderen ungarischen Revolution den Garaus gemacht. Angesichts des zutiefst gespaltenen Landes drängten sich bei diesen Bildern auch Bürgerkriegsassoziationen auf, obwohl es vorerst nur das Schneechaos war, dem hier zu Leibe gerückt wurde.

altKunst als Beute?

von Beatrix Kricsfalusi

Budapest, 21. März 2012. Angesichts der jüngsten, immer bedrückenderen Entwicklungen lässt sich die Behauptung wagen, dass das Verhältnis des ungarischen Theaters zur politischen Macht immer noch von überkommenen Reflexen aus der Vorwendezeit beherrscht wird. Die finanzielle und politische Krise erreichte die Theaterlandschaft Ungarns in einem Zustand der Strukturschwäche, Finanzierungsmängel, unzureichenden Selbstregulierung und Interessenvertretung einerseits sowie einer unheilvollen politischen Polarisierung der Theaterschaffenden andererseits.

alt

Das Chaos herrscht

von Georg Kasch

Budapest, 22. Februar 2011. In Deutschland, Österreich und der Schweiz inszenieren sie an Stadt- und Staatstheatern. Sie werden zu Festivals eingeladen, gefeiert und intensiv diskutiert: Regisseure wie Viktor Bodó, Kornél Mundruczó, Béla Pintér und Árpád Schilling. In Ungarn hingegen, wo sie ihre Handschriften entwickelt haben, steht die Theaterszene zunehmend unter Druck.