Jenseits der EU-Hymne

von Sophie Diesselhorst

Bratislava / Berlin, 23. Juni 2015. "Was würden Sie tun, wenn Sie als friedlicher Demonstrant von einem Polizisten angegriffen würden – zurückschlagen oder die Gewalt über sich ergehen lassen?" fragt eine Schauspielerin gezielt ins Publikum im slowakischen Nationaltheater in Bratislava. Die angesprochene Zuschauerin entzieht sich der Antwort. Es ist ja auch eine ungewohnte Frage, oder –  es wäre eine ungewohnte Frage für jeden politisch durchschnittlich (un-)engagierten Bürger der EU von heute. Man darf doch wohl annehmen, dass solche Situationen nicht passieren.

Botschaften der Zerrissenheit

von Simone Kaempf

Bratislava, Juni 2014. Schließlich kam er doch. Fragte, wo er am Theater parken könnte, und erst damit war den Mitarbeitern des Slowakischen Nationaltheaters in Bratislava klar, dass Attila Vidnyánszky, Intendant des Ungarischen Nationaltheaters, tatsächlich an der Diskussion teilnehmen würde. Selbstverständlich war das für das Theater und das von ihm ausgerichtete Festival "Eurokontext" nicht. Denn als Vidnyánszky in diesem März nach Budapest zum Nationaltheater-Festival "M.I.T.E.M"- lud, hatte sein Kollege Roman Polák, Intendant des Slowakischen Nationaltheaters in Bratislava, eine Gastspiel-Einladung ausgeschlagen.