Wuhan. Die Verwandlung - Staatstheater Wiesbaden

Schwach auf der Lunge

Kabale und Liebe - Staatstheater Wiesbaden

Zur Gehorsamkeit verdammt

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 16. Juni 2019. Auch wer nicht wüsste, dass Johanna Wehner die Regisseurin des Abends ist, könnte es merken: An der Art, wie die Schauspieler*innen zuweilen ihren Körper nach links und rechts biegen, an den tropfenden Geräuschen, der Unwirtlichkeit und Düsternis der Bühne, am splitterndem Text sowie am trostlosen Gestus des Ganzen. Für Weltuntergangsstimmung auf dem Theater scheint Johanna Wehner ein Faible zu haben.

Liliom - Thomas Jonigk erzählt mit Molnárs Klassiker in Wiesbaden mit James-Dean-Flair von männlichen Selbstdarstellungen

Die Story vom toxischen Sonnyboy

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 15. Juni 2018. Liliom einen Hallodri zu nennen, hieße ihn zu verharmlosen beziehungsweise ihm auf den Leim zu gehen. Bei Ferenc Molnár nämlich bezeichnet sich der Karussell-Ausrufer Liliom am Ende selbst als Hallodri. Nicht so in Wiesbaden, in der Fassung von Thomas Jonigk. Der besetzt den Liliom lieber gleich mit einem jungen hübschen Mann, der in James-Dean-Manier auf die Bühne schlenzt: Tobias Lutze. Smarter Kerl, weicher Blick, offenes Hemd. Schwiegermuttis Darling. Klassische Gegen-den-Strich-Besetzung, ist doch Liliom üblicherweise Paraderolle für die kerligen Mannsbilder im Ensemble.

Der Spieler: Dostojewski - In Wiesbaden verschränkt Christian Franke Dostojewskis Leben und Roman am historischen Originalschauplatz

Im Herzen von Roulettenburg

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 16. Januar 2017. So wie Schiller ohne den Geruch faulender Äpfel nicht gut dichten konnte, umgibt sich Dostojewski gern mit Orangen. Zumindest im Wiesbadener Kurhaus, genauer gesagt im prachtvollen Salon Ferdinand Hey'l. Nur ein paar Roulettetisch-Längen entfernt lauert die Spielbank Wiesbaden. Ein Ort, der in zweifacher Hinsicht Literaturgeschichte geschrieben hat: Weil Dostojewski dort Geld verprasste und weil große Teile seines 1867 erschienenen Romans "Der Spieler" dort angesiedelt sind. Im Buch freilich ist nur von Roulettenburg die Rede.

Hedda Gabler - Intendant Uwe Eric Laufenberg greift Ibsens Drama in Wiesbaden beherzt in die Hose

Sex and Crime, frei ab 14

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 31. März 2016. Der dämlichste Moment ereignet sich gleich zu Beginn. Da krächzt Karlheinz Stockhausens berühmt berüchtigtes Verdikt über die Anschläge des 11. September 2001 aus den Lautsprechern. Von Geistern sprach er da, die in einem Akt etwas vollbrächten, was man in der Musik nie träumen könnte. Im Fanatismus der Täter und in ihrem Sterben nach der Tat, sah er dann das größte Kunstwerk überhaupt am Werk oder so. Das Zitat dient dem Abend als merkwürdiger Prolog. Gewiss, auch Hedda wird am Ende des Stücks die Schönheit des Selbstmordes Eilert Løvborgs preisen, doch stellt sie das in eine Reihe mit Stockhausens Verherrlichung der Terroranschläge? Scheint mir zu weit hergeholt. Was Stockhausen bewogen hat, sich derart zu äußern, ist unsicher. Bei Hedda Gabler indes, der stolzen Tochter eines Generals, ist von Beginn an klar, dass nur ihre abgöttisch geliebten Pistolen ein bisschen Schönheit in ihr vermaledeites Leben bringen.

Kollaps - Autor Philipp Löhle und Regisseur Jan Philipp Gloger erzählen in Wiesbaden pragmatisch vom Weltuntergang

"Ausgerechnet heute!"

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 12. April 2015. Philipp Löhles neues Stück spielt hier, aber nicht heute, sondern am Tag, an dem die Welt untergeht sowie am Tag danach. Das Internet geht nicht mehr, es gibt kein Wasser und keinen Strom, Gift liegt in der Luft, die Vögel stürzen kopfüber vom Himmel, die Gerüchte kochen: Islamismus, Terrorismus, Weltrevolution. Doch nach einem Tag ist alles vorbei, das Internet geht wieder, es gibt wieder Wasser sowie Strom, und Gift liegt auch nicht mehr in der Luft. Dazwischen überlegen sich ein paar Leute, was sie tun würden, wenn ihnen nichts mehr übrig bliebe, und kommen dabei zu keinem richtigen Ergebnis.