Eine schwarze Null und Basta?

von Alexander Jürgs

7. Januar 2020. In der Theaterlandschaft im Rhein-Main-Gebiet knirscht es gerade gewaltig. Das Staatstheater Darmstadt steckt in einer Führungskrise und in wirtschaftlicher Schieflage, musste sich nach einem Streit zwischen Intendanten und Geschäftsführer eine Haushaltssperre verordnen. Das Schauspiel Frankfurt befindet sich in einer Qualitätskrise, die ein hitziger Hahnenkampf zwischen dem Intendanten und dem Regisseur Ulrich Rasche öffentlich gemacht hatte. Und auch am Staatstheater in Wiesbaden hing im Herbst der Haussegen schief. Von einer erhöhten Arbeitsbelastung, Überstunden und schlechter Stimmung war die Rede. Die regionale Tageszeitung "Wiesbadener Kurier" schrieb im November über den Konflikt. Doch die, die sich gegenüber dem Blatt über den Intendanten Uwe Eric Laufenberg beklagten, wollten anonym bleiben.

Exemplarische Misere

von Esther Boldt

18. Dezember 2019. Wie können strukturelle Veränderungen im Stadt- und Staatstheater gelingen? Dies ist eine der herausforderndsten Fragen, die sich der deutschen Theaterlandschaft zurzeit stellen. Seit Jahren gerät das Staatstheater Darmstadt immer wieder in die Schlagzeilen – zuletzt mit der Suspendierung des geschäftsführenden Direktors und Stellvertreters des Intendanten, Jürgen Pelz. Was ist da los? Eine Recherche.

Unsere Moral ist gestärkt

Pat To Yan im Interview mit Elena Philipp

9. Dezember 2019. Seit einem halben Jahr – seit dem 9. Juni 2019 – geht Hongkongs Jugend auf die Straße. Was als Großdemonstration gegen ein damals noch geplantes Auslieferungsgesetz an China und die Politik von Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam begann, hat sich zum umfassenden Kampf für demokratische Rechte entwickelt. Für eine Weile war vorstellbar, dass chinesische Truppen die Grenze zu Hongkong überschreiten könnten. Der Sieg demokratischer Parteien bei den Stadtratswahlen im November scheint diese Gefahr vorerst gebannt zu haben. Die Proteste dauern an. Wie ist momentan die Lage? Welche Rolle spielen die Künste in der Demokratiebewegung? Ein E-Mail-Interview mit dem Theaterautor und Regisseur Pat To Yan.

A boost for our morale

Pat To Yan interviewed by Elena Philipp

9th December 2019. For half a year – since June 9th, 2019 – Hong Kong youths are taking to the streets. What began as a mass demonstration against an extradition bill and against the policy of Hong Kong's Chief Executive Carrie Lam has developed into a huge protest movement for democratic rights. With the situation escalating, at moments it seemed possible for Chinese army forces to invade. The victory of democratic parties during the District Council elections in November seems to have prevented this for now. The protests continue, nevertheless. What's the situation at the moment? What role do the arts play in the democratic movement? An e-mail-exchange with the Hong Kong theatre author Pat To Yan.

"Ich komme von Homer..."

Wir veröffentlichen hier eine sukzessive ergänzte Liste mit Meldungen, Artikeln und Kommentaren rund um die Kontroversen, die der Nobelpreis an Peter Handke ausgelöst hat. Dank für die Zusammenstellung der Reaktionen gilt dem Perlentaucher.

 

10. Oktober 2019. Die polnische Schriftstellerin, Essayistin und Psychologin Olga Tokarczuk (*1962) und der österreichische Romanautor und Dramatiker Peter Handke (*1942) erhalten die Nobelpreise für Literatur für die Jahre 2018 und 2019. Das hat die Schwedische Akademie in Stockholm am heutigen Donnerstag bekannt gegeben.

Gescheitertes Schauerspiel

von Janis El-Bira

Berlin, 5. Dezember 2019. Um zu wissen, muss man sich ein Bild machen. So beginnt "Bilder trotz allem", die berühmt gewordene Abhandlung des Kunsthistorikers Georges Didi-Huberman über die so genannten "Sonderkommando-Fotografien". Dabei handelt es sich um vier Fotos, die der griechische Auschwitz-Häftling Alberto Errera vermutlich im Sommer 1944 mit einer geschmuggelten Kamera vom Vernichtungsprozess in Birkenau anfertigte.

Obdach unter der Showbrücke

4. Dezember 2019. Tiefsinnig, witzig und manchmal tut's weh: Das Theater von René Pollesch verbindet, was hierzulande gern getrennt wird – E und U, Ernst und Unterhaltung. Am Friedrichstadt-Palast, einem eigentlich dem U verschriebenen Ort, inszenierte der Regisseur und designierte Volksbühnen-Intendant gemeinsam mit dem Schauspieler Fabian Hinrichs Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt. Mit Fabian Hinrichs und mit Berndt Schmidt, dem Intendanten des Friedrichstadt-Palasts, sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp in Folge 20 des Theaterpodcast über die Zusammenarbeit.

Den Umbruch fühlen

Antje Boetius im Interview mit Elena Philipp und Christian Rakow

29. November 2019. Mit der ökologischen Jugendbewegung Fridays for Future ist die Klimaforschung so breitenwirksam geworden wie selten zuvor ein wissenschaftliches Forschungsfeld. "Hört nicht auf mich, hört auf die Wissenschaften", ruft Greta Thunberg, die Gallionsfigur des globalen Klima-Aktivismus, der Politik zu.

Die klägliche Klage der Ohnmacht

von Nikolaus Merck

28. November 2019. In den Städten errichten sie jetzt die Weihnachtsbäume. Dreimannshoch ragt der in Rudolstadt auf, noch höher der Tannenstolz in Bautzen, überwipfeln sie den Jahresendtaumel zwischen Konsumlust und Gottesfurcht. Von Rebellion keine Spur. Anders als am selben Wochenende in Paris, wo die Ladenbesitzer*innen aus Furcht vor den Gelbwesten ihre Geschäfte lieber geschlossen halten. Bei uns dagegen geht's friedlich dahin, werden die auf Umsturz schielenden Völkischen 25 Prozent stark in die Parlamente gewählt und die Demokratie demokratisch abgeschafft.

Ein Exportschlager

von Simone Kaempf

Berlin, 25. November 2019. Was wäre, wenn Hans-Thies Lehmann seine theaterwissenschaftliche Kampf- und Wissenschrift gar nicht "Postdramatisches Theater" genannt hätte, sondern zum Beispiel "Tendenzen eines neuen Theaters"? Der Erfolg wäre nicht derselbe, das ist heute mehr als klar. Dabei stammte die Bezeichnung gar nicht von ihm. Andrzej Wirth hatte den Begriff zuvor bereits benutzt, das Wort zirkulierte Ende der Neunzigerjahre auch schon unter den Studierenden in Gießen, allerdings noch mit Irritationspotential, vielen blieb damals unklar, was eigentlich gemeint ist.

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