Erfolgreiche Übergangsregierung

von Martin Thomas Pesl

Wien, 16. Juni 2019. Gut is gangen, nix is gschehn. Das sagen Kommentatoren gerne nach Österreichs Song-Contest-Auftritten oder wenn die Nationalmannschaft unentschieden spielt. Man möchte es freundlich auch Christophe Slagmuylder zurufen, der gerade seine erste Festivalausgabe als Intendant der Wiener Festwochen hinter sich gebracht hat. Respekt erntete der belgische Kulturmanager schon im Februar, als er das Programmbuch präsentierte. Obwohl er netto nur vier Monate Zeit gehabt hatte, es zusammenzustellen, war ihm ein vielfältiges, dichtes und zumindest einmal quantitativ reichhaltiges Programm gelungen. Intensiv die Festwochen zu besuchen, das nahm dieses Jahr wieder richtig Zeit in Anspruch.

Theater unter Druck

von Michael Bartsch

Juni 2019. Die sächsische AfD bereitet sich derzeit mit einem Coaching ihrer Spitzenvertreter auf eine Regierungsübernahme nach den Landtagswahlen vom 1. September vor. Siegesgewiss lädt sie die Presse bereits jetzt zur Diskussion ihres Hundert-Tage-Sofortprogramms ein. Beflügelt haben sie offenbar die Europawahlergebnisse, bei denen sie in Sachsen und Brandenburg stärkste Kraft wurde. Noch aber ist es nicht soweit. Welche Kultur- und Medienpolitik und welche Debattenkultur uns im Falle einer Machtergreifung oder auch nur Machtbeteiligung der AfD erwarten, ist aber bereits jetzt absehbar. Ein Kulturkampf wie in Polen oder Ungarn deutet sich nicht nur an, er hat bereits begonnen.

"Die Praxis ist die Message"

von Christian Rakow

Berlin, 12. Juni 2019. "Als der Wind ihnen die Brillen vom Gesicht fegte, wurde es vielerorten unscharf." Es gibt nicht viele Menschen, die solche Sätze schreiben können. So voller Witz und Schärfe und Rätsel. Jakob van Hoddis konnte es: "Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut." René Pollesch kann es auch. Egal ob in seinen inzwischen irgendwas bei einhundert Theaterstücken oder wie in diesem Falle auf Twitter, wo Pollesch, anders als viele andere Theaterschaffende, eigentlich nie seine Kunst fallen lässt zugunsten von Meinungsbildung, zugunsten von Selbstvermarktung. Pollesch ist Künstler durch und durch, einer, der Texte freistellt, der in seinen Ent-Äußerungen blitzartig aufscheint und verschwindet, einer der wenigen von Rang in der Welt des zeitgenössischen Theaters. Seit heute ist er nun auch offiziell designierter Intendant der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz von 2021 bis 2026.

Neues aus der Wirklichkeit

7. Juni 2019. Mehr Frauen ans Theater? Das letzte Jahr hat im Theaterbetrieb einen Bewusstseinswandel bewirkt: Beim Theatertreffen wird es für zwei Jahre eine Quote geben; mindestens die Hälfte der zehn als bemerkenswertest ausgewählten Theaterarbeiten muss dann von Regisseurinnen stammen. In Dortmund tritt die heute 34-jährige Julia Wissert 2020 als jüngste Intendantin ihre Intendanz am Schauspiel an. Um diese Entscheidungen und den aktuellen Stand in puncto Geschlechtergerechtigkeit geht es in der Juni-Ausgabe von "Der Theaterpodcast". Außerdem sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp über Bürgerbühnen und partizipatives Theater.

Hallo Wien, gibt's hier WLAN?

von Martin Thomas Pesl

Wien, 7. Juni 2019. Einmal passierte der Versprecher tatsächlich, und Kay Voges sagte "Volksbühne". Nachdem der 47-jährige angekündigt hatte, seine Intendanz am Schauspiel Dortmund über das Jahr 2020 hinaus nicht zu verlängern, weil er nach einer größeren Stadt, einem größeren Haus strebe, hatten ihn die deutschen Feuilletons eher dort avisiert, in Berlin an der Volksbühne.

Man kennt sich

von Andreas Klaeui

Zürich, 5. Juni 2019. "Die Idee ist, Menschen zusammenzubringen, die sehr unterschiedlicher Herkunft sind, vor allen Dingen auch unterschiedlich in ihrer künstlerischen Herkunft", sagt Nicolas Stemann. Und Benjamin von Blomberg fügt an: "Was wir ermöglichen wollen, ist, dass jeder hier unter den besten Bedingungen arbeiten und seine Kunst verfolgen kann – was wir gleichzeitig einfordern, ist, dass Menschen sich zu diesem Ort bekennen." Starke künstlerische Handschriften im Rahmen des Stadttheaters zusammendenken: Das ist das Bekenntnis.

Streit am Main

von Esther Slevogt

Frankfurt/Main, 30. Mai 2019. "Was ist los am Frank­fur­ter Schau­spiel?" Mit diesen Worten begann ein am 8. Mai 2019 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschiener Artikel von Simon Strauß, der antrat, "Krach hinter den Kulissen" des seit zwei Spielzeiten von Anselm Weber geleiteten Theaters nachzugehen. Der Artikel wurde zum Auslöser einer mit großer Schärfe öffentlich geführten Debatte um Leitungsstruktur am Haus einerseits und um Machtverteilung in der konkreten Inszenierungsarbeit andererseits. Eine Debatte voller Widersprüche und Ungereimtheiten auch, denen hier einmal nachgegangen werden soll.

Muss der Kanon auf den Müll?

von Sophie Diesselhorst, Ute Frings-Merck, Lilly Merck und Elena Philipp

20. Mai 2019. Das Thema Geschlechterungerechtigkeit am Theater ist eines der meistdiskutierten der vergangenen Saison. Auch das Berliner Theatertreffen stand an seinem abschließenden Wochenende im Zeichen der dreitägigen Konferenz "Burning Issues", die von Nicola Bramkamp (ehemals Schauspieldirektorin in Bonn) und Lisa Jopt (Ensemble-Netzwerk) initiiert wurde und noch einmal die Situation von Frauen im Theaterbetrieb in den Fokus hob.

Frauen im Theater

17. Mai 2019. Lange Zeit war das Ungleichgewicht von Männern und Frauen im Theaterbetrieb kein Thema, das in der breiten Kulturöffentlichkeit diskutiert wurde – trotz krasser Unterrepräsentanz von Frauen in Leitungs- und Regiepositionen, trotz unterschiedlicher Bezahlung von Männern und Frauen in Theaterberufen.

Der Stoff, aus dem der Osten ist?

25. April 2019. Muss man eigentlich immer in die Großstadt, um was Tolles zu erleben? "Nö", denkt sich Ende der 1980er ein junger Mann in einem Kaff in Südbrandenburg – und macht aus der Dorfkneipe einen Szeneklub. Davon handelt Alexander Kühnes autobiographischer Roman "Düsterbusch City Lights", der kürzlich am Theater Magdeburg auf die Bühne kam. Für Folge 14 des Theaterpodcast sind Susanne Burkhardt und Elena Philipp zur Premiere gefahren.

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