Öffnungs-Szenarien dringend gesucht

Interview mit Marc Grandmontagne von Simone Kaempf und Elena Philipp

24. April 2020. Die Corona-Pandemie hat das deutsche Theatersystem hart getroffen. Vielen Privattheatern droht schon jetzt das finanzielle Aus, freie Künstler*innen bangen um ihre berufliche Existenz. Und die fatalsten Auswirkungen der Krise könnten erst noch anstehen. Wie geht es weiter? Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins, spricht sich für eine baldige Wiedereröffnung aus und sagt: es muss geprobt werden, es muss in irgendeiner Weise wieder gearbeitet werden können.

Für die baldige Wiedereröffnung

23. April 2020. Die Corona-Krise stellt den Theaterbetrieb und seine Menschen vor kurz-, mittel- und langfristige Unsicherheiten. Die vielen freien Kulturschaffenden, von denen das Theater lebt, beklagen das schnelle Versiegen der Soforthilfen der Länder, das viele auf die Grundsicherung zurückwirft um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Theater-Institutionen wissen nicht, wann sie ihre Säle wieder für ein Publikum öffnen können. Was sie wissen, ist: Im Jahr 2020 wird wesentlich weniger Geld eingenommen, und mit der Wirtschaftskrise wird die nächste Sparrunde kommen, in der die Kommunen und Länder, die die Theater finanzieren, unter Druck geraten und diesen Druck weitergeben werden. Welche Strategien hat die Kulturpolitik in dieser Situation? Sophie Diesselhorst und Janis El-Bira telefonierten am 16. April 2020 mit der Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters (CDU).

¡Revolución, sí!

Eva von Redecker im Interview mit Christian Tschirner und Lynn Takeo Musiol

22. April 2020. In den ersten Teilen unserer Klimareihe ging es um Möglichkeit und Dringlichkeit gesellschaftlicher Veränderungen. Eva von Redecker, die mit "Praxis und Revolution" eine Sozialtheorie des radikalen Wandels vorgelegt hat, plädiert angesichts der sozial-ökologischen Krise des Kapitalismus für eine Revolution für das Leben.

Klüngeln für eine bessere Welt!

von Felizitas Stilleke

15. April 2020. Ich bin ursprünglich mal eingeladen worden, um über die Zukunft von Festivals zu sprechen. Weil ich Kuratorin bin, nehme ich an. Und was ich jetzt sage, könnte meine Zukunft als Kuratorin im Feld der Freien Darstellenden Künste sofort beenden. Noch schlimmer, was ich jetzt sage, kann und wird gegen mich verwendet werden - vor allem jetzt, wo es im virtuellen Raum gebannt ist für eine undefinierte Ewigkeit.

Egal, ich sage es jetzt einfach, weil es die – oder zumindest meine – Wahrheit ist und diese Wahrheit für mich auch die Zukunft von Festivals und Kuratieren in der heutigen Zeit bedeutet: ICH KURATIERE EINZIG UND ALLEIN MEINE FREUNDE! (und benutze das Wort und seine Bedeutung hier universell). Die Arbeiten, die ich einlade, sind das Werk meiner Freunde. Alle von mir eingeladenen KünstlerInnen, sind meine Freunde. Alle meine kuratorischen Entscheidungen basieren auf Freundschaft. Alle und ausschließlich. Immer. Ausnahmslos.

Das Verschwinden der Welt und das Theater der Diskursfetische

von Lynn Takeo Musiol und Christian Tschirner

8. April 2020. Am 27. Mai 1918 meldete die spanische Nachrichtenagentur Agencia Fabra: "Eine merkwürdige Krankheit mit epidemischem Charakter ist in Madrid aufgetreten. Diese Epidemie verläuft harmlos, keine Todesfälle bisher gemeldet." Die Krankheit reist auf Kanonenbooten, Truppentransportern, Eisenbahnen in alle Welt, kriecht in die vom Krieg geschwächten Körper. Im Herbst 1918 schließt St. Louis Schulen, Kinos und Bibliotheken, Berlin die Post und den öffentlichen Nahverkehr.

Produktivitätsdruck in der Krise

7. April 2020. Das Coronavirus herrscht, die Theater sind geschlossen. Aber zum Stillstand sind sie nicht gekommen: Ihre Bühnen sind ins Internet verlegt worden. Häuser wie die Berliner Schaubühne oder die Münchner Kammerspiele streamen Vorstellungsmitschnitte, Schauspielerinnen rezitieren Hamlet oder melden sich aus dem Familien-Wohnzimmer, Intendanten singen "Das Lied der Viren".

Kunst, die aus Karenz entsteht

Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg im Interview mit Elena Philipp

3. April 2020. Live-Präsenz ist im Theater derzeit strengstens untersagt, dafür wird verstärkt telekommuniziert. Woran arbeitet ein geschlossenes Theater, wenn die üblichen Arbeitsweisen unterbrochen sind und vorerst alles brach liegt? Davon berichten Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg, die Intendanten des Schauspielhaus Zürich, im Zoom-Gespräch.

Der Corona-Reflex

von Katja Grawinkel-Claassen

Düsseldorf, 30. März 2020. In Zeiten von Corona und "social distancing" explodiert die Zahl der digitalen kulturellen Angebote. Bei Theatern war am Anfang noch das Streaming hoch im Kurs, die Live-Übertragung von Vorstellungen. Besonders diskursive Formate wie Vorträge oder Gesprächsrunden können mit überschaubarem Aufwand gestreamt werden, wenn die Ensembles nicht mehr zusammenkommen können und "Geister-Vorstellungen" – ohne Zuschauer*innen, nur für den Stream – nicht mehr möglich sind. Hier kommen im Theater ähnliche Technologien zum Einsatz wie in Schule, Universität oder Unternehmen, die aufgrund der sozialen Isolation zur Eindämmung des Virus auf "home office" umgestellt haben.

Ist Kunst jenseits der Verschwendung denkbar?

von Lynn Takeo Musiol und Christian Tschirner

25. März 2020. Welche Rolle spielen Überlegungen zu Ökologie und Nachhaltigkeit? Ist klimaneutrales Theater technisch möglich und künstlerisch interessant? Gibt es überhaupt Zeit, sich im Alltagsgeschäft über die obligatorischen Solidaritätsbekundungen hinaus mit der Klimakrise zu beschäftigen? Mit diesen Fragen im Hinterkopf wollten wir uns mit Akteur*innen aus Stadttheater und Freier Szene zu einem Gespräch zusammensetzen, um eine Art Bestandsaufnahme zu machen.

Warten auf die große Kunstparty

von Sascha Westphal

21. März 2020. So war das nicht geplant. Eigentlich sollte das vom Netzwerk "Cheers for Fears" gemeinsam mit der Dortmunder Akademie für Theater und Digitalität und dem medienwerk.nrw veranstaltete Symposium "Staging Complexity. Ein Labor zu Kunst und Theater im digitalen Zeitalter" in den Räumen des Theaters Dortmund stattfinden. Außerdem sollte es noch von zwei Präsentationen und mehrtätigen Workshops flankiert werden. Doch in Zeiten von Corona und Social Distancing war das alles natürlich keine Option mehr. Die Workshops sind auf den Herbst verschoben, die Präsentationen mussten bedauerlicherweise ausfallen.