Rechte und Sicherheiten in Zeiten von Corona

Wir fassen hier die Antworten und Hinweise zusammen, die der Bundesverband Schauspiel (Interview mit dem Justiziar Bernhard Störkmann) und der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V. geben.

Die Rückkehr der Großen Erzählung

von Christian Tschirner und Lynn Takeo Musiol

"I've seen penguins, plutonium, pollution and pollen.
But I've never seen Nature at all."
Timothy Morton

11. März 2020. Es gab Zeiten, da war die Zukunft glänzend. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts zum Beispiel: Gottes Plan, ein Himmelreich auf Erden zu errichten, stand kurz vor der Verwirklichung. Christliche Sektierer in ganz Europa fühlten sich zu den unterschiedlichsten sozialen Experimenten ermutigt: Die englischen Levellers wollten die Privilegien des Adels abschaffen. Die Diggers oder True Levellers besetzten und bearbeiteten Land, verteilten die Erträge, um Handel und Geldwirtschaft zu beenden. Einige der Täufer und Mennoniten unterstützten die aufständischen Bauern in ihren Forderungen nach Auflösung der Klöster und Armenspeisung. "Natur, du bist mein Gott, dein Recht ist meins", deklariert Bastard Edmund selbstbewusst im "King Lear". Was die Zukunft brachte, war aber nicht das Reich Gottes, sondern die Neuzeit und mit ihr den Kapitalismus.

"Is she hot or not?"

10. März 2020. Nackte auf der Bühne? Gehören für viele längst zum Klischee des zeitgenössischen Theaters. Als die junge Eva Mattes 1976 in "Othello" nackt über die Bühne gejagt wurde, taugte das zu einem echten Theaterskandal. Mit seiner "Blut-und Fäkalien"-Orgie "Macbeth" löste Regisseur Jürgen Gosch noch 2005 die legendäre "Ekeltheaterdebatte" aus. Auf den FAZ-Großkritiker wirkte das Enthüllen damals wie ein "Verbrechen": "Das Theater, das sich mit 'dem Leben' (meist nichts weiter als ein Synonym für Nacktheit) verwechselt, schändet die Phantasie", schrieb Gerhard Stadelmaier.

Auswirkungen auf die Theater

März 2020. In diesem Beitrag haben wir das Theater betreffende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gesammelt. Bis zum 16. März 2020 wurden die Angaben laufend aktualisiert. Da jetzt alle Theater und Spielstätten in Österreich, der Schweiz und Deutschland geschlossen sind, wird diese Liste nicht weitergeführt.

Was festangestellte und freie Theaterschaffende wissen sollten, finden Sie hier.

Final Climatsy

von Lynn Takeo Musiol und Christian Tschirner

26. Februar 2020. Ein neues Jahrzehnt beginnt! Mit einem Januar wie Australien noch keinen hatte. Es herrscht Urlaubssaison, Buschbrände wüten. Vororte werden evakuiert, tausenden Urlaubern ist der Fluchtweg abgeschnitten. Einige sind an Strände geflohen, und warten, von den Flammen eingeschlossen, im seichten Wasser des Ozeans auf Rettung durch das Militär. Die Buschbrände sind so heiß, dass sie Tornados erzeugen. Zeitgleich zur Dürre in Australien gibt es in Jakarta Hochwasser, ausgelöst durch heftige Monsunregen. 400.000 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen. Im Großraum Jakarta leben circa 30 Millionen Menschen, etwa ein Drittel der Fläche liegt unter dem Meeresspiegel. There's nothing to fix, sie wird in den nächsten Jahren untergehen.

Scheitern inklusive

von Sophie Diesselhorst, Janis El-Bira und Georg Kasch

Berlin, 19. Februar 2020. Im November 2019 wurde am Berliner Ensemble (BE) sehr kurzfristig eine Premiere abgesagt: im Theaterbetrieb eine merkwürdige Begebenheit, aber nicht automatisch ein Skandal. "Pussy – eine Ode an die Männlichkeit" von Stephanie van Batum sollte im Rahmen des Autorenprogramms herauskommen. Das ließ dann doch aufhorchen: Denn diese Sparte des BE hatte schon vorher merkwürdig viele Signale der Unruhe produziert.

Kommt rein, hier ist was los!

von Falk Schreiber

18. Februar 2020. Die sogenannte "Doppelanlage" der Städtischen Bühnen Frankfurt ist ein städtebaulicher Glücksfall. Mitten im Bankenviertel, am verkehrsumtosten Innenstadtring, stehen zwei raumprägende Gebäude, links das Schauspielhaus, rechts das Opernhaus, 1962 eröffnet, auf den ersten Blick eine einheitliche Immobilie. Tatsächlich aber ist die Doppelanlage kein eigenständiges architektonisches Werk, sondern ein Gebäude-Ensemble aus unterschiedlichen Epochen: Reste des 1902 gebauten Schauspielhauses, das bei einem Luftangriff 1944 schwer beschädigt und ab 1949 für Opernaufführungen notdürftig wieder aufgebaut wurde, führte das Architektenbüro Otto Apel in einem Neubau zusammen und verband beide Häuser mit einem 120 Meter langen Foyer.

Wer. Wollen. Sollen. Wir. Sein?

12. Februar 2020. Schwertkampf, Salto, Stützstimme: Was müssen Schauspieler*innen heute lernen, um erfolgreich im Beruf zu sein? Über eine zeitgemäße Schauspielausbildung sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit Julia Gräfner, Franziska Kötz, Milan Peschel und Maryam Zaree.

Konfrontation ist fehl am Platz

Hasko Weber im Interview mit Simone Kaempf

5. Februar 2020. Im Herbst 2019 erschien die Studie des Organisationstheoretikers Thomas Schmidt "Macht und Struktur im Theater", die im deutschsprachigen Theaterbetrieb massiven Machtmissbrauch ausmacht und als Konsequenz grundlegende Struktur-Reformen fordert. Die Studie hat die Theaterszene in Befürworter und Kritiker gespalten. Viele Intendant*innen fühlten sich angegriffen, auch wenn sich die wenigsten öffentlich dazu äußerten. Der Bühnenverein, der von Thomas Schmidt in der Studie kritisiert wird, gab bisher keine Stellungnahme ab. Hasko Weber, Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar und Co-Vorsitzender der Intendant*innengruppe des Bühnenvereins, bezieht im Interview mit Simone Kaempf nun Position.

Mahnbeispiel der Sonderklasse

Stefan Weiss im Interview mit Nikolaus Merck

30. Januar 2020. Fünf Tage hat er gedauert, vorbereitet wurde er sechs Jahre lang: der Gerichtsprozess um Veruntreuung, Untreue und Bilanzfälschung am Wiener Burgtheater. Ermittlungen gab es zu diesen Vorwürfen, die auf ein System finanzieller Misswirtschaft hindeuten, gegen Matthias Hartmann, bis 2014 Intendant der Burg, und Georg Springer, ebenfalls bis 2014 Chef der Burgtheater-Holding. Angeklagt wurde letztlich nur Silvia Stantejsky, die 2013 entlassene Geschäftsführerin und Vizedirektorin. Vorgestern erging in der Sache nun der Richterspruch: Zwei Jahre bedingt für Silvia Stantejsky. Verfolgt hat den Prozess Stefan Weiss, Kulturredakteur beim Wiener Standard. Nikolaus Merck bat ihn um eine Einschätzung.