Stellungsnahme zum offenen Brief der Palästina-Initiative

von Jan Linders und Peter Spuhler

Es gibt seit Zustandekommen unserer von der Bundeskulturstiftung und weiteren Institutionen wie dem Goethe Institut Tel Aviv und dem Land Baden-Württemberg geförderten zweijährigen Theaterpartnerschaft mit dem Teatron Beit Lessin Protest der Palästina-/Nahost-Initiative in Heidelberg. Diese Gruppe hat Jan Linders im Sommer 2009 zu einem etwa zweistündigen offenen Gespräch getroffen. Beim Gastspiel des palästinensischen Freedom Theatre, Jenin, im Oktober 2009 mit dem Stück FRAGMENTS OF PALESTINE und der Filmvorführung ARNA'S CHILDREN haben wir der Gruppe gerne einen Infostand im Foyer des zwinger eingeräumt; sie war auch an der langen Diskussion beteiligt.

Offener Brief der Palästina/Nahostinitiative Heidelberg

 

Heidelberg, 24. April 2010


Sehr geehrter Herr Spuhler, sehr geehrter Herr Linders,

wie Sie wissen, fanden wir es schon äußerst befremdlich, dass Sie letztes Jahr ausgerechnet mit einem israelischen Theater eine "Theaterehe" eingingen - nur wenige Monate nach dem brutalen Angriff der israelischen Armee auf den Gazastreifen. Es war zumindest instinktlos, eine besondere Partnerschaft mit einem Tel Aviver Theater zu vereinbaren, während sonst in der Welt Institutionen aus Empörung über die israelische Politik auf Distanz gingen und in vielen Ländern Boykottbewegungen entstanden.

Interest me!

von Michael Althen

8. April 2010. Guten Abend, meine Damen und Herren,

wahrscheinlich erwarten Sie jetzt jemanden, der Bescheid weiß. Der wenigstens weiß, wovon er redet. Weil er hundertsechzig Stücke gelesen hat und etwas zum Stand des Autorentheaters sagen kann. Aber ganz ehrlich: Das Bescheidwissen ist ein wenig überschätzt. Nicht nur unter Kritikern. Aber bei denen auch. Wer heute irgendwo das Wort ergreift, kann sich halbe Sachen gar nicht leisten. Denn dann wirkt man gleich, als hätte man seine Hausaufgaben nicht gemacht. Als sei man sich seiner Sache nicht sicher. Als könne einem nicht über den Weg getraut werden.

Der Kongress tanzt

von Esther Slevogt

Berlin, 11. April 2010. Schauplatz Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz. Der mit schwarzer Folie ausgeschlagene Zuschauerraum (aufmerksame Fernsehzuschauer kennen das Material von den Leichensäcken, in denen Verbrechensopfer in Fernsehkrimis in die Pathologie oder zum Bestatter geschafft werden), sieht heute besonders unheimlich aus. Die Sitzsäcke sind weggeräumt und eine Plastikbestuhlung eingebaut. Wir schreiben Tag drei des Bankentribunals, das vom globalisierungskritischen Netzwerk "attac" und der Volksbühne einberufen wurde – ein "zivilgesellschaftlicher Prozess", wie es in der Ankündigung hieß, der an diesem Wochenende den Verursachern bzw. Verantwortlichen für die Finanzkrise gemacht werden sollte.

Blindtext fürs Bildungsbürgertum

von Esther Boldt

Mannheim, 19. Februar 2010. Verdeckte Ermittlungen sind eine Supersache. Nur eins können sie bedingt gebrauchen: Öffentlichkeit. Nehmen wir den US-amerikanischen Geheimdienst, die Central Intelligence Agency, kurz CIA: Lässt sie sich in die Karten schauen, ist die Mission gesprengt. Oder eben die Zentrale Intelligenz Agentur, kurz ZIA – ein virtuelles Kollektiv von Kulturagenten.

Im internationalen Kontext

13. Februar 2010. Anhand der nominierten Produktionen werde deutlich, zitiert die Presseerklärung der Berliner Festspiele zur tt-Auswahl Iris Laufenberg, die Leiterin des Theatertreffens, "dass in der deutschsprachigen Theaterlandschaft nicht nur internationale Koproduktionen und länderübergreifend arbeitende Regisseure immer selbstverständlicher werden, sondern dass diese zunehmend auch von Projekten geprägt ist, die bereits in einem internationalen Kontext entstehen, wie "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten" in der Bearbeitung von Victor Bodó in Zusammenarbeit mit der Sputnik Shipping Company Budapest oder "Life and Times" des Nature Theater of Oklahoma."

Narziss und Theorieschwund

von Georg Petermichl

Wien, 29. Januar 2010. Am Ende, so um fünf vor zwölf – also zur Zeit der vorvorletzten Straßenbahn, bekommt der Abend doch noch Effet. Hier ist von "Gesegnet sei mein Leib. Kunst als Egokirche" die Rede, einem Themenabend am Wiener Schauspielhaus, der, vom Schweizer Pop- und Theaterjournalisten Tobi Müller zusammengestellt, sich die Leitfigur des Narzissmus zur Brust nehmen wollte, diesem sagenumwobenen Handlungsmuster in allen Lebens-, Gesellschafts-, und Bühnenlagen des Internet-Zeitalters.

Abschwellende Aufregung

von Ralph Gambihler

Leipzig, 25. Januar 2010. Falls man ein Experiment im Stadttheater daran erkennt, dass es hitzig und mit einiger Verbohrtheit debattiert wird, ist das Experiment Hartmann bereits zu Ende und es dräut die Ankunft im Establishment. Was, wenn es stimmt, durchaus erstaunlich wäre.

Ich entlasse einen Gert Voss nicht aus der Verantwortung!

 

345. Unser Afrika

 

Hier, in der Kommentarspalte versammeln sich
vornehmlich Leute, die beispielsweise mit sehr
vielen Fremdwörtern um sich schmeißen,
abstruse politologische und verschwörungs-
theoretische Traktate absondern oder schlicht-
weg neidisches und kleinmütiges Zeugs … 
Nichts Besonderes also. Ansonsten ist das hier
eine sehr nützliche und lesenswerte Seite.

 

Heribert Fassbender, Posted 24.07.2009 16:50:41 .

 

14. Januar 2009. Das Berliner Theaterjahr 2009 beginnt in der Schaubühne mit einem der bekannten Jan Pappelbaum-Bungalows aus Plexiglas und Sperrholz. Für John Gabriel Borkman hat Thomas Ostermeier eine Starbesetzung aufgeboten. Kirsten Dene kommt vom Burgtheater Wien, Angela Winkler von ihrem Familien-Bauernhof und Sepp Bierbichler aus seiner Ambacher Gaststube. Sebastian Schwarz als Borkman junior antwortet auf die Beschwörungen all der Tschechow-Menschen, sie wollten, müssten, sollten arbeiten, mit einem Schrei nach Freiheit: "Ich bin jung, ich will nicht arbeiten, ich will leben".

Peymanns Geist in Hartmanns Burg

von Stefan Bläske

Wien, 14. Dezember 2009. Eine Burg ohne Gespenster wäre wie ein Käfig ohne Vogel. Und insofern darf man das Burgtheater wohl zu dieser gespenstischen Veranstaltung beglückwünschen: dem 1. öffentlichen Publikumsgespräch mit der Direktion und dem "Publikumsforum". Die Muse Thalia und der Geist Claus Peymanns wurden hier beschworen, gemeinsam blickte man herab auf den gegenüberliegenden Christkindlmarkt und so manches andere deutschsprachige Theater.