Laubenpiepers Traum

von Petra Kohse

Berlin, 23. November 2007. Das "Plädoyer für die Werktreue", das Rolf Schneider in der heutigen Ausgabe der Welt veröffentlicht hat (siehe hier), ist ein schönes und auch anrührendes Beispiel für kulturelles Spießbürgertum. Nur mit selbst Geschnitztem bewaffnet, stellt sich ein wackerer Verteidiger seiner Interessen da der Übermacht schnell schießender Heere entgegen und glaubt, der Sieg sei seiner.

Hat Glück wirklich kein System?

von Simone Kaempf

18. November 2007. Theaterautoren schreiben Theaterstücke, ja. Aber was steht eigentlich drin in den Texten, bevor sie die Regisseure in die Finger bekommen? Diese Frage stellt Eberhard Rathgeb in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 18. November 2007 und unternimmt den Versuch, das Theater lesend, nicht sehend zu verstehen.

Zeit des Hoppings und Pendelns

von Tomo Mirko Pavlovic

Ludwigsburg, 17. Oktober 2007. Von Stuttgart nach Ludwigsburg benötigt man mit der S-Bahn 15 Minuten. Das gilt allerdings nur für Körper, nicht für Ideen. Eine solche, nämlich die der Gründung einer Theaterakademie, braucht schon mal gute 21 Jahre für die Reise in die Große Kreisstadt mit dem famosen viel besuchten Barockschloss. Dabei handelt es sich nicht um irgendein Lustschlösschen mit einem Blümchenpark für Sonntagsausflüge quengelnder Familiencorsos. Es ist ein auratischer Ort, der den Ludwigsburgern immer wieder ein merkwürdig selbstbewusstes Auftreten gegenüber der Landeshauptstadt verschafft.

Großer Titel, kleiner Ertrag

von Esther Boldt

Frankfurt, 2. Oktober 2007. "Europäische Dramaturgien des 21. Jahrhunderts", lautete der furchterregende, fast monströse Titel einer Tagung, die am Sonntag zu Ende ging. Veranstaltet wurde sie vom Master-Studiengang Dramaturgie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, gemeinsam mit der Hessischen Theaterakademie (HTA) – einem Zusammenschluss von Hessischen Theaterinstituten und -häusern, der seit 2002 besteht.

Uns pflegen, heißt euch pflegen

von Rolf Kemnitzer, Andreas Sauter und Katharina Schlender

Berlin, September 2007. Seit Jahren gibt es einen scheinbaren Boom neuer Stücke auf deutschen Bühnen. In immer weniger Tagen immer mehr Uraufführungen zu stemmen, wurde ein Trendsport für Intendanten nach dem Motto: "Schöner Theater machen heißt schneller produzieren und schneller spielen!" Die tatsächlichen Aufführungszahlen sind allerdings rückläufig. Meist werden Stücke kein zweites Mal inszeniert. Die Honorare für Stückaufträge, Ur- und Erstaufführungen gehen in den Keller.

Auf den Bierbänken der Demokratie

von Dirk Pilz

Halberstadt, 14. September 2007. Es geschah in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni diesen Jahres in Halberstadt: Mehrere Schauspieler des Nordharzer Städtebundtheaters wurden von rechtsextremen Schlägern angegriffen. Sie kamen von der Premierenfeier nach der "Rocky Horror Picture Show" im nahe gelegenen Harzer Bergtheater, als Neonazis aus der Kneipe "Spucknapf" heraus angriffen. Einem der Tänzer wurden Zähne ausgeschlagen, dem Gitarrist die Nase gebrochen, die anderen kamen mit kleineren Blessuren davon.

Potenzierung des Grauens

von Hans-Christoph Zimmermann

22. August 2007. Die Darstellung des Terrors im Konzentrationslager gehört seit Ende der Nazizeit zu den großen Tabus der Kunst. Je größer der Abstand zum historischen Ereignis, desto löchriger wurde allerdings das Verdikt. Ob Paul Celan, Primo Levi, Martin Sherman, Frank Beyer u.v.m., später dann mit emphatischen Diskussionen auch in Populärformaten wie der Fernsehserie "Holocaust" oder Art Spiegelmans "Mouse"-Comic. Jetzt zeigte die niederländische Theatertruppe Hotel Modern ihre Figurentheater-Produktion "Kamp", zu deutsch "Lager", über Auschwitz bei den Salzburger Festspielen und löste – auch bei Kritikern – begeisterte Reaktionen aus. Warum eigentlich?

Für Geld geht alles

von Jan Oberländer

Berlin, 7. Juli 2007. Als die beiden Boulevard-Bühnen Komödie und Theater am Kurfürstendamm Ende 2006 von Schließung und Abriss bedroht waren, gab es aus der Öffentlichkeit, aber auch aus der Politik zahlreiche Solidaritätsbekundungen für die traditionsreichen Spielstätten. Im Hinblick auf den Einsatz des Regierenden Kultursenators Klaus Wowereit meint nun die Grünen-Abgeordnete und Vorsitzende des Kulturausschusses Alice Ströver im Gespräch mit nachtkritik.de: "Alles Krokodilstränen".

Texte antworten auf Texte oder Was ist ein Dramatiker?

von Michael Börgerding

Hamburg, 26. Juni 2007.

 

"Wen kümmert's, wer spricht, hat jemand gesagt, wen kümmert's wer spricht." (Samuel Beckett)

 

1.

"Die Geburt des Zuschauers ist zu bezahlen mit dem Tod des Dramatikers." (Roland Barthes)

1969 antwortete Michel Foucault auf die Frage "Was ist ein Dramatiker":

Von Formen und Förmchen

von Oliver Bukowski

Berlin, 25. Juni 2007. Ob als Fertigstück, Lego-Bausatz oder Würfelbecher – die sog. Postdramatik hat die Klaviatur der Mittel und Möglichkeiten eines Bühnenabends angenehm breit gemacht. Das scheint jetzt sogar auf die Juroren überzuschwappen. Die handverlesenen Herrschaften (oder die, die gerade dazu Zeit hatten) strengen sich an, in ihren Entscheidungsweisen selbst a bisserl artifiziell zu werden. Jury-art?