Weniger Gift!

von Nikolaus Merck

21. Oktober 2019. Der Schriftsteller Thomas Melle beklagt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung anlässlich der Debatte um die Nobelpreis-Verleihung an Peter Handke, dass diejenigen, "die sich gegen den Hass, zumal den rechten, positionieren und für die Betroffenen und Diskriminierten einstehen, bisweilen dem Reiz des virtuellen Schauprozesses nachgeben und so selbst eine Unterform der symbolischen Gewalt ausüben". In diese Kritik schließt er nachtkritik.de, auch wenn er den Namen nicht nennt, ausdrücklich mit ein. Dabei bezieht sich Melle auf das "offiziell als Kommentar zum Nobelpreis gepostete" Video von Mateja Meded, das er als "alberner Quatsch" apostrophiert.

"Wie auf der Titanic"

ab 22. Oktober 2019. Das Thema "Klimakrise", in den Wissenschaften seit Jahrzehnten Forschungsgegenstand, wurde im Theater wie in der Politik lange Zeit vergleichsweise randständig behandelt. Angestoßen durch die #FridaysforFuture-Bewegung kommt dem Gegenstand nunmehr vertärkt Aufmerksamkeit zu. Zu den dramaturgischen Fragestellungen an die Erzählbarkeit der Klimakrise richtet die Heinrich Böll Stiftung in Kooperation mit nachtkritik.de und weiteren Partnern am 30. Oktober 2019 die Veranstaltung "Klima trifft Theater – Zur theatralen Erzählbarkeit der Klimakrise" aus. Beteiligt sind das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) Potsdam, der Theaterdiscounter und die Dramaturgische Gesellschaft.

Schauspiele jenseits des Menschen

von Tobias Rausch

16. Oktober 2019. Die Klimakrise bedroht unmittelbar unser aller Zukunft. Wenn das Theater den Anspruch hat, die zentralen Menschheitsfragen zu spiegeln, dann sollte man meinen, dass die Klimakrise geradezu auf die Bühne drängen müsste. Doch ist das Theater überhaupt das geeignete Medium dafür? Ist der Klimawandel nicht ein viel zu abstrakter, nur über statistische Häufungen und naturwissenschaftliche Vermittlungen zu beschreibender Gegenstand, um ihn szenisch anschaulich zu erzählen? Wie kann man Naturphänomene wie zum Beispiel das Artensterben oder Fluten, Dürren und Stürme zum bühnentauglichen Stoff machen?

Die One-Man-Show funktioniert nicht mehr

Thomas Schmidt im Interview mit Simone Kaempf

11. Oktober 2019. Vor zwei Jahren fragte die Kulturratsstudie "Frauen in Kultur und Medien" erstmals nach Repräsentanz von Frauen und Männern im Kulturbetrieb und stellte eine massive Schieflage fest. Um Ursachen ging es noch nicht. Diese Lücke füllt nun Thomas Schmidt, ehemals Geschäftsführer am Deutschen Nationaltheater Weimar und heute Professor für Theater- und Orchestermanagement in Frankfurt am Main.

Leuchtendes Allzweckmittel

2. Oktober 2019. Längst ist der Einsatz von Video auf Theaterbühnen selbstverständlich. Aber es braucht nicht unbedingt eine Kamera, um einen Abend filmisch zu prägen. Ein Podcast über Film auf und hinter der Bühne.

Theater muss für alle sein!

von Silvia Stolz

30. September 2019. "Das größte Theater Deutschlands hat kein stehendes Haus und kein Ensemble, und nicht einmal Theaterkritiker kennen seinen Namen." Geheimnisvoll und beinahe rätselhaft beginnt am 5. Juni 2012 ein Artikel der Journalistin Franziska Bulban in der Wochenzeitung Die Zeit. Fährt man mit der Lektüre fort, stellt man möglicherweise fest, bisher dem weit verbreiteten Glauben aufgesessen zu sein, die deutsche Theaterlandschaft bestünde in ihrer Gesamtheit allein aus öffentlichen Stadt- und Staatstheatern und eventuell noch einigen freien Theatern. In Bulbans Arikel aber ist von einem Theater die Rede, das in diesem Bild bisher nicht vorkommt: "Das Tourneetheater der Konzertdirektion Landgraf lebt im ewigen Kreislauf aus Fahren, Spielen, Schlafen und wieder Fahren. Und es stirbt in den Zeiten der darbenden Kommunen, steigenden Spritpreise, gekürzten Kulturhaushalte. Ohne dass es jemand bemerkt." Mit ihrem Beitrag von Seltenheitswert rückte Franziska Bulban nicht nur Deutschlands größtes Tourneetheater, sondern tatsächlich Deutschlands größtes Theater, (bemessen nach den Aufführungszahlen), einmal ins öffentliche Bewusstsein.

Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?

5. September 2019. Ist der Ton rauer geworden? Hat sich der gesellschaftliche Diskurs durch den erstarkenden Rechtspopulismus verändert – und müssen die Theater darauf reagieren? Das hat MDR Kultur die Theaterintendantinnen und -intendanten öffentlich geförderter Häuser in seinem Sendebereich gefragt: in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Worauf müssen sich Kulturinstitutionen nach den Stimmenzuwächsen für die AfD einstellen? Im Theaterpodcast #17 sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp über diese Intendant*innen-Umfrage mit MDR-Opernredakteurin Bettina Volksdorf.

"Es kann nur eine geben"

von Nicole Bolz

Wuppertal, 22. August 2019. Die Kündigung ist unwirksam. Das hat, ein gutes Jahr nach der fristlosen Entlassung der Intendantin des Wuppertaler Tanztheaters Adolphe Binder, am Dienstag das Landesarbeitsgericht Düsseldorf entschieden. Es schloss sich damit dem erstinstanzlichen Urteil des Arbeitsgerichts Wuppertal von Dezember an und wies damit die Berufung des Tanztheaters (TTW) zurück. Revision ausgeschlossen. Somit besteht das Arbeitsverhältnis zwischen Binder und dem Tanztheater Wuppertal weiter fort – der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die symptomatisch zeigt, was passiert, wenn Kulturpolitik kopflos handelt.

Verschwendung und Verantwortung

8. August 2019. Die Klimakrise ist ein Fakt. Auch fürs Theater. Nicht nur als Thema, sondern auch als Herausforderung für seine Praxis: Muss die Darstellende Kunst jetzt zurück zu ihren Anfängen, zu Freilichtaufführungen und Vorstellungen bei Kerzenlicht? Wie kann Theater in globalen Koproduktionszusammenhängen klimaschonend hergestellt werden?

Räume hacken, aber welche?

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 8. Juli 2019. Es brechen der Stadt die Orte weg, an denen die Gesellschaft sich selbst öffentlich verhandeln kann. Das sagt der Stadtsoziologe Andrej Holm. Neben ihm sitzt auf dem abendlichen Panel im Berliner Club "Mensch Meier" eine Aktivistin, die genau um so einen Ort kämpft. Sie erzählt von einer Brache in Neukölln, die sie mit anderen zusammen erschlossen hat als Biotop einer diversen Stadtgesellschaft. Die Brache habe sofort Verständigungsprobleme produziert: Die eine will feiern, der andere in Ruhe im Garten abhängen. Wenn der Verhandlungs-Ort erhalten werden soll, muss seine mikrokosmische Gesellschaft sich dort selbst verhandeln – und klare Kompromisse finden.