Missversteht euch!

von Wolfgang Behrens

19. Mai 2015. Ich gehe ja übrigens nicht mehr zu den Publikumsgesprächen beim Theatertreffen. Ich möchte nicht sehen, wie Kritiker*innen als Moderatoren oder Juroren den Kuschelkurs fahren ("Für mich war das die beste Aufführung des Festivals – wie sehen Sie das als Regisseur?") oder wie sie – schlimmer noch – den Produktionsdramaturgen spielen ("Ich habe die Aufführung als ganz große Metapher für die ausgebrannte Gesellschaft gelesen. Liege ich da richtig?"). Ich möchte nicht hören, wie Schauspieler*innen wie Fußballer antworten ("Wie haben Sie die Rolle angelegt?" "Also ich hab' die Rolle einfach so gespielt! Ich hab' da nicht groß nachgedacht ..."), und ich möchte nicht erleben, wie sich Regisseur*innen als nette Menschen präsentieren ("Man hätte das auch ganz anders inszenieren können, aber ich hab's halt so gemacht."). Ich muss und will nicht dabeisein, wenn sich das Theater in seiner ganzen betriebsnudeligen Harmlosigkeit offenbart.

Kein bisserl dumm

von Dirk Pilz

12. Mai 2015. Diesmal zu Tim Renner, Kulturstaatssekretär in der deutschen Hauptstadt und überregional bekannt geworden, seitdem Claus Peymann ihn in die Abteilung "nettes, weißes Hemd" einsortierte. Jung, frisch, ein bisserl dumm sei dieser Renner.

Die Kunst des Post-Volkes

von Esther Slevogt

5. Mai 2015. Besuchen wir die Volksbühne, solange sie noch steht. "Verkauft" steht jetzt über dem massigen Bau am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz. In den in zwei Jahren ein neuer Intendant einziehen soll. Nach fünfundzwanzig Jahren. Eigentlich ein normaler Vorgang. Nicht mal Helmut Kohl ist solange Kanzler aller Deutschen gewesen, wie Frank Castorf Intendant der Berliner Volksbühne.

Salatschüssel statt Schmelztiegel

von Georg Kasch

28. April 2015. Vor zwei Wochen schwang sich der europäische Zynismus zu neuen Höhen auf, als die Politik beklagte, was sie zuvor doch mit so viel Nachdruck betrieben hatte: das Ertrinken der Flüchtlinge im Mittelmeer. Was blieb, war ein entsetzliches Gefühl der Hilflosigkeit. Und die Fremdscham, dass gerade jene die abendländischen Werte mit Füßen treten, die sich immer wieder auf sie berufen.

Memoiren

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Memoiren auf nachtkritik.de bisher: 16 Mal

21. April 2015. Wenn man im Foyer des Wiener Burgtheaters auf den Beginn der Vorstellung wartet oder sich in der Pause später die Zeit vertreibt, ohne beim Buffet im oberen Stockwerk ein Schinkensemmerl zu verdrücken – dazu ein andermal –, dann fällt der Blick auf die Auslage der dort integrierten Buchhandlung, die nämlich DVDs, Bücher und CDs über Theater und Theaternahes feilbietet.

Kampf ums Theater

von Wolfgang Behrens

14. April 2015. Als ich noch ein Zuschauer war, bedeutete das Theater noch etwas. Und weil das Theater noch etwas bedeutete, trieb man auch einigen Aufwand, um hineinzukommen. Oder war es umgekehrt? Weil man einigen Aufwand trieb, um ins Theater hineinzukommen, bedeutete es damals noch etwas?

Die Findungskommissäre

von Dirk Pilz

7. April 2015. Heute wieder zu unserem Theaterbetriebswesen. In Rostock brauchen sie jetzt ja einen neuen Intendanten. Auch die Volksbühne ist bald zu haben. Wer es dort nicht schafft, kann es in Dresden versuchen. Oder am Wiener Burgtheater, ebenfalls ein schöner, demnächst zu besetzender Posten, wenn auch etwas in Verruf geraten zuletzt. Kandidatenmangel muss dennoch nirgends gefürchtet werden. Wie man hört, wollen viele ins Intendantenamt, warum auch immer.