Ab in den Plüschsessel!

von Esther Slevogt

15. September 2015. Letzthin wurde von Leserinnen und Lesern ja immer mal wieder Unzufriedenheit mit dem Kolumnenwesen auf nachtkritik.de zum Ausdruck gebracht. Mangelhafter, krampfhafter Humor wurde uns vorgeworfen, laue politische Milchmädchenrechnungen, und überhaupt: dass wir zu viel Senf zu vielen Themen dazugeben würden, von denen wir keine Ahnung hätten. Ja, wir geben es zu, wir sind nur eine Theaterseite. Aber der aktuelle Zustand dieser Welt kann einen schon ziemlich wuschig machen. Da reißt es uns eben doch gelegentlich aus dem Plüschsessel heraus. Man will sich einmischen. Irgendwie raus aus der Blase. Theater, päh! Wer kann in diesen Zeiten noch einfach ins Theater gehen?

Beginn

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Beginn auf nachtkritik.de bisher: 2000 Mal.

8. September 2015. Jetzt, wo es Herbst wird und die Theatersaison wieder beginnt, sitze ich in Iowa City und schreibe diese Kolumne. Es ist spät, und bis der Text abgeschickt werden kann, wird es hier Mitternacht geworden sein, und dort, in Berlin, im Zimmer der verantwortlichen Redakteurin, bereits sieben Uhr morgens. Sie wird ihren Computer einschalten, und ich werde meinen ausschalten.

Ein – – – was???

von Wolfgang Behrens

1. September 2015. Immer mal wieder kocht es hoch. Immer mal wieder erregt sich jemand darüber, dass es auf nachtkritik.de Kommentare von Menschen zu lesen gibt, die anonym bleiben. Für manche ist die Anonymität sogar der Wesenskern von nachtkritik.de – erst in der letzten Woche etwa konnte man in einem Berliner Stadtmagazin nachlesen, nachtkritik.de sei ein "Portal, auf dem anonyme Schreiber gerne alles Mögliche und Unmögliche mutmaßen."

Auf der Tagesordnung

von Dirk Pilz

Berlin, 25. August 2015. Fast täglich derzeit Meldungen von Brandanschlägen und rassistischen Übergriffen. Wer auf der Flucht ist und um Asyl in diesem Land bittet, ist in ihm nicht mehr sicher. Flüchtlinge als Feinde: Das ist Deutschland 2015.

Rent a Queer!

von Georg Kasch

Berlin, 18. August 2015. Frauen, ja, klar, aber seien wir ehrlich: Mit Frauen allein kann man heute nichts mehr reißen. Gerade schrieb ein Kollege über das Zentrum für politische Schönheit (ZPS): "Die Aktivisten und die Aktivistinnen wirken insgesamt sehr smart, sehen gut aus und könnten genauso gut einem Prospekt der Sparkasse, der Jugendgruppe der Liberalen oder der Grünen entstammen. Sie wirken jedenfalls kein bisschen queer." 

Agentur für Landesverrat

von Esther Slevogt

11. August 2015. Die Ermittlungen gegen netzpolitik.org wurden also eingestellt. War auch an der Zeit. Ein peinliches Schauspiel, das unsere Demokratie da abgeliefert hat. Und dann auch noch dieser so genannte Justizminister! Oder der Verfassungsschutzpräsident! Trotzdem: irgendwie auch naiv von unserem Harald Range, dem nun entlassenen Generalbundesanwalt. Dass der wirklich dachte, er kommt damit durch. Ich meine, wo heute das ganze Ding mit der Autorität analog doch überhaupt nicht mehr funktioniert. Schon bei vergleichsweise niedrig hängenden Veranstaltungen wie einem Elternabend kann sich der Lehrer (oder wahlweise die Lehrerin) schon nicht mehr gegen die Elternmeute durchsetzen. Schüler überwachen Lehrer mit der Handycam und stellen die Ergebnisse ins Netz. Alte Autoritätsstrukturen sind doch längst so massiv unterwandert, dass heutzutage die Autoritäten die wahren Loser sind. Und nur auf Staatsebene soll diese Nummer noch funktionieren?

Wir

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes wir auf nachtkritik.de bisher: "Ein oder mehrere häufig vorkommende Wörter wurden bei der Suche ignoriert!"

4. August 2015. Als ich jetzt, am zweiten August, diesen Eintrag schreibe, jährt sich Christoph Schlingensiefs "Baden im Wolfgangsee" auf den Tag genau zum 17. Mal. Wir erinnern uns: Die Einladung zum gemeinsamen Baden im österreichischen St. Gilgen am Wolfgangsee erging an sechs Millionen deutsche Arbeitslose. Erklärtes Ziel war es, gemeinsam den Wasserstand des Sees zu heben, um Helmut Kohls Ferienhaus am Ufer zu fluten. – Elfriede Jelinek betreibt ja seit einigen Jahren ihre Homepage, auf der sie laufend Texte und Kommentare veröffentlicht. Auch das Foto von Christoph Schlingensief mit "Chance2000"-Käppchen aus 1998 findet sich in dieser Sammlung auf elfriedejelinek.com.