Nie wieder Langeweile

von Michael Wolf

9. Oktober 2018. Theater ist ein Glücksspiel. Als Zuschauer gehen wir Abend für Abend Risiken ein. Selbst hochkarätig besetzte Premieren treffen mitunter nicht unseren Geschmack. Mir selbst war oft nach den ersten zehn Minuten bereits klar, dass mich das Bühnengeschehen auch für den Rest der Aufführung nicht mehr interessieren würde.

Schwarze Löcher der Aufmerksamkeit

von Esther Slevogt

2. Oktober 2018. Lokaljournalisten, das waren auch einmal Figuren aus dem bürgerlichen Heldenleben. Sie stellten Öffentlichkeit für das unmittelbar Benachbarte her, schauten Lokalpolitikern auf die Finger, untersuchten örtliche Skandale, schrieben über Missstände im Kreiskrankenhaus, Wohltätigkeitsbasare, Sport- und Schützenfeste oder Kulturveranstaltungen vor Ort. Konzerte des Kirchenchors zum Beispiel, und Aufführungen des örtlichen Theaters natürlich auch. Auf den Anzeigenseiten der Lokalblätter gab es Werbung lokaler Geschäftsleute und zwischendurch standen Todes- und Familienanzeigen.

Schöne bunte Leitkultur

von Sophie Diesselhorst

25. September 2018. Kulturschaffende schreiben einen Offenen Brief, in dem sie Heimatminister Horst Seehofer zum Rücktritt auffordern. "Die Zeit, in der man passiv sein konnte, ist für alle vorbei", sagt der Pianist und Twitterer Igor Levit in einem Interview mit der taz. Und tatsächlich hat selbst die breitenwirksame Schlagersängerin Helene Fischer, die wahrscheinlich auch AfD-Wähler*innen zu ihren Fans zählt, auf Facebook den Hashtag #WirSindMehr benutzt, der in Reaktion auf die rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz entstanden ist.

Güldener Grenztest

von Wolfgang Behrens

18. September 2018. Jetzt ist tatsächlich einmal etwas passiert! In mein beschauliches Wiesbadener Dramaturgen-Dasein ist ein goldener Erdoğan hineingeplatzt. Über Nacht stand er plötzlich da – die Macher der Biennale, die von meinem Theater ausgerichtet wird, hatten ihn aufstellen lassen, ohne dass die allermeisten Theatermitarbeiter (darunter auch ich) vorher auch nur irgendetwas davon geahnt hätten. Und es trat ein, wovon Dramaturgen eigentlich träumen: Nicht nur die hiesige Zeitung und der Lokalteil des überregionalen Organs berichteten – nein, von den "heute"-Nachrichten bis zur "New York Times" diskutierte man über diese Erdoğan-Statue, die über Nacht wie ein Ufo auf dem Wiesbadener Platz der deutschen Einheit gelandet war und wie der Monolith in Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" bestaunt wurde.

Dann lieber wildpinkeln

von Michael Wolf

6. September 2018. Treue Leser dieser Kolumne ahnten es sicher schon: Mein Steckenpferd ist die Hygiene. Ich habe keine Angst vor Krankheiten, vielmehr verstehe ich Reinlichkeit als ästhetische Herausforderung. Mit dieser Haltung stehe ich nicht allein am Pissoir. Immer wieder ist zu hören, dass Zuschauer am Programm ihres Theaters nicht viel auszusetzen hätten. Unzufrieden seien sie hingegen mit den langen Schlangen vor den Bedürfnisanstalten, ihrem Zustand. Werfen wir also einen kritischen Blick in die Herrentoiletten einiger Berliner Theaterhäuser.

Selber Kälber

von Wolfgang Behrens

19. Juni 2018. Als ich noch ein Kritiker war, dachte ich, die schärfsten Kritiker des Theaters seien die Kritiker. Und vielleicht stimmt das ja auch, je nachdem, was man unter dem Begriff "scharf" subsumieren möchte. Die eine oder andere scharfsinnige Beobachtung schleicht sich schon ab und an in eine Kritik ein; und wer unter Schärfe die Bereitschaft zum Verriss versteht, wird natürlich auch hie und da in Kritiken fündig.

Go, Google, go away!

von Sophie Diesselhorst

11. Juni 2018. Es ist Sommer, und die Nachtkritik(-Redakteurin) ist erschöpft. Aber alles gut. Im luxuriösen Unterschied zu den Theatermacher*innen, die in Vorproben für die nächste Spielzeit sitzen und schwitzen, darf sie im Freibad die Hüllen fallen lassen. Was sich dabei allerdings nicht ablegen lässt, ist die professionelle Deformation jederzeit und überall Inszenierungen zu wittern, zu enttarnen und (selbstverständlich messerscharf!) zu analysieren.