Die Moskauer Prozesse

25. Februar 2021. 2013 stellte Milo Rau im Sacharow-Zentrum Moskau in einer dreitägigen "Gerichtsschau" den Prozess gegen die "Pussy Riot"-Aktivist*innen nach, die nur ein knappes halbes Jahr vorher wegen ihrer Intervention "Punk-Gebet" in der Christ-Erlöser-Kathedrale Moskau nach einem Schauprozess zu Haftstrafen verurteilt worden waren. Die drei Tage wurden danach zu einem Dokumentarfilm zusammengeschnitten, der am 25.2. um 19 Uhr im Rahmen der Milo-Rau-Werkschau "School of Resistance" auf der Webseite der Akademie der Künste Berlin (AdK) läuft – sowie hier im Nachtkritikstream, wo er begleitet wird von einem Livechat mit Milo Rau. Außerdem gibt es im Anschluss noch ein Nachgespräch.

Die letzten Tage der Ceaucescus

24. Februar 2021. 2009/10 begründete Milo Rau mit der Inszenierung "Die letzten Tage der Ceaucescus" seine ästhetische Praxis des Reenactments historischer Schlüssel-Ereignisse im Theater. Nach akribischer Recherche stellten Rau und sein International Institute of Political Murder (IIPM) mit einem Team von 16 Schauspieler*innen die Aburteilung und Hinrichtung des Ehepaars Ceausescu am ersten Weihnachtstag 1989 nach. Das Projekt hatte einen Prozess des letzten lebenden Sohnes des Diktatorenpaars gegen das IIPM zur Folge. Wegen dieses Prozesses wurde der Film, der aus der Inszenierung entstand, bisher erst selten gezeigt. Im Rahmen der Milo-Rau-Werkschau "School of Resistance" läuft er nun am 24. Februar um 19 Uhr auf der Webseite der Akademie der Künste Berlin (AdK) und hier im Nachtkritikstream – im Anschluss gibt es noch ein Diskussionspanel.

give me up – wie einen fisch auf dem trockenen

20./21. Februar 2021. Im Musik-Theater-Film "give me up – wie einen fisch auf dem trockenen" präsentiert sich der aktuelle Abschlussjahrgang Schauspiel der HfS "Ernst Busch" Berlin – der Film ist im Sommer 2020 als spontane Gemeinschaftsproduktion der Studierenden und des Regisseurs Marius Schötz entstanden, nachdem der Liederabend, auf dem er basiert, nicht zum Schauspielschultreffen reisen konnte, weil das Schauspielschultreffen natürlich wegen der Pandemie abgesagt worden war. "give me up – wie einen fisch auf dem trockenen" erzählt von einer ganz normalen Studierenden-WG in unnormalen Zeiten – in sommerlich eingefärbten Bildern, Szenen und (größtenteils) selbstgeschriebenen Songs. Der Nachtkritikstream machte den Film zum ersten Mal einer hochschulexternen Öffentlichkeit zugänglich.

Die Konferenz der Tiere

19./20. Februar 2021. Im Februar streamen wir jeweils freitags und samstags eine Inszenierung aus dem Kinder- und Jugendtheater. Diese Woche: Die Konferenz der Tiere von Katharina Birch nach Erich Kästner am Theater Osnabrück inszeniert. Wenn die Menschen schon nicht die Erde retten, dann wollen die Tiere zumindest die Menschen retten, genauer: die Kinder, und trommeln sich gegenseitig zu einem großen Treffen zusammen, angeführt vom Elefanten Oskar, so schon in Kästners Kinderbuch. Bei Regisseurin Katharina Birch ist die Rolle nicht nur genderbewusst als Frau besetzt, die Tiere schalten sich auch im schönster Artenvielt via Zoom zusammen und wissen um die Probleme der Gegenwart. Ein Highlight sind auch die Kostüme und die Bühne der beiden Ausstatterinnen Georg&Paul. Wir zeigen die Arbeit bis Samstag, 20.2., 15 Uhr. 

Odysseus - ein Roadtrip

12. Februar 2021. Im Februar streamen wir jeweils freitags und samstags eine Inszenierung aus dem Kinder- und Jugendtheater. Nach dem Auftakt mit "Hieronymus" von pulk fiktion, folgt der Theaterfilm Odysseus - ein Roadtrip von Sina Baajour an der Jungen Ulmer Bühne in Szene gesetzt. Odysseus begibt sich darin auf eine verkappte Auto-Irrfahrt mit Hindernissen und Abenteuern, die nur sehr langsam vorangeht. Der Theaterfilm entstand im vergangenen Herbst. Die Premiere ist an diesem Freitag. Wir zeigen den Film im Stream am 12.2., ab 19 Uhr, bis Samstag, 13.2., 19 Uhr. Die Junge Ulmer Bühne ist Mitinitiator von theater-stream.de, einer Streaming-Plattform für Jugendtheater in Baden-Württemberg.

Gespräch mit drei Juror*innen

9. Februar 2021. Das Berliner Theatertreffen gilt als zentrale Leistungsschau des deutschsprachigen Theaters. Am Dienstag, dem 9. Februar 2021, gibt die siebenköpfige Jury ihre diesjährige Auswahl von zehn bemerkenswerten Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und Schweiz bekannt.

Hieronymus

5. Februar 2021.  Im Februar streamen wir jeweils freitags und samstags eine Inszenierung aus dem Jungen Theater. Den Auftakt macht Hieronymus, inszeniert von Hannah Biedermann / pulk fiktion nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Thé Tjong-Khing. Die Figuren, Tiere und Fabelwesen von Hieronymus Bosch sind Grundlage der Erzählung, in der ein Junge in eine Schlucht stürzt und damit in eine Welt voller fremder und skurriler Wesen. Hannah Biedemanns Inszenierung wurde 2020 mit dem Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis ausgezeichnet und ist zu mehreren Festivals eingeladen. Wir zeigen die Arbeit ab Freitag, 5.2., 15 Uhr, bis Samstag 15 Uhr. 

This Is Not A Game

4. Februar 2021. Verschwörungstheorien haben Konjunktur. Sie entstehen in Internetblasen und breiten sich rhizomartig aus. Was passiert, wenn sie schließlich die analoge Welt entern, war im Januar bei der Erstürmung des Kapitols in Washington zu erleben. Unter denen, die marodierend in den Sitz des Kongresses eindrangen und damit ins Zentrum der US-amerikanischen Demokratie, waren auch Anhänger der QAnon-Verschwörungstheorie. In seinem Video-Essay untersucht der Regisseur und Medienkünstler Arne Vogelgesang an Hand von QAnon Aspekte von Fiktionalisierung und Fragmentierung politischer Wirklichkeiten durch netzbasierte Kulturtechniken.

Il cielo non è un fondale / Der Himmel ist keine Kulisse

29. Januar 2021. Vom 20. bis 31. Januar findet am Hamburger Thalia Theater und am Dramaten in Stockholm die digitale Ausgabe der LESSINGTAGE, des Festivals des europäischen Theaternetzwerkes mitos21, statt. Die internationalen Gastspiele wurden von den Mitgliedshäusern des Netzwerkes selbst ausgesucht und werden nun als Streams präsentiert: "Ein digitales Panorama des europäischen Theaters", verspricht das Thalia Theater auf seinen Seiten, "heterogen und verschieden in Inhalten und Ästhetiken, angetrieben von der Neugier auf die Vielfalt Europas."

nachtkritik.de zeigt zwischen dem 21. und 31. Januar jeweils von 19 bis 24 Uhr eine Auswahl des Festivals an insgesamt fünf Abenden. Am 30. Januar setzen wir unser Streaming fort mit einer Arbeit des italienischen Autoren- und Regieduos Daria Deflorian und Antonio Tagliarini: Il cielo non è un fondale ("Der Himmel ist keine Kulisse"), koproduziert vom Odéon - Théâtre de l'Europe, Paris.