Alles richtig gemacht?

Hamburg, 18. Oktober 2010. Friedrich Schirmer, zurückgetretener Intendant des Deutschen Schauspielhauses Hamburg hat dem Spiegel ein Interview gegeben. Schirmer findet, er habe das Schiff Schauspielhaus "ordnungsgemäß" der "Mannschaft übergeben", auch wenn er seinen Rücktritt "zu wenig erklärt" habe. Dass Intendanten zurückträten, sei gerade am Schauspielhaus schon häufiger vorgekommen.

Weckruf

13. Oktober 2010. Eine Inszenierung des Elfriede Jelinek-Stückes Rechnitz (Der Würgeengel) am Düsseldorfer Schauspielhaus hat Publikumsproteste ausgelöst.

Im Urlaub

Frankfurt, 12. Oktober 2010. In einer ausführlichen, wohlinformierten und äußerst lesenswerten Abrechnung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geht Volker Corsten nicht nur mit der katastrophalen Kulturpolitik Hamburgs ins Gericht: "Geht angesichts eines solchen dreisten Dilettantismus nun ein Aufschrei durch die Stadt? Formiert sich das immer noch starke Bürgertum dieser fiskalisch armen, aber an Privatvermögen und Stiftungen so reichen Stadt, gibt es gar Großdemonstrationen? Nein. Nichts, was über eher hilflos anmutende Aktionen der direkt Betroffenen hinausgeht."

Ein Ahnungsloser

5. Oktober 2010. "Der Hamburger Kultursenator Reinhard Stuth hat in vier Wochen mehr zerstört als all seine Vorgänger zusammen", schreibt Till Briegleb in der Süddeutschen Zeitung (5.10.2010). Der neue Hamburger Kultursenator, "der mit seiner kecken Fliege und dem verlegenen Dauerlächeln wie ein Mathe-Lehrer wirkt, der seine Klasse nicht in den Griff kriegt", will das Altonaer Museum schließen. Er will "das Gebäude verkaufen und damit die Hälfte der Sparquote erbringen, die er sich bei der Haushaltsklausur des Senats vorvergangene Woche hat aufschwatzen lassen". Das Altonaer Museum könne er dabei gar nicht schließen.

Zahlenspiele mit Pfeffersäcken

Hamburg, 30. September 2010. "Revolution liegt in der Luft", schreibt Evelyn Finger im Wochenblatt Die Zeit. Sie resümiert ausführlich die aktuelle Hamburger Kulturkrise und stellt interessante Fragen: "Wieso kann Leipzig 15 Prozent seines Haushaltes für Kultur ausgeben und Hamburg nur zwei? Wie soll das Schauspielhaus als Spitzentheater mit schon jetzt nur noch 30 Ensemblemitgliedern (Durchschnitt sind in vergleichbar großen Häusern 45) Spitze bleiben, wenn das Wiener Burgtheater über hundert und sogar Düsseldorf über vierzig Schauspieler hat? Wie steigert man bei guter Auslastung Einnahmen, ohne die Kartenpreise zu erhöhen?"

Mangel an Sachverstand an der Behördenspitze

28. September 2010. Anlässlich der Premiere von Volker Löschs "Hänsel und Gretel gehn Mümmelmannsberg" nutzt Till Briegleb in der Süddeutschen Zeitung die Gelegenheit für ein Zwischenresümee der derzeitigen Hamburger Kulturpolitik: "Die Stadt hat im Moment einen Kultursenator, der die einfachsten Gesetze seines Fachs nicht versteht und Institutionen schwer beschädigt, weil ihre Inhalte gerade nicht so erfolgreich sind."

"Bitte, wehrt Euch!"

27. September 2010. Im Hamburger Abendblatt (27.9.2010) protestieren alle sechs noch lebenden ehemaligen Intendanten des Schauspielhauses gegen die angekündigten Budget-Kürzungen.

Intendanten sind nicht so leicht auszutauschen wie Erste Bürgermeister, sagt Ivan Nagel (Intendant 1972 bis 1979). Mit der Idee, Schauspielhaus und Thalia unter einem Generalintendant zusammenzulegen, "haben sich kunstfremde und sparwütige Politiker oft beschäftigt". Ihre Verwirklichung würde Hamburg zur aussichtslosen Provinz machen.

Blutopfer

Till Briegleb findet, der neue Hamburger Kultursenator Reinhard Stuth habe sich bei der Senatsklausur, bei der es um die Kürzung des Haushalts um eine halbe Milliarde Euro ging, mehr als nötig dem Spardiktat gebeugt und mit Schauspielhaus, Bücherhallen und vor allem dem Altonaer Museum diejenigen "Institutionen ans Messer geliefert, von denen gerade der geringste Widerstand zu erwarten ist".

Befreit euch aus veralteten Hierarchieformen!

8. September 2010. Die Idee, das Subventionssystem grundlegend umzukrempeln und Fördergelder direkt an Künstler zu vergeben, wird nicht nur von einigen nachtkritik-Kommentatoren diskutiert. Im Interview mit Alexandra Kedves im Zürcher Tagesanzeiger spricht Regisseur Samuel Schwarz davon, dass das holländische Modell für die Schweiz Vorbild sein könnte: "Man unterstützt nicht Häuser, sondern lebendige Teams mit eigenständiger, individueller Organisationsform. Sprich: Der Verteilschlüssel bei den Subventionen muss und wird anders aussehen."