7. August 2008. Heftig umstritten ist Daniel Kehlmanns Salzburger Rede über bzw. gegen das Regietheater. Uns verhieß Kehlmann wenig Gutes.

10. Juni 2009. "Es ist fast, als wolle man schnell das Geld verbrennen, solange es noch da ist", schreibt Christopher Schmidt in der Süddeutschen Zeitung (10.6.) über die Tendenz der Theaterbühnen, sich "im Wettbewerb darum, wer von ihnen am hellsten leuchtet" bis "aufs äußerste" zu verausgaben.

19. Mai 2009. Heute wird abgerechnet. Das Theatertreffen 2009 ist aus und die BeobachterInnen resümieren ihre Eindrücke.

6. Mai 2009. Die Neue Zürcher Zeitung hat am Samstag (2.5.) ein sehr, sehr langes Gespräch mit Peter Stein veröffentlicht. Der Anlass: Stein erhält am 19. Juni den Zürcher Festspielpreis. Der geheime Anlass aber ist wohl, dass die Neue Zürcher Zeitung ihr Verständnis vom rechten Theater gegen das Bekenntnis des Theatertreffens zu neueren Theaterformen formulieren möchte.

7. April 2009. Nachdem sich Christine Wahl schon vorgestern im Berliner Tagesspiegel (5.4.2009) Gedanken zum Mitmachtheater gemacht hatte und angesichts des neuesten Projektes von Rimini Protokoll, Zuschauer als Kleinst-Aktionäre in die Jahreshauptversammlung von Daimler-Benz einzuladen, mit dem Fanfarensatz geurteilt hatte: Politischer könne Theater dieser Tage kaum sein - zieht heute die Süddeutsche Zeitung nach. Wo Wahl Filippo Marinetti mit theatralen Bastelstunden und Signas inszenierte "Diktaturerfahrung mit Sexappeal" mit dem Experten-Reality-Theater der Riminis zusammengebracht hatte, geht Adrienne Braun in der Süddeutschen den kurzen Weg von Dieter Zetsches Schnurrbart über das web 2.0 zu Rimini Protokoll, Volker Löschs Bürgerchören, bis hin zu Christoph Schlingensiefs Neonazis in der Zürcher Hamlet-Aufführung und den allerorten aus dem Boden schießenden Jugend-Spielclubs. Überall springt ihr der nämliche Sachverhalt ins Auge: "Das Volk redet mit, beansprucht Sichtbarkeit im öffentlichen Diskurs … das Individuum will ein 'Tattoo', eine Spur in der Öffentlichkeit hinterlassen".

11. Februar 2009. Es ist jedes Jahr dasselbe Spiel: Die Theatertreffen-Jury gibt ihre Auswahl bekannt – und die anderen meckern. Absehbar!, keine Provinz!, keine Jungen!, kaum Frauen!, zu wenig Dramatik!, heißt es da. Und manch einer möchte die Veranstaltung gar grundsätzlich in Frage stellen. Wir haben, unter kräftiger Mithilfe unserer LeserInnen, bereits eine virtuelle Alternative geschaffen – und konnten zwar auch nur eine Frau (allerdings eine andere), dafür aber immerhin ein paar Überraschungen sowie eine etwas dezentralere Auswahl präsentieren.

Ach!

Hamburg, 30. Oktober 2008. Das Hamburger Schauspielhaus verschickt folgende gemeinsame Erklärung von Kultursenatorin Karin von Welck und Intendant Friedrich Schirmer:

"Die unterschiedlichen Auffassungen konnten wir heute in einem persönlichen Gespräch vollständig klären. Wir werden auch in Zukunft ganz selbstverständlich so vertrauensvoll zusammenarbeiten wie bisher. Unbenommen des Dissenses in der Bewertung der Inszenierung von Volker Lösch, haben wir uns unserer gegenseitigen Wertschätzung versichert. Damit betrachten wir die Angelegenheit als für uns erledigt."

 

Skandal!

Maike Schiller hat am 29. Oktober im Hamburger Abendblatt über von Welcks Pressemitteilung als Erste informiert. Sie weiß auch zu bestätigen, dass von Welck versucht habe, Einfluss auf die Inszenierung zu nehmen. Meike Harms, Mitglied des Hartz-IV-Chors, berichtet Schiller zufolge: "Uns hat man gesagt, dass sie vor der Premiere deshalb mit dem Intendanten gesprochen hat. Ich fand es irre, dass diese Frau das Stück noch gar nicht gesehen hatte und den Epilog verbieten lassen wollte." Auch Volker Lösch, Regisseur des Stückes, bestätigt den versuchten Eingriff in die künstlerische Freiheit: "Sie hat versucht, Einfluss zu nehmen. Das hat mir Herr Schirmer so erzählt." Die Kultursenatorin sagte dagegen: "Das stimmt nicht!" Lösch wiederum empfindet auch die Pressemitteilung von Welcks "als Versuch einer Einflussnahme".

Ist's möglich?

Hamburg, 29. Oktober 2008. Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg teilt mit:

"Mit äußerster Verblüffung haben wir die Stellungnahme der Kultursenatorin zu unserer Aufführung "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?" zur Kenntnis genommen. Gemeinhin üben sich die politisch für die Kultur Verantwortlichen klugerweise in öffentlicher Solidarität oder in Zurückhaltung gegenüber den Ihnen anvertrauten Theatern, außer in Fällen pflichtwidrigen Verhaltens einzelner, sprich: des Intendanten. Üblicherweise werden kritische Fragen intern ausgetauscht oder als Meinungsverschiedenheiten ausgetragen, sei es im persönlichen Kontakt, sei es im zuständigen Gremium des Aufsichtsrats.