Presseschau vom 26. September 2018 – Der Schriftsteller Volker Lüdecke plädiert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für ein Autorentheater
Greift Euch die Volksbühne!
26. September 2018. Ein "Plädoyer für ein selbstbewusstes Autorentheater" hat der Schriftsteller Volker Lüdecke in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (26.9.2018) verfasst. "Gerade jetzt wäre es höchste Zeit für eine Renaissance des Textes am Theater: Denn während auf der Bühne alle erdenklichen ästhetisch-formalen Revolutionen längst stattgefunden haben, setzt man bei den Inhalten immer noch auf postdramatischen Mainstream und sozialpädagogischen Ersatzdienst. Oder kaut, wie in vielen Stadttheatern, seit Jahren den immer gleichen Texte- und Themenfundus durch."
Presseschau vom 24. September 2018 – die Münchner Abendzeitung beleuchtet die kulturpolitischen Hintergründe der Entscheidung für Barbara Mundel als Kammerspiele-Chefin
Eine Prise Aufklärung, bitte
24. September 2018. Noch ehe der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) die Opposition im Stadtrat über seinen Vorschlag informieren konnte, Barbara Mundel zur neuen Intendantin der Kammerspiele zu machen, "wussten schon kommunalpolitische Twitterer aus der AZ und anderen Redaktionen Bescheid", schreibt Robert Braunmüller in der Münchner Abendzeitung (AZ). "Solche Demütigungen mag kein Politiker besonders."
Presseschau vom 22. September 2018 – Der Wiener Standard über die Auseinandersetzungen um die Aufführung von "Der Kampf des N***** und der Hunde" am Wiener Akademietheater
Macht das Wiener Burgtheater den Rassismus salonfähig?
22. September 2018. Am Akademietheater wird das Stück "Kampf des N**** und der Hunde" [Schreibweise mit *** vom Redakteur] von Bernard-Marie Koltès aufgeführt. Auch in Wien gibt es dagegen Proteste. Eine sich "malaika & friends" nennende Gruppe wirft dem Burgtheater vor, durch den Gebrauch des N-Wortes Rassismus salonfähig zu machen, schreibt Ronald Pohl in der Wiener Tageszeitung Der Standard (online 21.9.2018, 11:00).
Presseschau vom 17. September 2018 – In der Berliner Zeitung sieht Petra Kohse im Fall Jan Fabre ein Symptom für das Ende des Geniekults in der Kunst
Menschen sind kein Material
17. September 2018. "Was auch immer dabei künstlerisch herauskommen mag – die Zeit der allmächtigen Inszenatoren scheint gestundet. Menschen sind kein Material. Auch nicht auf der Bühne", schreibt Petra Kohse in der Berliner Zeitung mit Blick auf die Vorwürfe gegen den belgischen Künstler und Choreografen Jan Fabre, gegenüber Tänzer*innen seines Ensembles sexuell übergriffig geworden zu sein.
Presseschau vom 13. September 2018 – Peter Kümmel beklagt in der ZEIT das Verschwinden der Verwandlungskunst im Schauspiel
Szenische Putztruppen
13. September 2018. In der Wochenzeitung "Die Zeit" (13.9.2018) diagnostiziert Theaterkritiker Peter Kümmel im Anschluss an die Theatertreffen-Reden von Schauspieler Fabian Hinrichs und von Regisseur Milo Rau eine Krise der Schauspielkunst, genauer: des Verwandlungsschauspiels. "Viele Inszenierungen, die ich in den letzten Jahren sah, wirkten so, als sei der Darsteller auf der Bühne dazu da, uns vor dem Stück, der Aufführungstradition und dem toten Autor zu beschützen. Er steht an der Rampe wie ein Mediator."
Presseschau vom 4. Juli 2018 – Der Berliner Tagesspiegel spricht mit dem Intendaten der Berliner Festspiele Thomas Oberender über das große Immersions-Projekt "Dau"
Unguter Einfluss oder Hilfe zur Heilung?
7. September 2018. Im Berliner Tagesspiegel führt der Co-Feuilleton-Chef Rüdiger Schaper ein kritisches Interview mit dem Intendanten der Berliner Festspiele Thomas Oberender. Das Thema: Das für Oktober geplante, große Immersionsprojekt "Dau", für das vier Wochen lang zwischen Staatsoper Unter den Linden und Schlossplatz ein Areal mit einer Replika der Berliner Mauer umgeben werden soll. In dieser Zeit sollen 13 Filme des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky uraufgeführt werden, die in den letzten Jahren in der Ukraine entstanden sind. Für die Filme hatten Hundert Spieler*innen "für mehrere Jahre in der fiktiven Welt eines wissenschaftlichen Instituts" in der Sowjetunion "ganz real zusammengelebt" und sich dabei filmen lassen.
Presseschau vom 3. September 2018 – Der Tagesspiegel zweifelt am DAU-Großprojekt der Berliner Festspiele
"Russischer Finanz- und Kunstkomplex"
3. September 2018. Unter Thomas Oberenders Leitung haben sich die Berliner Festspiele "der Immersion verschrieben", schreibt Rüdiger Schaper im Tagesspiegel. Allerdings sei durch die bisherigen Aktivitäten der Festspiele nicht klar geworden, "was 'Immersion' eigentlich bedeutet. Oder so viel: Das Immersive lebt von Vernebelung." Und habe etwas Autoritäres. "Immersion als inszenierte Vereinnahmung – mit oder ohne 3D-Brille, aber mit Ansage", so Schaper. "Nicht wenige Konsumenten finden das schick, verwechseln Gängelung mit Teilhabe. Das immersive, partizipative Spiel ist abgekartet und oft banal."
Presseschau vom 2. September 2018 – Streit um die gesunkenen Einnahmen der Wiener Festwochen
Weniger Programm, weniger Einnahmen
Wien, 2. September 2018. In Wien ist ein Streit um die Einnahmensituation der Wiener Festwochen ausgebrochen. Auf Anfrage der liberalen Neo-Fraktion veröffentlichte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler die Bilanz der Festwochen, die der Wiener Kurier wiedergibt: Von 1,5 Millionen Euro Kartenerlösen im Jahr 2014 seien die Einnahmen schon unter Intendant Markus Hinterhäuser auf 887.840 Euro im Jahr 2016 abgesunken. Unter Tomas Zierhofer-Kin lagen die Zahlen 2017 bei 807.382 Euro, 2018 wurden 583.025 Euro erlöst. "Es ist unfassbar, wie die Wiener Festwochen in den letzten Jahren herabgewirtschaftet wurden“, kommentiert Neo-Cheffin Beate Meinl-Reisinger im Kurier.
Presseschau vom 27. August 2018 – In der Süddeutschen Zeitung beklagt Dorion Weickmann Geschlechterungerechtigkeit im Tanzbetrieb
Es braucht Gärtnerinnen
27. August 2018. Mit Blick auf Führungswechsel (weiblich --> männlich) in Wuppertal und Trier stellt Dorion Weickmann in der Süddeutschen Zeitung fest, dass im Tanzbetrieb auf der Leitungsebene eine grobe Geschlechterungerechtigkeit herrscht. Im Tanz hätten immer noch traditionell die Herren das Sagen, "getreu der Devise, die der Choreograf George Balanchine vor Jahrzehnten ausgab: 'Das Ballett ist eine rein weibliche Angelegenheit', nämlich 'ein Garten voller schöner Blumen, und der Mann ist der Gärtner'", so Weickmann.