Viel konservativer als die private Wirtschaft

16. April 2010. Im Interview mit Peter Michalzik in der Frankfurter Rundschau von heute kann Staffan Valdemar Holm, ab 2011 Generalintendant in Düsseldorf, nicht genug loben, dass in Deutschland am alten Theatersystem festgehalten werde. In den 90er Jahren hatte Holm in Schweden erlebt, wie das Ensembletheater zerbrach. "Erfahrung und Wissen gingen verloren... Das Theater verwandelte sich in der neoliberalen Phase in ein politisch korrektes Mainstream-Vehikel." Dass er als Ausländer für den Intendantenposten ausgewählt wurde, begreife er als Auftrag, das Theater zu internationalisieren.

Herausforderung auf Augenhöhe

Dem Berliner Theatertreffen, so schreibt heute Katrin Bettina Müller im Berlin-Teil der taz (12.4.2010), sei mit den von Ulrich Khuon aus Hamburg mitgebrachten Autorentheatertagen "eine starke Konkurrenz" erwachsen. Allein schon deshalb, "weil die Autorentheatertage anders als das Theatertreffen ein eindeutiges Kriterium auszeichnet: zeitgenössische, oft sogar neu geschriebene Stücke vorzustellen". Dass nun dem "in seinen Ritualen etwas erstarrten Theatertreffen" eine "Herausforderung auf Augenhöhe" gegenübertritt, könne dem Theaterbetrieb in Berlin nur guttun. Hafte den Gastspielen im Mai stets auch etwas "von einer Gala an, mit der das System Theater seine Erfolge feiert", strahlten die Autorentheatertage, die die Dramatik in den Mittelpunkt stellen, "etwas von einer kollektiven Arbeit aus, einem Ringen um den Sinn und die Weiterentwicklung des Theaters".

Seit Dezember neuer Schwung in der Debatte

24. März 2010. In der taz von heute berichtet Alexander Haas, dass die Debatte über Neubau oder Sanierung des Kölner Schauspielhauses in ihre heiße Phase eingetreten sei. "Alles schnurrt hin auf den 13. April", jenen Tag, an dem der Stadtrat auf einer Sondersitzung tagen wird, weil die Initiative "Mut zu Kultur" mit ihrem Bürgerbegehren gegen den vom Rat im Dezember beschlossenen Neubau erfolgreich war.

Eine gewisse Selbstverliebtheit

21. März 2010. Auf Welt-Online untersucht Stefan Keim noch einmal das Scheitern von Elmar Goerden als Bochumer Intendant, weist aber auch auf Meriten wie die Förderung junger Regisseurinnen von Jorinde Dröse bis Anna Bergmann hin. Insgesamt aber könne Goerden Bochum im Sommer erhobenen Hauptes verlassen.

Reduzieren, verkleinern

21. März 2010. "Döblins Biberkopf mit Ex-Häftlingen, Euripides' Medea mit Migrantinnen oder, sagen wir mal, Shakespeares 'Othello' mit Afrikanern", im heutigen Tagesspiegel setzt sich Christine Wahl mit dem grassierenden Wirklichkeitswahn auf deutschen Bühnen auseinander.

Geistesumnachtet

14. März 2010. In der österreichischen Zeitung Die Presse (14.3.) hat die Regisseurin Andrea Breth im Gespräch mit Norbert Mayer denkbar deutlich ihr grundsätzliches Unbehagen an den Kritikern kundgetan: "Kritiker ist ein vermessener Beruf. Man hört und sieht sich eine Sache, die monatelang vorbereitet wurde, einmal an und bildet sich sofort ein Urteil. Da ist man sowieso auf der Verliererseite. Das ist völlig irrational. Die erste Kunst des Kritikers besteht doch in der Beschreibung. Untergriffe finde ich indiskutabel."

Wider alle Konventionen

12. März 2010. Als "Purist der Freiheit" portraitiert Stefan Keim in der Tageszeitung Die Welt (12.3.2010) den New Yorker Theatermacher Richard Maxwell, der morgen in Bonn sein neues Stück Das Mädchen uraufführt. Seine Aufführungen seien sperrig und spröde. Schauspieler sollten bei ihm nicht brillant sein, oft behielten sie den ganzen Abend lang einen Tonfall. Weder Bühnenbilder, noch Beleuchtungseffekte, oft nicht einmal Bewegungen sollten von Texten und Geschichten ablenken. Die Zuschauer könnten sich Maxwell-Abende anschauen wie Installationen. Niemand soll vorgegeben werden, was er fühlen soll. "Die emotionale Frage muss ungelöst bleiben.