Ist's möglich?

Hamburg, 29. Oktober 2008. Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg teilt mit:

"Mit äußerster Verblüffung haben wir die Stellungnahme der Kultursenatorin zu unserer Aufführung "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?" zur Kenntnis genommen. Gemeinhin üben sich die politisch für die Kultur Verantwortlichen klugerweise in öffentlicher Solidarität oder in Zurückhaltung gegenüber den Ihnen anvertrauten Theatern, außer in Fällen pflichtwidrigen Verhaltens einzelner, sprich: des Intendanten. Üblicherweise werden kritische Fragen intern ausgetauscht oder als Meinungsverschiedenheiten ausgetragen, sei es im persönlichen Kontakt, sei es im zuständigen Gremium des Aufsichtsrats.

Pfui!

Hamburg, 28. Oktober 2008. Zur umstrittenen Inszenierung "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?" von Volker Lösch, die am vergangenen Freitag, den 24. Oktober, am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg Premiere hatte sagte Prof. Dr. Karin von Welck, Senatorin für Kultur, Sport und Medien:

"Am Sonntag hatte ich die Möglichkeit, die kurzfristig umbenannte Inszenierung "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?" in der Inszenierung von Volker Lösch zu sehen. Nicht nur als Mitglied des Senats ist mir natürlich bewusst, dass das, was auf der Bühne erzählt und gelesen wird, juristisch unangreifbar ist. Menschlich sehe ich das anders.

30. Oktober 2008. Die Reaktionen auf Volker Löschs Inszenierung Marat, was ist aus unserer Revolution geworden? am Hamburger Schauspielhaus, in der Namen, Adressen und geschätztes Vermögen der 28 reichsten Bürger der Stadt verlesen werden, erregt auch Politikerinnen-, Intendanten- und Kommentatorengemüter.

2. Oktober 2008. Christopher Schmidt, Theaterkritiker der Süddeutschen Zeitung und Juror des Theatertreffens, hat heute in seiner Zeitung unter dem etwas irreführenden Titel "Homo Laber" einen bemerkenswerten Aufsatz veröffentlicht.

9. September 2008. Wenn seine Träne quillt, befindet sich der erwachsene Kulturbürger normalerweise im Kino. Indes – "normalerweise" war mal. Inzwischen darf auch im Theatersessel in aller Offenheit geschluchzt werden. Die Tränen des Ulrich Matthes in Jürgen Goschs Onkel Wanja am Deutschen Theater Berlin haben – auch bei den nachtkritik-KommentatorInnen – erst Fragen aufgeworfen, dann aber den Damm gebrochen. Am echten Gefühl führt bei der Wirklichkeitserkundung letztlich kein Weg vorbei.
Zu diesem Thema, also der Wiederkehr des Authentischen auf der Bühne hat sich die Bochumer Germanistin und Kritikerin Sarah Heppekausen schon im Mai im festivaleigenen Magazin des Berliner Theatertreffens Gedanken gemacht. Dirk Pilz in der Berliner Zeitung legte vor einigen Tagen nach.

26. Juni 2008. Gestern haben Klaus Michael Grübers Angehörige seine Asche dem Atlantischen Ozean übegeben. Heute ergänzt noch die Hamburger Zeit die Reihe der Nachrufe auf den großen europäischen Theater- und Opernregisseur.

23. September 2007. Nachdem der Spiegel im letzten Jahr das deutsche Theater für unheilbar vom Ekeltheatervirus befallen erklärte, haben die Chefärzte Wolfgang Höbel und Matthias Matussek nun erneut Visite gemacht und stellen in der aktuellen Ausgabe überraschend Besserung fest.