Zeichen auf Abbruch

26. Februar 2015. Eigentlich ist alles gesagt, aber irgendwie muss man seine Katerstimmung abschütteln nach diesem langen Rostocker Abend mit seiner schwerwiegenden Entscheidung für das Volkstheater der Hansestadt, es zu einem "funktionellen Vierspartentheater" umzurüsten. Der strukturelle Umbau, der ein Abbau sein wird, hatte sich angedeutet. Lange schon. Und doch hatte ich als Mecklenburger bis zuletzt die Hoffnung, dass kulturelle Standortargumente in Rostock vielleicht doch schwerer wiegen könnten als die immergleichen politischen Reflexe: Kasse leer? Kamma Kultur sparen. Zwar ist das Ganze erst einmal eine Absichtserklärung der Stadt, mit der sie in die Verhandlungen mit dem Land tritt. Aber: Üppiger wird's nicht, die Zeichen stehen auf "funktionelles" Funktionieren.

The place to be. Heute: Das Sultanat

23. Februar 2015. Ein ganz, ganz großer Glückwunsch geht in dieser Woche an die Oper Köln. Die derzeit gar nicht in Köln ist, sondern auf einem honorigen Gastspiel in einer hochgelobten Kultur-Oase. "Sie befindet sich in einem kleinen illustren Kreis deutschsprachiger Opernhäuser, die die Ehre haben, ein solches Gastspiel antreten zu dürfen", schwellt die stolze Brust der Pressemitteilung.

Frische Onlinefische!

Virtueller Raum, 12. Februar 2015. Seitdem Kay Voges die Leitung des Schauspiels Dortmund übernommen hat, wird dort das Stadttheater so dermaßen permanent neu erfunden, dass man es schon mit der Angst zu tun bekommen kann. Kaum hat man mal 10 Minuten nicht nach Dortmund geschaut, hat man den nächsten Knaller verpasst (und damit ist nicht der bevorstehende Ligawechsel des BVB gemeint).

Verletzte religiöse Gefühle!

4. Februar 2015. Na klar, sie machen schon Eindruck, diese Religiös-Beleidigten. Mit ihren Attentaten, Kalaschnikows und Massendemos mit Toten und Verletzten. Da kommt man sich gelegentlich wie ein ziemliches Weichei vor, wenn man selbst so ein Beleidigungsgefühl noch niemals verspürte. Wenn man still und unauffällig an seiner religiösen Überzeugung festhält, auch wenn die Welt drumherum einen für unzurechnungsfähig hält.

Wenn dein Karma ins Bodenlose fällt

von Matthias Weigel

Berlin, 29. Januar 2015. Ich kann mich noch sehr gut an meine Schulzeit erinnern. Für das Abitur hatte ich nur zwei Minuten Zeit. Die in die Oberschicht Hineingeborenen durften dreimal so lange für den kleinen Intelligenztest überlegen und konnten mit ihren guten Noten ihr Studienfach später frei wählen. Meine Note 3 langte gerade mal für Event-Management und Chemie – und ich musste nebenher noch arbeiten, um das Studium zu finanzieren. So sah mein Einstieg in das "Spiel des Lebens" aus, im Mai 2014 in Berlin.

Die Kunde der Verehrer

16. Januar 2015. Gleich zu den Kritikern, erst einmal zu Claus Peymann. Wem sonst. Regisseur und Intendant Claus Peymann vom Berliner Ensemble hat immer noch seine glühenden Verehrer. So um die 180.000 pro Saison, Gäste der meistbesuchten Bühne Berlins. Ob alle von ihnen wirklich vor Verehrung glühen oder nur einen hochroten Kopf ob manch verheerendem Spiel am BE haben, lässt sich schwer sagen. Statistiken zur Zuschauerliebe liegen nicht vor.

Unvollkommene Vorläufigkeit

13. Januar 2014. Inzwischen ist also auch das letzte Theater aus dem Winterurlaub zurückgekommen, um noch – husch, husch – seine Solidarität mit Charlie zu entdecken. Sogar die Intendantengruppe des Bühnenvereins dröppelt in einer Pressemitteilung nach – andere Theater haben schon früher stolz darauf hingewiesen, dass man doch mal auf ihre Premieren-Leuchttafel schauen solle... denn: Überraschung! Statt "20 Uhr: Michael Kohlhaas" steht da jetzt auch "Wir sind Charlie"! Danke für diesen Mut, denn allein so konnten schon fünf Attentäter von ihrem Plan abgebracht werden, den Applaus durch Buhrufe zu stören.

#JeSuisCharlie

Ab 7. Januar 2014. Auch viele Theater und Theatermacher bekunden nach dem Terroranschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris über den Hashtag #JeSuisCharlie ihre Solidarität – eine Sammlung von Tweets:

Augen auf, Türen auf

6. Januar 2014. Am Montag hat in Dresden wieder die Pediga-Demonstration stattgefunden. Aber in Dresden, und nicht nur dort, haben mittlerweile die Theater reagiert und machen klare Ansagen. Hier einige Tweets, die seit Dezember unter #nopegida getwittert wurden.

Denn sie wissen schon, was sie tun

Berlin, 16. Dezember 2014. Als wäre es gestern gewesen: Ich betrat den Prater der Volksbühne – bisher hatte ich nur ein paar Gerüchte über die Arbeiten des Regisseurs aufgeschnappt –, und im Zuschauerraum spürte ich sofort eine fast einschüchternde Entschlossenheit um mich herum. Der Einlass hatte sich wegen Nachbesserungen an der Bühnensicherheit um eine Stunde verzögert, und nun trugen die Totenkopf-Masken hinter der monströs-schwarzen Bühnenwand und der kriegerische Soundtrack ihr übriges zu dieser Atmosphäre bei, in der man sich – ganz real – nicht sicher fühlte. Schon bald quietschte im absoluten Dunkel der Plastikvorhang auf, und mit einem plötzlichen Lichtblitz offenbarte sich für einen Sekundenbruchteil die ganze gemalte Bühnenwelt, an der man sich auch im Verlauf der unzähligen kommenden Stunden nicht sattsehen sollte: Die Premiere von John Gabriel Borkman unter Leitung des Trios Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdtsen begann.