Der Landneurotiker

von Rainer Nolden

14. Juli 2018. Herbstsonate am Schauspiel Stuttgart, Das Schlangenei am Residenztheater München, Szenen einer Ehe in Stuttgart und am Theater Lübeck, Fanny und Alexander in Leipzig, Aus dem Leben der Marionetten am Wiener Theater in der Josefstadt, "Nach der Probe" am Schauspiel Hannover … Elf Jahre nach Ingmar Bergmans Tod sind seine Stücke immer noch fester Bestandteil vieler Spielpläne nicht nur an deutschsprachigen Theatern. Dabei sind es nicht einmal originäre Theaterstücke, sondern Adaptionen von Filmdrehbüchern, denen namhafte Regisseure und Regisseurinnen – etwa Jan Bosse, Amelie Niermeyer, Luk Perceval – immer wieder ihren Stempel aufdrücken.

Selbstbestimmung im Stadtlabor

Bettina Masuch, Matthias Pees und Kathrin Tiedemann im Interview mit Esther Boldt

21. Juni 2018. Vor zwei Jahren gründete sich das "Bündnis internationaler Produktionshäuser" – ein Zusammenschluss von sieben freien Spielstätten: Kampnagel Hamburg, HAU Berlin, Hellerau Dresden, PACT Zollverein Essen, Forum Freies Theater (FFT) Düsseldorf, tanzhaus nrw Düsseldorf und Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt am Main. Wie gestaltet sich die Arbeit? Was sind erste Ergebnisse? Esther Boldt sprach mit den Künstlerischen Leiter*innen Bettina Masuch (tanzhaus nrw), Matthias Pees (Mousonturm) und Kathrin Tiedemann (FFT).

In Bewusstseinszimmern

von Christian Huberts

Berlin/Bochum, 20. Juni 2018. Computerspiele sind jung und pop. Wie kein anderes Medium durchdringen sie aktuell Kultur und Gesellschaft. Aber ihre vergleichsweise junge Geschichte versperrt den Blick darauf, dass sie entwicklungsfähig sind, dass ihre zentralen Durchbrüche womöglich erst noch bevorstehen. Die Genres, Mechaniken und Themen von Games wirken vielfach immer noch wie festgeschrieben, wie stecken geblieben im Bewährten. Man denke an Serien wie "Call of Duty", "Battlefield" oder "Assassin’s Creed". Auf der gerade vergangenen Fachmesse E3 in Los Angeles dominierten etablierte Marken und Rezepte – Fun, Vorhersagbarkeit, Machtfantasie. Man wünscht sich, so wie es François Jullien für die Philosophie gefordert hat, eine "Dekonstruktion von außen".

Dringende Anliegen

von Sarah Heppekausen

Mülheim/Düsseldorf, 18. Juni 2018. Und dann sind wir selbst indische Leihmütter. Sind schwanger mit drei Embryonen, von denen einer entfernt werden soll, weil das sicherer sei und die Wunscheltern mit zweien zufrieden seien. Oder hatten zum zweiten Mal eine missglückte In-vitro-Befruchtung, bekommen also wieder kein Geld, wie uns die Frauenärztin bedauernd mitteilt. Nächste Runde: Wir sitzen als Wunscheltern unserer möglichen US-amerikanischen Leihmutter gegenüber, die uns ihre eigenen Kinder vorstellt und erklärt, dass sie nach der Geburt regelmäßig Fotos des ausgetragenen Babys sehen möchte. Ob wir noch Fragen hätten? Flinn Works' "Global Belly" konfrontiert das Publikum ziemlich direkt mit dem moralischen Dilemma des Phänomens der Leihmutterschaft. Wären wir als indische Frau nicht auch glücklich, endlich unser eigenes Geld verdienen zu können? Vermutlich. Beuten wir als verzweifelte Wunscheltern die Leihmütter nicht aus, körperlich wie seelisch? Vielleicht.

Im hierarchiefreien Raum

Haiko Pfost im Interview mit Christian Rakow

Berlin, 11. Juni 2018. In zwei Tagen startet die 21. Auflage des Theaterfestivals "Impulse" in Nordrhein-Westfalen. Unter neuer Leitung von Haiko Pfost, der in seiner Laufbahn als Dramaturg und Kurator unter anderem Co-Leiter des internationalen Koproduktionshauses brut Wien war.

Missionare im Niemandsraum

von Esther Slevogt

Berlin, 23. Mai 2018. Soll man jetzt, im Monat zwei nach dem Abgang von Chris Dercon als Intendant der Berliner Volksbühne überhaupt noch einmal davon anfangen – von der digitalen Spielstätte der Volksbühne 17/18?

Der Mensch, ins Verhältnis gesetzt

von Sarah Heppekausen

Bochum/Essen/Herne, 14. Mai 2018. Da ist diese zarte Figur, ein gebrechlicher Mann, vielleicht 20 Zentimeter groß, sein Rücken ist gebeugt, leicht bucklig, sein Gesicht ist schmal, die Augen groß. Bei aller Fragilität ist er doch kraftvoll, weckt mit seiner Berührung einen viel größeren, doppelt so großen, schwereren Mann, der am Boden hockt mit seinen vielen Bündeln und Tüten. Und dann ist da "Punch Agathe" – der vermutlich weltgrößte Kaspar, 18 Meter hoch, weiblich, schwarz. Punch Agathe thront bei der Eröffnung des Figurentheaterfestivals Fidena über dem Vorplatz des Bochumer Schauspielhauses. Ihre Finger rot lackiert, ihre Stiefel goldfarben. Sie positioniert sich offensiv, unübersehbar, eine bombastische Superheldin.