Missionare im Niemandsraum

von Esther Slevogt

Berlin, 23. Mai 2018. Soll man jetzt, im Monat zwei nach dem Abgang von Chris Dercon als Intendant der Berliner Volksbühne überhaupt noch einmal davon anfangen – von der digitalen Spielstätte der Volksbühne 17/18?

Der Mensch, ins Verhältnis gesetzt

von Sarah Heppekausen

Bochum/Essen/Herne, 14. Mai 2018. Da ist diese zarte Figur, ein gebrechlicher Mann, vielleicht 20 Zentimeter groß, sein Rücken ist gebeugt, leicht bucklig, sein Gesicht ist schmal, die Augen groß. Bei aller Fragilität ist er doch kraftvoll, weckt mit seiner Berührung einen viel größeren, doppelt so großen, schwereren Mann, der am Boden hockt mit seinen vielen Bündeln und Tüten. Und dann ist da "Punch Agathe" – der vermutlich weltgrößte Kaspar, 18 Meter hoch, weiblich, schwarz. Punch Agathe thront bei der Eröffnung des Figurentheaterfestivals Fidena über dem Vorplatz des Bochumer Schauspielhauses. Ihre Finger rot lackiert, ihre Stiefel goldfarben. Sie positioniert sich offensiv, unübersehbar, eine bombastische Superheldin.

Kein Luxus sondern Notwendigkeit

von Wiebke Puls

Berlin, 11. Mai 2018. Jetzt kommt hier einiges zusammen bei mir: Die Flatter, ob wir überhaupt dem Hauptstadtpublikum wohl genügt haben. Das Wunder, dass ich Lulatsch seit 20 Jahren in Lohn und Brot stehen und spielen darf. Und Scham, weil Trommeln in der Nacht ja nun mal ganz klar eine Ensembleleistung ist.

Danke 3sat für den Preis! Danke Frau Müller-Elmau! Danke Shirin für diese Laudatio!
Danke an die Jury, dass sie mich auszeichnen! Ich fühle mich geehrt und ein bisschen beschämt eben.

Die Panels bei Theater und Netz. Vol. 6

7. Mai 2017. Unter der Überschrift Vom Publikum zur Community veranstalteten nachtkritik.de und die Heinrich Böll Stiftung am 6. Mai 2018 in Berlin die sechste Ausgabe der Konferenz "Theater und Netz". Es gab parallele Panels und Sessions. Die Diskussionsveranstaltungen in Saal 1 wurden live gestreamt und mitgeschnitten und stehen hier zur Nachschau zur Verfügung. Das gesamte Konferenzprogramm finden Sie unter www.theaterundnetz.de.

Die Kulturfritzen, die den Bloggerspace organisierten, haben Internet-Thesen aus dem "Community Mannifest" (frei nach Marx) vorgelegt.

20 Tonnen Großkunst

Berlin, 1. Mai 2018. Das 55. Berliner Theatertreffen wird am 4. Mai 2018 mit einer Produktion eröffnet, die schon im Vorfeld für einigen Gesprächsstoff sorgte – und das nicht nur aus künstlerischen Gründen. Um "Faust" in der Regie von Frank Castorf (produziert in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz) als Theatertreffen-Gastspiel realisieren zu können, mussten die veranstaltenden Berliner Festspiele Zusatzmittel bei der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und bei der LOTTO-Stiftung Berlin beantragen, insgesamt 500.000 Euro. Anlass, um bei der Leiterin des Berliner Theatertreffens Yvonne Büdenhölzer (derzeit in Elternzeit) nachzufragen:

Raus aus der Komfortzone

von Jan Fischer

Hannover, 30. April 2018. Freies Theater wird ja immer interessant, wenn es sich etwas erlaubt, was in einem großen Haus nie funktionieren würde. Die Gewinnerproduktion der diesjährigen "Best Off"-Edition in Hannover zum Beispiel: "Welcome to the comfort zone" von der Gruppe xweiss wurde in drei Festivaltagen von gerade mal 40 Besuchern gesehen. Das ist weniger, als bei allen anderen Produktionen des Festivals für Freies Theater in einem Durchgang mit dabei sind.

Kampf um Kontinuität

von Katrin Ullmann

Hamburg, 26. April 2018. "Elf Jahre Projektemacherei, elf Jahre in halbverlassenen Fußgängerzonen, elf Jahre schlecht bezahlt, elf Jahre zu wenig Schlaf. Wir haben keinen Bock mehr, wir hören auf mit der Projektemacherei, wir gründen jetzt ein Unternehmen." Das beschloss das Hamburger Performancekollektiv Geheimagentur und ging im April 2014 mit dem Unternehmen "Ein großes Unterfangen, von dem noch niemand genau weiß, was es sein soll" auf Kampnagel an die Börse. Die Zuschauer konnten Anteile zeichnen. War ihnen die Investition zu unsicher, konnten sie sich ihre Anteile auch am Aufführungsabend bar auszahlen lassen. Grundlage für die Show bildete Daniel Defoes "Essay upon Projects" von 1697. Der Autor von "Robinson Crusoe" hatte jahrelang versucht, mit Projekten über die Runden zu kommen.