Auch Coding kann Kunst sein

von Esther Slevogt

Dortmund, 2. März 2018. Das Theater Dortmund plant eine Akademie für Theater und Digitalität. Standort soll eine alte Grundschule in Dortmund-Kley werden. Neben der Sanierung und Erweiterung des Zentralbaus um Vortragssaal, Seminar- und Laborräume ist vom Dortmunder Archtitekturbüro .dxl unter anderem ein Anbau mit Studios, Werkstätten und einem Lichttheater geplant. Die in vier Phasen gedachte Planung sieht die stufenweise Entwicklung des Standorts zu einem umfangreichen Ausbildungscampus vor. Gründungsveranstaltung für die Akademie war die Konferenz Enjoy Complexity am vergangenen Wochenende, an deren Rande Esther Slevogt mit den Initiatoren der Pläne, dem Dortmunder Intendanten Kay Voges und dem Dramaturg Alexander Kerlin, sprach.

Stille Post

16. Februar 2018. Seit August 2017 steht der Regisseur und Leiter des Gogol Centers Kirill Serebrennikov in Moskau unter Hausarrest. Ihm wird die Veruntreuung staatlicher Fördergelder vorgeworfen. Ursprünglich ging die Staatsanwaltschaft von einer Schadenssumme von rund einer Million Euro aus. Mit der neuerlichen Verlängerung des Hausarrests (bis April 2018) wurde die Summe auf nunmehr zwei Millionen Euro beziffert.

Neue Kunst aus dem Exil

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 29. Januar 2018. Die Sehnsucht nach dem Rollback in Sachen Offene Theatergesellschaft ist groß, und die Tonlage wird aggressiver. Auf Landes- und Bundesebene macht die AfD Stimmung gegen den sogenannten "linken Mainstream" und verspricht – in den Worten ihres Vordenkers Marc Jongen – "die Entsiffung des Kulturbetriebs" (auf Twitter). Ein Angriffsziel ist, wie Jongen dem Spiegel erläuterte, die vermeintlich ideologische Kultur-Förderpolitik der letzten Jahre, die Begegnungsformate und interkulturelle Austauschangebote unterstützte.

"Eine Idee kann Schärfe haben,
Tiefe bekommt sie durch das Spiel"

von Andreas Klaeui

16. Januar 2018. Was passiert, wenn eine Schauspielerin wie Ursina Lardi auf die Bühne tritt? Woher kommt die Tiefe einer Figur? Wie wichtig ist das umgebende Ensemble? Was machen Bühne und Kostüme mit ihr? nachtkritik.de-Autor Andreas Klaeui hat diese Fragen der Schauspielerin in einem Interview gestellt, das in dem 2017 im Peter Lang Verlag erschienenen Band "Ursina Lardi" zu finden ist. Wir bringen – mit freundlicher Genehmingung von Autor und Verlag – eine leicht gekürzte Version.

Hochzeit mit Hindernissen

von Julika Bickel

Berlin, 13. November 2017. Am Ende des Theaterstücks "Jeden Gest" (Eine Geste) fangen zunächst viele wie gewohnt an zu klatschen, doch dann ist da ein Moment der Verunsicherung. Die vier Schauspieler*innen des Nowy Teatre aus Warschau sind gehörlos. Immer mehr Zuschauer*innen strecken ihre Hände in die Höhe und schütteln sie wie Glöckchen – die Geste für Applaus. Ganz still ist es im Saal.

Misstraut dem Zeitgeist!

von Claudia Wahjudi

Berlin, 13. November 2017. Fast alles im 3. Berliner Herbstsalon des Gorki ist anders als in anderen Großschauen Bildender Kunst. Das fängt beim freien Eintritt an und endet beim Wetter: Zur Eröffnung am Nachmittag des 11. Novembers zeigt das Thermometer fünf Grad Celsius. Die Berlin Biennale dagegen eröffnet im Juni, wenn Touristen kommen und das Fachpublikum aus Übersee nach Europa zur Baseler Kunstmesse fliegt. Doch was der Kunstbetrieb tut und lässt, ist am Gorki weitgehend egal, obwohl der 3. Berliner Herbstsalon durchaus Biennalen-Stärke hat: mit Arbeiten von rund 100 Künstlern und Künstlergruppen, davon rund 30 Neuproduktionen. Mit voller Absicht findet er im Spätherbst statt, nach den Gedenkfeiern für die Opfer der Novemberpogrome und dem Jubiläum des Mauerfalls.

Und es ward Licht

von Esther Slevogt

Dresden, 30. Oktober 2017. Er ist wieder da, der Theaterraum, der 1911 so etwas wie der Urknall der Theatermoderne war: der Bühnen- und Lichtraum für den Großen Saal des Festspielhauses in Dresden Hellerau; ein Theaterraum, dessen Begrenzung nur aus einem schwer definierbaren leuchtenden Material zu bestehen scheint, das dem Raum etwas Übernatürliches, beinahe Schwebendes verleiht. Drei Künstler haben diesen Bühnenraum wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt: der Schweizer Bühnenbildner Adolphe Appia (1862-1928), der deutschen Architekt Heinrich Tessenow (1876-1950) und der russisch-deutsche Maler und Lichtkünstler Alexander von Salzmann (1874-1934). Und zwar für die Hellerauer Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus des Schweizer Musikpädagogen und Komponisten Émile Jaques-Dalcroze (1865-1950).