Im Räderwerk der Parteipolitik

von Jens Fischer

Schleswig, 6. April 2014. Passt gut hierher, Bertolt Brechts Parabelstück über die Dialektik von Anstand und Besitz "Der gute Mensch von Sezuan". Partysilbrig glitzert die Brechtgardine auf der Bühne im Schleswiger Slesvighus, mit ernster Miene benennen die Darsteller aktuelle Krisenplätze: Teheran, Istanbul, Sotchi und, ja, Schleswig. Denn auch am Premierenort sorgen Widersprüche zwischen Wollen und Tun, Reden und Handeln, Ansprüchen und Wirklichkeit für gute Politkomik mit bösen Folgen.

Voll Karacho aus dem Ruder

von Eva Biringer

Hamburg, 1. April 2014. Für Herbert Fritsch bedeutet der Wechsel von der Probebühne auf die große Bühne ein Vielfaches an Laufweg. Wenn er, selten genug, auf seinem Platz in der fünften Reihe sitzt, dann in Erdmännchenhaltung, pfeilgerade auf der Sesselkante, die Hände auf dem Vordersitz. Wenn er, wie meistens, nicht auf seinem Platz sitzt, rast er durchs Parkett. Gäbe es so etwas wie "Kilometergeld", Fritsch wäre ein reicher Mann.

Im Schatten der Krise

von Martin Thomas Pesl

Wien, 20. März 2014. Etwas Einzigartiges hat am Burgtheater stattgefunden: ein Festival mit Schwerpunkt auf einem anderen Land. Wie sehr das Ungarn-Festival angesichts anderer Geschehnisse ins Hintertreffen geraten würde, war nicht zu ahnen, als sein Programm Mitte Februar in einer Pressekonferenz des Burgtheaters im Detail angekündigt wurde. Die Reporter kamen in großer Zahl, ihre Fragen blieben auch brav ungarnzentriert, eigneten sich aber nicht dazu, Burgchef und Festivalmitanstoßer Matthias Hartmann als Retter der ungarischen Kultur zu profilieren, sondern gingen eher in Richtung: Warum lädt man gerade diese Gruppen ein, die eh schon fleißig touren und daher vielleicht nicht so stark existenzbedroht sind wie andere? Und: Was kostet das denn jetzt? Kurz zuvor hatte Attila Vidnyánszky, der Intendant des Ungarischen Nationaltheaters, das Gastspiel seiner "Johanna auf dem Scheiterhaufen", die im Programm schon mit leicht naserümpfender Konnotation als "spektakuläre Inszenierung mit großen Chören" annonciert worden war, wegen der finanziellen Unsicherheit am Burgtheater abgesagt.

"Der Ungar hat sein Elend immer mit Humor gepfeffert"

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 14. März 2014. Das Festivalmotto auf großer Leinwand ließ die vier Diskutanten auf der Bühne des HAU1 klein erscheinen. "Leaving is not an option?" ("Gehen kommt nicht in Frage?") stand da, mit riesigem Fragezeichen. Aber dieses Fragezeichen hätte man bei dem, was der Regisseur Béla Pintér, der Intendant György Szabó vom Trafó (einer dem HAU äquivalenten Spielstätte in Budapest) und der Musiker und Universalkünstler Sickratman in der Moderation des Journalisten Márton Gergely dazu zu sagen hatten, auch weglassen können.

Krétakör will not join the festival

Yesterday, Josef Ostermayer, the Secretary of State for Culture of Austria has discharged Matthias Hartmann, the intendant of Burgtheater. This morning we discussed this situation, which we closely followed in the recent weeks, in detail and due to shared aversions, we decided not to participate in the theatre's festival with our play titled 'Corruption'.

Die Geschichte einer Aufwühlung

von Else Buschheuer

Montagfrüh in Berlin Mitte. Die Februarsonne ist ausgesperrt, die Bühne in mildes Licht getaucht. In den Kulissen turnen Techniker herum. Musik dröhnt, Bässe kitzeln im Magen. Da kommt er, der Meister, braungebrannt, die Locken frisch gestutzt, und schleppt einen sympathischen Hauch von Knoblauch ein. "Draußen ist es so schön und wir sitzen wieder in dieser Vampirsgruft", sagt er. In den Theaterferien war Hartmann mit seiner Familie auf Fuerteventura. Das Wochenende hat er auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern verbracht, wo er mit seiner Frau und seinen vier Kindern wohnt. Davon zehrt er, das braucht er, das stabilisiert ihn.

Medienfressmaschine Theater

von Jan Fischer

17. Dezember 2013. Es ist die meisterwartete Inszenierung des Jahres – "the hottest ticket in town", schreibt die Londoner Zeitung "The Arcanist Chronicle". Einen Abend – und nur einen Abend! – zeigt Professor Dashforth, seine Lebensgeschichte auf der Bühne, mit sich selbst in der Hauptrolle. "Endlich", verspricht der weltbekannte Dämonologe, "werden sämtliche Geheimnisse gelüftet".