Playing Democracy

von Christian Rakow

Zürich, 9. November 2013. Ich muss gestehen, dass ich ein wenig überrascht war, als ich meinen Vortrag über Game-Theater im Tagungsprogramm unter dem Titel "Playing Revolution" angekündigt fand. Revolution ist für mich eine politische und historische Kategorie. Und ich glaube, dass wir uns hier in der Schweiz ebenso wenig wie in Deutschland derzeit in einer revolutionären Situation befinden. Weshalb man mit dem Versuch, Revolution zu spielen, schnell Gefahr läuft, unfreiwillig in der Farce zu enden (mit Karl Marx gesprochen). Was, man muss es leider sagen, auf deutschsprachigen Bühnen mit unschöner Regelmäßigkeit passiert. Denn natürlich wird landauf, landab mit Revolution gespielt, oder vielmehr mit der revolutionären Geste.

Spaß statt Duldungsstarre

von Jan Fischer

Hannover, 27. Oktober 2013. Natürlich sind am Ende alle Gewinner, klar. Die Festivalleiterin Daniela Koß von der Stiftung Niedersachsen, Gastgeber des Festivals, sagt den Satz dann auch bei der Preisverleihung. Dass die Gruppe vorschlag:hammer für ihre "Solaris"-Adaption Tears in Heaven ausgezeichnet wird, überrascht niemanden. Es hätte aber auch niemanden überrascht, wenn eines der anderen fünf Stücke gewonnen hätte. Alle haben ihre eigene Qualität, sind auf ihre Weise herausragend. Die Jury hätte das Ergebnis auch einfach auswürfeln können.

"... und du verbesserst die Welt"

von Johan Simons

Wien, Oktober 2013. Um darüber sprechen zu können, was ich unter einem "Theater der Nationen" verstehe, muss ich einen Bogen schlagen zu meiner familiären Geschichte. Denn woher mein Gefühl für die Welt kommt, hat viel mit meiner Kindheit zu tun. Das Gefühl, dass ich, obwohl meine Kindheit sich in einer kleinen Welt abgespielt hat, nämlich in einem Dorf, trotzdem einer enorm großen Welt angehörte. Ich, Johan Simons, Dorfstraße 83, Heerjansdam, Insel Ijsselmonde, Süd-Holland, die Niederlande, West-Europa, später Europa, nördliche Halbkugel, Erde, All. Es ist das Gefühl, dass ich noch immer erfahre, wenn ich in Varik bin, wo ich wohne und auf dem Deich stehe und in den Himmel schaue. Ich bin still und winzig. Vor allem, wenn die Sonnenstrahlen durch die Wolken auf den Boden fallen. Gott auf Erden, sagt man dann. Obwohl ich nicht mehr daran glaube, dass es so einen Gott gibt. Leider.

Sprache ist unser Sein

von Andrea Breth

Wien, Oktober 2013. Sehr geehrte Damen und Herren, sprechen wir vom Burgtheater, so sprechen wir auch von einem Nationaltheater. Es stellt sich die Frage, was das bedeuten soll und ob diese Bedeutung heute noch von Belang ist.

Rede des Billeteurs

Diese Rede hielt der Platzanweiser (Billeteur) Christian Diaz am 12. Oktober 2013 spontan nach einer Pause auf dem Wiener Burgtheaterkongress (vor der Pause hatte Björn Bicker für ein offenes Theater der Teilhabe plädiert). Er wurde von der Kuratorin des Kongresses Karin Bergmann beim Vortrag unterbrochen (zum Videomitschnitt). Auf einem Blog auf tumblr.com ist die Rede in der hier publizierten Form veröffentlicht worden. Das Burgtheater Wien hat in einer Pressemitteilung reagiert. Sie ist im Anschluss an die Rede unten stehend im Wortlaut wiedergegeben.

"Das schöne Scheusal"

von Reinhard Urbach

Wien, Oktober 2013. Nach der Schleifung der Stadtmauern rund um die Innere Stadt (1858 bis 1863) wurde vom Hofbaukomitee nur zögernd auch ein Theaterbau erwogen. Denn es gab ja ein funktionierendes Haus, einen schlichten Bau zwar am Michaelerplatz, der Hofburg angelehnt, aber vom Publikum seit drei, vier Generationen geliebt und auch jenseits der Grenzen der Monarchie geachtet. Warum also hätte es einen Neubau geben sollen?

Von der Monarchie in die Moderne

von Eva Maria Klinger

Wien, 14. Oktober 2013. "Von welchem Theater träumen wir?" Antwort auf diese Frage gaben 48 Gelehrte, Künstler und Theaterexperten in einem dreitägigen Vortrags- und Diskussionsmarathon zur Feier des 125-jährigen Jubiläums des Burgtheaters im Gebäude an der Wiener Ringstraße. Dabei wurden alle denkbaren, auch die extremsten Theaterentwicklungen des Gegenwartstheaters abgeklopft.