Dreifache Schräglage

von Kai Bremer

Osnabrück, 6. September 2013. Wenn ein Festival zum fünften Mal stattfindet, darf es als etabliert gelten – zumal wenn es wie die Spieltriebe in Osnabrück den Wechsel in der künstlerischen Leitung putzmunter verkraftet hat. Das war vor zwei Jahren der Fall. Mit dem Wechsel ging eine Neuakzentuierung einher. Bei den ersten drei Festivals unter der Leitung von Holger Schultze standen Stücke im Mittelpunkt; nicht immer ihre Inszenierung. Als Ralf Waldschmidt mit seinem Team die Leitung 2011 übernahm, bekam das Festival eine thematische Ausrichtung: 10 Jahre nach 9/11 sollte Bilanz gezogen werden. In diesem Jahr nun wird das Festival selbstreflexiv. Sein Titel lautet "Total real". Das erlaubt formale Offenheit und thematische Flexibilität. Es birgt aber gleichzeitig das Risiko in sich, beliebig zu werden.

Beim Ich anfangen

von Esther Slevogt

4. September 2013. Fangen wir mit dem umgedrehten R im Wort "Gorki" an, wie es nun im neuen Logo des Maxim Gorki Theaters erscheint, das aus eben diesem Wort besteht: GOЯKI. Das einzige deutschsprachige Theater, darauf wies Co-Intendant Jens Hillje bei dieser Eröffnungspressekonferenz hin, das nach einem nicht-deutschsprachigen Autor benannt worden ist, nach dem russischen Schriftsteller Maxim Gorki eben. Darüber hatte man bisher auch noch nicht nachgedacht. Wie mehrfach winzige Details und Beiläufigkeiten auf dieser Pressekonferenz plötzlich ganz neue Bezüge und Blicke auf diesen Ort in der historischen Mitte Berlins eröffneten.

Besessen vom Kleinsten und Größten zugleich

von Wolfgang Behrens

Neuhardenberg, August 2013. Horst Sagert – ja, diesen Namen habe ich schon oft gehört. Wurde der Name von Personen, die den dazugehörigen Menschen tatsächlich persönlich erlebt hatten, ausgesprochen, dann wurde er geradezu umraunt, etwas Mythisches haftete ihm an: "Sagert! Ja, Saaagert!" Ich hörte dann von abgebrochenen Arbeiten und Inszenierungen, von emeritenhaftem Rückzug, von einem Schwierigen, sich Verweigernden, von geplatzten Ausstellungen und Buchprojekten. Und ich hörte vom "Drachen", einem Bühnenbild, wie es in der Geschichte des DDR-Theaters kein zweites gegeben habe. Am Deutschen Theater Berlin war das, 1965, also wirklich eine Ewigkeit her.

Die Graswurzelbewegung

von Astrid Kaminski

Berlin, 15. August 2013. "Wie wär's, jeder legt fünfhundert Euro auf den Tisch und wir schicken eine Kollegin aufs Fahrrad, die uns was sucht?" So klingt es, wenn Barbara Friedrich die Vorgeschichte der Uferstudios erzählt, der noch neuen Tanz-Lokalität im Wedding, deren Geschäftsführerin sie heute ist. Gesucht wurden Probenräume, gefunden wurde das alte Straßenbahndepot an der Panke, dass einen Hauch Londoner suburban-Flair verbreitet. Gefunden wurden außerdem 4,3 Millionen Kassenlotterie-Mittel, um den Fuhr- in einen Tanzpark umzubauen.

Heterogene Echtheitskunst

von Falk Schreiber

Hamburg, 9. August 2013. "Same procedure as every year", sagt Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler bei der Eröffnung des Internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel, nur um dann zu relativieren: "Eben das ist es nicht! Wenn man ganz genau hinschaut, hat sich hier einiges verändert!" Womit die Senatorin das Dilemma des neuen Festivalleiters András Siebold gut umrissen hat: Einerseits soll der 36-Jährige das extrem erfolgreiche Programm seines Vorgängers Matthias von Hartz fortführen, andererseits durchaus eigene Duftmarken setzen. Was bei einem begrenzten Pool an festivalfähigen Produktionen gar nicht so einfach ist. Ja, man muss schon genau hinschauen, damit man die eigene Handschrift entdeckt.

Born in the NSA

5. August 2013. nachtkritik.de präsentiert: Der Dramatiker Philipp Löhle hat mit seiner Band Sobotka ein Lied zum NSA-Skandal geschrieben. Ding - dong!

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Düstere Zukunft für die Wuppertaler Bühnen und ihre KünstlerInnen

 

9. Juli 2013

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

unsere Gewerkschaft hat fast 50 Jahre gebraucht, um dann im Jahre 1919 einen Tarifvertrag für KünstlerInnen abzuschließen, der würdige Arbeitsverhältnisse gewährleistete. Trotz dieser Errungenschaft arbeiten viele Gesangs- und SchauspielsolistInnen im Theater immer noch unter prekären Gagenbedingungen und leiden unter mangelnder sozialer Sicherheit.