Die Erinnerung lebt

von Elske Brault

Osnabrück, 4. September 2011. Ur- und Erstaufführungen an ungewöhnlichen Orten präsentieren, mit den neuen Stücken auch die Stadt in ein neues Licht rücken, das ist das Konzept der Osnabrücker Spieltriebe. Alle zwei Jahre führt das Festival seine Besucher auf verschiedenen Routen zu drei bis vier Aufführungen pro Abend. Der neue Intendant Ralf Waldschmidt hat es erstmals unter ein Thema gestellt: "Zehn Jahre nach 9/11".

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Kunst ist Waffe?

von Kerstin Decker

24. August 2011. Sommer 1951. Westberlin kann das nicht länger mit ansehen. Schon wieder feiern diese Ostberliner Hungerleider (1), diesmal Weltjugendfestspiele. Ja, was gibt diesen Kommunisten den Alleinvertretungsanspruch auf die Jugend der Welt? Und warum kommt die auch noch? Was hat die Weltjugend überhaupt in der falschen Stadthälfte zu suchen?

Der liebende Kaiser

von Gabriella Lorenz

München, 7. Juli 2011. Aus! Das ruft Dieter Dorn am Samstag um 22.15 Uhr der Technik und dem Publikum zu. Mit diesem "Aus!" endet nicht nur die Derniere seiner Kleist-Inszenierung Das Käthchen von Heilbronn im Residenz Theater, sondern eine ganze Ära. 35 Jahre lang hat der Regisseur Dieter Dorn das Münchner Theaterleben geprägt wie kein anderer: 25 Jahre an den Kammerspielen, erst als Oberspielleiter, ab 1983 als Intendant, danach ab 2001 weitere 10 Jahre als Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels. In seiner letzten großen Münchner Regiearbeit spielt der Chef selbst die Rolle des Kaisers und zu Beginn und am Ende auch den Spielleiter. Mit diesem "Aus!" (das nicht bei Kleist steht) besiegelt der 75-Jährige seinen Abschied vom Münchner Theater.

Offener Brief

5. Juli 2011. Bonn verliert sich in kultureller Bedeutungslosigkeit

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren des Rates,

die Hemmungslosigkeit, mit der in Bonn Kulturpolitik betrieben wird, lässt uns aus dem Staunen nicht herauskommen! Die radikalen Entscheidungen gegen das Theater in den letzten Jahren sind beispiellos in Deutschland. Keinem anderen Bereich der Stadt wurden in den letzten zehn Jahren so massive Einsparungen zugemutet! Und das in einer Stadt, die im Krisenjahr 2010 als einzige Stadt in NRW ein Wirtschaftswachstum erreicht hat.

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Mit Energie und Schlafbrille

von Dina Netz

Köln, 28. Juni 2011. Wir haben kennengelernt: einen Häftling aus dem Kongo, der im Suff einen Pariser Polizisten tot geprügelt hat. Eine senegalesische Putzfrau, die über ihr Leben nachdenkt. Den Direktor eines Museums der eigenartigen Künste. Eine Witwe, die die politischen Verhältnisse in Burkina Faso kritisiert. Einen sterbenden haitianischen Hermaphroditen. Zwei philosophierende Häftlinge aus Burkina. Eine Frau, die Menschenströme in der ganzen Welt vergleicht.

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Berlin all-inclusive

Text, Filme, Fotos von Matthias Weigel

Achtung: um die Filme anzuschauen, einfach kurz die Ladezeit abwarten.*

Berlin, 27. Juni 2011. Die Opfer dieser "Jihad-Entführung" sind eigentlich keine Opfer. Sie haben sich immerhin freiwillig angemeldet und hätten auch Neonazi-, Robin-Hood- und Mexikanerbanden-Stil wählen können. Dieses nette Angebot stammt vom Gießener Performance-Entführungstrupp Monster Truck und sorgt für ein wirklich unvergessliches Ferienerlebnis, von dem die Urlauber zu Hause erzählen können.

Wenn das Eis schmilzt // Der Tod und das Monologisieren // …

von Stefan Bläske

Wien, 19. Juni 2011. Was bleibt von den Wiener Festwochen 2011? Nun, da sie vorüber sind? Und was in hundert Jahren? Mit seiner Performance "HELLO 2111" sendet der japanisch-wienerische Künstler Michikazu Matsune Botschaften und hübsch verpackte Geschenke in die Zukunft und fragt deren Empfänger: Was wird geblieben sein? Von uns? Unserer Kultur? Der Natur? Matsunes Performance beendet das "Forum Festwochen", bei dem junge, internationale Künstler eine Woche diverse "Überlebensstrategien" erprobten.