Die Grenzen der Kunstfreiheit testen

Videointerview von Julika Bickel

15. Juni 2017. Oliver Frljić, geboren 1976 in Bosnien-Herzegowina, hat sich mit provozierenden politischen Theaterabenden den Ruf erworben, einer der eigenwilligsten zeitgenössischen Theaterregisseure zu sein.

Bilder, die Bilder produzieren

von Sophie Diesselhorst

Venedig/Berlin, 1. Juni 2017. "The performance is delayed", sagt der Türsteher am Eingang zum deutschen Pavillon, nicht wirklich entschuldigend. Und einige von denen, die schon vor zehn an der Pforte zu den Giardini, dem Nationalpavillon-Vergnügungspark der Biennale von Venedig, mit den Füßen gescharrt hatten, empören sich lautstark. Enttäuscht bin auch ich, nachtkritik.de-Redakteurin – eigentlich privat hier, aber nach den fordernden Kommentaren zu unserer Meldung, dass Anne Imhof mit ihrer "Faust"-Performance im deutschen Pavillon den Goldenen Löwen der Biennale gewonnen hat, auch mit Berichterstattungs-Auftrag.

Gewalt gegen Silikon ist auch keine Lösung

von Dieter Stoll

Erlangen / Fürth / Nürnberg / Schwabach, 27. Mai 2017. Ein Plüschtiger kämpft gegen Zinnsoldaten (niedlich: Ariel Dorons "Plastic Heroes“ aus Israel), ein nackter Mann testet Zwischenmenschliches an lebensgroßer Silikon-Puppe (irritierend: Ulrike Quades "Maniacs“ aus den Niederlanden), eine Tänzerin stürzt durchs schaukelnde Labyrinth von 5000 Leuchtschnüren (perfekt: Aurélien Bory von der Compagnie 111 aus Frankreich mit Kaori Ito), ein Slow-Motion-Performer durchmisst mit Chaosforscher-Blick einstürzende Rohbauten (schrullig: Tim Spooner aus Großbritannien), zwei Schauspieler verschmelzen im nicht nur dramaturgischen Korsett zu Kafkas Akademie-Affen (grandios: Samuel Koch und Robert Lang vom Staatstheater Darmstadt).

Wohin führt die Partizipation?

von Jürgen Reuß

Freiburg, 25. Mai 2017. Die noch kurze Geschichte der Bürgerbühnenfestivals ist die der ständigen Erweiterung ihres Begriffs. Am Taufbecken stand das relativ klar umrissene Dresdner Modell, für das Intendant Wilfried Schulz unter dem Namen "Bürgerbühne" eine eigene Sparte am Staatsschauspiel einrichtete, mit einem kompletten professionellen Team ausstattete und jede Spielzeit eine bestimmte Anzahl von mit Dresdner Bürgerinnen und Bürgern erarbeiteten Inszenierungen fest in den Spielplan integrierte. Konsolidiert durch Spielclubs ist daraus eine ziemlich solide Sache geworden.

Am charismatischen Nullpunkt

von Esther Slevogt und Christian Rakow, Video: Julika Bickel

Berlin, 16. Mai 2017. Das ist sie also, die lang erwartete Programmpressekonferenz der Dercon-Volksbühne. Im Publikum nicht nur die Pressevertreter*innen der einschlägigen Medien und Pressesprecher*innen anderer Berliner Kulturinstitutionen wie dem Gorki Theater oder den Berliner Festspielen, auch eine Abordnung der Castorf-Volksbühne, darunter Carl Hegemann, war gekommen.

Zurück in die Gewerkschaft!

von Nikolaus Merck

Potsdam, 14. Mai 2017.  Wo gibt's denn sowas? Arbeitgeber rufen auf zum Eintritt in die Gewerkschaft? Hallo? Im deutschen Theaterland gab's das am Wochenende. Das ensemble-netzwerk, aus der Taufe gehoben vor knapp zwei Jahren, hatte zu seiner "2. Bundesweiten Ensemble-Versammlung" geladen. Nach ersten Erfolgen mit der Aktion 40.000 Bühnenmitarbeiter*innen treffen ihre Abgeordneten sollte nun auf einem Pow Wow beratschlagt werden, wie es weitergehen soll mit der Grass-Roots-Bewegung der Theater-Solist*innen aus Schauspiel, Musiktheater, Tanz, aus den Dramaturgien und Regie(assistent*innen)-Stuben.

"Was ist das mit Herbert?"

von Frank Castorf

Berlin, 7. Mai 2017. Ja, lieber Herbert, ich freue mich sehr, dass du diesen Preis bekommen hast. Ich freue mich eigentlich immer, wenn das Alter noch eine Tür offen lässt für Hoffnung und Optimismus und jemand so zukunftsweisend geehrt wird. Und dass du auch sonst in dieser nicht nur erfreulichen Zeit so viel Hoffnung und Optimismus verbreitest, ist etwas sehr Besonderes – als großer Organisator, nicht mehr so ganz schlank und jung, aber immer noch voller Freude, mit sehr grellen Farben, gelb und schwarz und – wir haben's gerade gesehen – sogar mit rosa.