Programm für ein Schloss, das ein Palast des Wissens, der Forschung und der Künste für alle ist, bei dem Leibniz ausrufen würde: Ein Theater der Natur und Kunst!

von Stefan Schmidtke

Berlin, 7. November 2016. In meinem Berufsleben als Festivalmacher war es nicht ungewöhnlich, 250 und mehr Tage pro Jahr in der Welt unterwegs zu sein. Allein. Aus jährlich etwa 350 gesehenen Vorstellungen, Begegnungen und natürlich vielen geführten Gesprächen, entwickelt sich ein Programm. Es entspringt keiner These, es entsteht aus dem, was ich in der Theater- und Performance-Welt vorfinde, es setzt sich aus Kunstwerken, der Verarbeitung individueller Erfahrungen und Reflexionen von Künstlern zusammen.

Der eigenen Geschichte und Bedeutung habhaft werden –
Warum die freien Künste ein Archiv brauchen

von Nele Hertling

29. Oktober 2016.Im Literaturhaus München fand am 17. und 18. Oktober 2016 eine Konzeptionskonferenz für ein Archiv des Freien Theaters statt, bei der sich etwa 100 Sammler, Künstler, Wissenschaftler und Kulturpolitiker trafen, um der Frage nachzugehen, wie ein solches Archiv aufgebaut und strukturiert werden könne. In einem ersten Schritt sammelt ein Forscherteam der Universität Hildesheim seit einem Jahr Informationen über vorhandene Bestände, mit einer bundesweiten Studie wollen Wissenschaftler*innen aus Hildesheim und Berlin zudem den Grundstein für ein Archiv des Freien Theaters legen. nachtkritik.de dokumentiert die Eröffnungsrede der Konferenz von Nele Hertling.

"Man muss den Filter der eigenen Wertvorstellungen überprüfen"

Video von Elske Braut und Tobias Weis

17. Oktober 2016. Das Gerichtsstück "Terror" von Ferdinand von Schirach hat seit seiner parallelen Uraufführung im Oktober 2015 am Deutschen Theater Berlin (Regie Hasko Weber) und am Schauspiel Frankfurt (Regie: Oliver Reese) rund 500 Aufführungen an 32 Theatern erlebt. Gut zwei Dutzend weitere Inszenierungen folgen in dieser Spielzeit.

Bastionen der Zivilgesellschaft stärken

12. Oktober 2016. Dramaturg Harald Wolff, Vorstandsmitglied der Dramaturgischen Gesellschaft, hat es satt, wenn Theater von der Politik nur als Kostenfaktor angeschaut wird. Um eine neue Betrachtungsweise anzuregen, hat er gemeinsam mit Gregor Sturm die Aktion "40.000 Theatermitarbeiter*innen treffen ihre Abgeordneten" initiiert. Am 17. Oktober 2016 finden die Begegnungen statt. Nachtkritik hat Harald Wolff zu der Aktion befragt.

Gehet hin und vernetzet euch!

von Sabine Leucht

München, 6. Oktober 2016. Das Gespräch zum Ausklang des ersten Festivaltags verläuft anders als geplant. Dass Herr "Magister Gerhard Wenninger" bereits 2001 gestorben ist, war klar. Der Mann hinter der Totenmaske, dem ein einschlägig bekannter Münchner Musiker und Theatermacher mit österreichischen Wurzeln eine gewitzte Betulichkeit verleiht, sollte aber ursprünglich live mit Alexander Karschnia sprechen. Doch der Mitbegründer des Performancekollektivs andcompany&Co sei – "wie es sich für einen freischaffenden Künstler gehört – in Berlin". Da haben wir ihn wieder, den zwischen Allüre und Komplex feststeckenden Münchner Glauben, dass anderswo der Bär besser boxt, wilder, kunstvoller – und vor allem sichtbarer.

Belmondos Lippen

Von Falk Schreiber

Hamburg, 24. August 2016. Wenn András Siebold gut drauf ist, dann ist der Leiter des Internationalen Sommerfestivals Hamburg ein begnadetes Lästermaul. Zum Beispiel bei der Pressekonferenz zum diesjährigen Sommerfestival: "Internet und Theater: Das heißt meistens, dass Nachtkritik irgendwo ein Symposium veranstaltet." Danke für die Blumen. Aber eine Punchline ist gesetzt, und außerdem hat Siebold ja recht: Ein echtes Verhältnis zum Netz hat das Theater wirklich noch nicht gefunden.

Mama, ich werde Theaterkritiker

von Sascha Ehlert

Berlin, 9. August 2016. Die Mutter freut's, aber von diesem Nachtkritik hat sie noch nie was gehört. Nein, meine Familie ist alles andere als theateraffin, in meinem Erinnerungsspeicher kaum Theater-Erfahrungen aus der Jugend. Mit meinen Eltern war ich höchstens mal im Musical, mit der Schule einmal in der Komischen Oper, irgendwann mal in der Schaubühne bei irgendeiner Shakespeare-Inszenierung und einmal im Berliner Ensemble, bei "Arturo Ui". Die einzige Seherfahrung, bevor ich achtzehn wurde, die mich bis heute bewegt. Der Nazi, der zu Heino-Musik strippt, wirkte auf mich zwar albern. Aber dieser kleine Schreihals mit dem Bart auf der Bühne, der hinterließ einen bleibenden Eindruck. Dass das Martin Wuttke und die Inszenierung von Heiner Müller war, wusste ich nicht. Ich hatte ja keine Ahnung, wer die beiden sind.