Die Panels bei Theater und Netz. Vol. 6

7. Mai 2017. Unter der Überschrift Vom Publikum zur Community veranstalteten nachtkritik.de und die Heinrich Böll Stiftung am 6. Mai 2018 in Berlin die sechste Ausgabe der Konferenz "Theater und Netz". Es gab parallele Panels und Sessions. Die Diskussionsveranstaltungen in Saal 1 wurden live gestreamt und mitgeschnitten und stehen hier zur Nachschau zur Verfügung. Das gesamte Konferenzprogramm finden Sie unter www.theaterundnetz.de.

Die Kulturfritzen, die den Bloggerspace organisierten, haben Internet-Thesen aus dem "Community Mannifest" (frei nach Marx) vorgelegt.

20 Tonnen Großkunst

Berlin, 1. Mai 2018. Das 55. Berliner Theatertreffen wird am 4. Mai 2018 mit einer Produktion eröffnet, die schon im Vorfeld für einigen Gesprächsstoff sorgte – und das nicht nur aus künstlerischen Gründen. Um "Faust" in der Regie von Frank Castorf (produziert in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz) als Theatertreffen-Gastspiel realisieren zu können, mussten die veranstaltenden Berliner Festspiele Zusatzmittel bei der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und bei der LOTTO-Stiftung Berlin beantragen, insgesamt 500.000 Euro. Anlass, um bei der Leiterin des Berliner Theatertreffens Yvonne Büdenhölzer (derzeit in Elternzeit) nachzufragen:

Raus aus der Komfortzone

von Jan Fischer

Hannover, 30. April 2018. Freies Theater wird ja immer interessant, wenn es sich etwas erlaubt, was in einem großen Haus nie funktionieren würde. Die Gewinnerproduktion der diesjährigen "Best Off"-Edition in Hannover zum Beispiel: "Welcome to the comfort zone" von der Gruppe xweiss wurde in drei Festivaltagen von gerade mal 40 Besuchern gesehen. Das ist weniger, als bei allen anderen Produktionen des Festivals für Freies Theater in einem Durchgang mit dabei sind.

Kampf um Kontinuität

von Katrin Ullmann

Hamburg, 26. April 2018. "Elf Jahre Projektemacherei, elf Jahre in halbverlassenen Fußgängerzonen, elf Jahre schlecht bezahlt, elf Jahre zu wenig Schlaf. Wir haben keinen Bock mehr, wir hören auf mit der Projektemacherei, wir gründen jetzt ein Unternehmen." Das beschloss das Hamburger Performancekollektiv Geheimagentur und ging im April 2014 mit dem Unternehmen "Ein großes Unterfangen, von dem noch niemand genau weiß, was es sein soll" auf Kampnagel an die Börse. Die Zuschauer konnten Anteile zeichnen. War ihnen die Investition zu unsicher, konnten sie sich ihre Anteile auch am Aufführungsabend bar auszahlen lassen. Grundlage für die Show bildete Daniel Defoes "Essay upon Projects" von 1697. Der Autor von "Robinson Crusoe" hatte jahrelang versucht, mit Projekten über die Runden zu kommen.

"Das hatte so einen Wumms"

22. März 2018. Für ihre Rolle als Hexe in Frank Castorfs Inszenierung "Faust" nach Goethe an der Berliner Volksbühne wurde Sophie Rois am 17. März 2018 in Bensheim mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist und zu den wichtigsten Theaterpreisen im deutschsprachigen Raum gehört.

Ein armes Leben im reichen

von Sabine Leucht

München, 20. März 2018. Da stehen sie zwischen den malerisch bröckelnden Säulen des Pathos München: Der Saxophonist mit seinem überlangen Strickmantel, der Trommler, die Geigerin mit den Pfauenfedern auf dem Kopf. Wie sich erst jeder für sich mit seinem Instrument an das Kommende herantastet und schließlich alle zu einem gemeinsamen Rhythmus finden, da scheint für einen Moment alles möglich in der freien Münchner Theaterszene. Dass in dem ungarisch-türkisch-deutschen Projekt "F.M.G – Transforming Faust I und II" von Angelika Fink und Barbara Balsei bezaubernde Menschen bezaubernde und alberne Dinge tun, Goethe-Texte auf eine Elvis-Persiflage treffen und ein quietschbunter Konfettiregen ebenso vorkommt wie das entschiedenen "Nein" dazu, Gretchens Opfergeschichte auszubreiten, beweist: Die Szene ist bunt hier, wenn man sie lässt. Sie vernetzt sich zusehends – und sie bewohnt wunderbar atmosphärische Orte, die es zu schützen gilt.

Die Inhouse-Katharsis wäre nicht nötig

6. März 2018. Immer wieder verursachen Unfälle mit Sprinkleranlagen Wasser-Schäden an Theatern. Zuletzt am Sauerland Theater Arnsberg und an der Deutschen Oper Berlin, wo sich die Schadenshöhe nach aktuellen Schätzungen auf 4 bis 5 Millionen Euro beläuft. Anlass, bei Wesko Rohde von der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft nachzufragen:

Warum entstehen an Theatern eigentlich so oft Schäden durch Löschanlagen, die doch dem Schutz der Häuser dienen sollen?

Wesko Rohde: Sicherheit ist ein hohes Gut, ohne Zweifel. Theaterbrände haben in der Geschichte zu entsetzlichen Katastrophen geführt. Im Jahre 1881 kamen beim Brand im Wiener Ringtheater im Feuersturm 384 Menschen ums Leben. Seither haben sich Theater zu den sichersten Gebäuden Deutschlands entwickelt. Um Fragen der Sicherheit hat sich eine Industrie gebildet, mit einigen Vor- und noch mehr Nachteilen. Sucht man aber nach Antworten, warum diese sensiblen Technologien immer öfter immer größere Schäden anrichten, und fragt man, warum am Ende alte Systeme alles fluten, als wäre eine Inhouse-Katharsis vonnöten, muss man leider etwas weiter ausholen.