Königinnen in Oklahoma

von Georg Kasch

6. März 2014. Es ist die Landschaft, die verblüfft. Wenn man schon einige Versionen von Tracy Letts' Stück "August: Osage County" auf der Bühne gesehen hat, fällt diese Weite besonders auf, die sich im Osage County in Oklahoma öffnet: endlose Horizonte, garniert mit Hügel, Vieh und Strohballen, darüber ein Himmel, der alle Farben kennt. Ziemlich winzig wirkt da der Mensch, und einmal, zu Beginn, sagt Barbara sinngemäß: Für dieses elende Land haben wir all die Indianer abgemurkst?

Worte gegen Forellen

von Martin Pesl

September 2013. "Ah, ein Theaterspieler", sagt der ältere Herr zu seinem Neffen, den er gerade erst kennen gelernt hat und in dessen Leben er eintreten möchte. Walter, der noch nie im Theater war, geschweige denn im deutschen – arbeitete er doch als Zirkusartist in Italien –, trifft ausgerechnet auf die Vollblutrampensau, den Figurenpsychologieverweigerer und Textedekonstrukteur Philipp Hochmair. Theaterkenner wissen, wer das ist: Der gebürtige Wiener prägte in Nicolas Stemanns Burg-Jahren dessen Jelinek-Inszenierungen und wechselte 2009 ans Thalia Theater Hamburg.

Tränen in den Augen

von Nikolaus Merck

Berlin, 8. September 2013. "Lontano. Die Schaubühne von Peter Stein" heißt ein 90-Minuten-Film des Dokumentarfilmers Andreas Lewin, der schon die Schauspieler Klaus Kammer und Thomas Holtzmann sowie den Regisseur Fritz Kortner filmisch portraitiert hat. "Lontano" ist italienisch und heißt "fern", als musikalischer terminus technicus bezeichnet es die Musik, die von hinter der Bühne kommt.

Begrabt mich, wo ich scheiterte

von Elena Philipp

Berlin, 13. August 2013. Sieben sind's, die sich Glück und Gold entgegen mühen. Ein Häuflein deutscher Auswanderer in den Weiten des kanadischen Nordens. Zusammengeführt hat sie eine Anzeige: Gegen Bares bietet der Geschäftsmann Wilhelm Laser den Deal, sie vom nördlichsten Bahnhof Kanadas auf der Landroute an den Klondike River zu führen. Dorthin, wo das Goldfieber grassiert. Eine Strapaze, die nur eine Einzige von ihnen durchstehen wird: Emily Meyer, zäh und stoisch, schweigsam, aber handfest.

Mozärtlicher Elefant und Sohn

von Esther Slevogt

Berlin, 23. Juli 2013. Das zumindest hat dieser Film geschafft, einen vergessenen Großschauspieler noch mal auf die Bühne der Gegenwart zu holen: Heinrich George, Theater- und Filmstar der 1920er bis 1940er Jahre, dessen animalische Wucht auch nach über sieben Jahrzehnten noch regelrecht aus dem dokumentarischen Material hervorwuchert, das Joachim A. Lang in sein Fernseh-Doku-Drama "George" montiert hat.

Lebenslänglich für Cassius

von Sophie Diesselhorst

3. Januar 2013. "Jetzt ist aber Schluss", sagt der eine Wärter zum anderen. "Jetzt müssen sie  wieder rein." Die beiden stehen in einer Galerie und schauen hinunter auf einen der Höfe im Gefängnis Rebibbia (bei Rom). Dort unten schüttelt Antonius gerade die blutigen Hände der Verschwörer um Brutus und bittet darum, Julius Caesars Leiche aufs Forum bringen zu dürfen. "Lass sie doch die Szene noch zu Ende spielen", sagt der angesprochene Wärter. Während Antonius also, nun alleine mit Caesars Leichnam, einen Racheplan ausheckt, kommt oben noch ein dritter Wärter hinzu, der die anderen beiden darauf aufmerksam macht, dass "sie" jetzt wieder reinmüssen. Auch er lässt sich dann aber vom Spiel im Hof faszinieren, es folgt oben auf der Galerie noch eine kleine Diskussion darüber, ob Antonius ein sympathischer Charakter ist ("Ja, er ist doch kulant") oder nicht ("Er ist ein Hurensohn!").

Überwirkliche Wirklichkeit

von Georg Kasch

Berlin, 4. Dezember 2012. Es ist nur ein Gesicht, schwarz und weiß fotografiert, das vor nachtfinsterem Grund pulsiert zwischen Klarheit und Unschärfe: Mal glaubt man, deutlich die dunkel glänzenden Augen zu erkennen unterm vollen, dunklen Haar und den sinnlichen Mund, dann wieder verschwimmen die Konturen. Ein treffendes Bild, das die Macher des Dokumentarfilms "Alexander Granach – Da geht ein Mensch" im Abspann gefunden haben für das Bemühen, eine Person lebendig werden zu lassen, die seit über 65 Jahren nicht mehr lebt. Zumal einen Schauspieler, von dem – immerhin! – ein paar Kinofilme existieren (darunter legendäre wie Murnaus "Nosferatu" und Lubitschs "Ninotschka") und wenige Tonaufnahmen, Fotos natürlich und Briefe.