On The Edge Of A New Struggle

by Hakan Silahsizoglu

Istanbul, 25. August 2016. Turkey had its most intense night in its history on the 15th of July with the failed coup attempt. The incident certainly shocked everyone no matter which political party or belief they have and for the first time in the whole country it felt like people were united and had one voice which cursed the failed coup attempt.

The witch-hunt is on

25. Mai 2016. Im deutschsprachigen Raum ist Oliver Frljić ein renommierter Regisseur, der für sein radikales politisches Theater geschätzt wird. Bei den Wiener Festwochen bringt er am 29. Mai sein neues Stück "Naše nasilje i vaše nasilje" (Unsere Gewalt und eure Gewalt) zur Uraufführung, für das er sich Peter Weiss' "Ästhetik des Widerstands" vorgenommen hat (nachtkritik.de wird berichten). In Kroatien leitet Frljić das Nationaltheater in Rijeka; dort ist er wegen seiner politischen Haltung vermehrt unter Druck geraten, seit die rechtspopulistische Partei HDZ im Januar 2016 an die Regierungsmacht gekommen ist.

Für nachtkritik.de hat Michael Isenberg mit Oliver Frljić gesprochen.

Where is the revolution now?

by Lena Kitsopoulou

Athens, April 2016. Culture needs money. Today, Greece is a bankrupt country, enslaved since 2010. At that point, the whole problem starts. What brought Greece into this situation is another big discussion. It’s a mixture of many things and not so easy to investigate. For sure it's not only the "foreigners". All Greeks have experienced the "eating" of state and European money. Many off-the-record-agreements between artists and politicians; public funds not being used for the purpose they should and suddenly disappearing. Corruption. All this has been going on for many years.

"The good change"

by Anna R. Burzyńska

February 2016. When speaking about the new government in Poland, one has to admit: The members of PiS (Law and Justice) party have a very good memory. After they have become the main political force in Poland, they now pay their debts. That means rewarding supporters (giving the most prominent positions in government and national institutions as well as firms to followers, advocates, friends, family members and simply toadies, giving millions of zlotys to church officials who persuaded believers to vote for PiS, changing the law in favor of their supporters, releasing imprisoned criminals and football hooligans, calling violent nationalists "patriots" and encouraging them to organise anti-immigrant demonstrations) – and punishing enemies. Who are enemies? Non-Polish, non-catholics, non-heterosexuals, feminists, leftists, vegetarians, cyclists (it sounds like a joke, but recently one of the ministers said that vegetarianism and riding a bike are both examples of "EU-propaganda", destroying "traditional Polish values") and, of course, artists. "The Polish of the worse sort" – as Jarosław Kaczyński, the real leader behind his political puppets, said.

Auf der Suche nach dem verlorenen Nein

von Michael Beron

Athen, Dezember 2015. "Wir Künstler sind immer schon in der Krise gewesen“, meint Vasso und blickt herausfordernd über die Theke. Dabei lässt sich die Krise an diesem Morgen kaum blicken. Nicht bloß im Flughafen scheint alles wie überall – auch in Athens wichtigstem freien Theater "Bios" herrscht internationaler Komfort: Sonne fällt durch die breite Fensterfront, gedämpfter Verkehr rauscht vorbei und der Kaffee schmeckt vorzüglich. Vasso, 38, Regisseurin, Performerin, Barfrau, schäumt Milch auf. Mit Politik will sie nichts zu tun haben. "Das ist alles Fake, aber guter Fake". Vasso glaubt an Freundschaft, geistigen Sex, Beckett.

Arm, aber enthusiastisch

von Oliver Kranz

10. Dezember 2015. "Ihr nennt es Krise, wir nennen es Krieg!" – Ukrainische Theatermacher nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Besuchern aus dem Westen die Situation ihres Landes zu schildern. Anfang Dezember reiste eine Delegation der European Theatre Convention (ETC) nach Kiew, um die dortige Theaterszene kennenzulernen. Die Zahlen sprechen für sich: In der Ukraine gibt es 137 Stadt- und Staatstheater – fast so viele wie in Deutschland (obwohl das Land wesentlich weniger Einwohner hat). Rund 30.000 Vorstellungen werden jedes Jahr geboten. Daran hat auch der Krieg in Donezk und Lugansk nichts geändert. Die Eintrittspreise sind niedrig, die Besucherzahlen hoch. Auffällig ist allerdings, dass es kaum freie Theater gibt. Da in der Ukraine öffentliche Fördergelder ausschließlich Stadt- und Staatsbühnen zufließen, können sich nur wenige freie Ensembles halten. Eines davon ist das Dakh-Theater, das in einem Plattenbau am Rande der Kiewer Innenstadt residiert.

Tanz über die Splitter der Explosion

von Lena Schneider

Paris, 27. November 2015. Nach dem Verstummen kamen die Ausrufezeichen. Am Wochenende, das auf die Attentate vom 13. November folgte, waren alle Vorstellungen in den Theatern in und um Paris abgesagt worden. François Hollande hatte am Sonntag vor dem Parlament eine flammende Kriegsrede gehalten und dann gemeinsam mit den Abgeordneten viele Strophen der Marseillaise gesungen. Im Laufe der Woche drauf schickten die Theater Lebenszeichen durch ihre Mail-Verteiler. "Ensemble!" (Zusammen!), rief das städtische Théâtre de la Ville am Dienstag, dem ersten Spieltag nach den Attentaten. "Le Théâtre reste ouvert!" (Das Theater bleibt offen), hieß es aus dem Banlieue Sartrouville am Tag drauf. Und gleich nochmal das Théâtre de la Ville: "Ensemble!"

Brave Festival "Staging a Revolution"

by Alice Saville

London, 11. November 2015. Minsk's gay bar is pretty unusual, as nightspots go. It's a workers' café by day, where factory labourers drink their soup in conditions that have hardly changed since the Soviet era. But by night, it turns into an illicit bacchanal, filled with the LGBT people that Belarus's repressive government tries its best to pretend don't exist. "Minsk 2011", one of the opening performances of Belarus Free Theatre's "Staging A Revolution"-Festival in London, brings this secret world to life, as well as telling the stories of the hordes of sex workers that fill Minsk's streets as darkness falls.

Alles nur für mich

von Michael Laages

Edinburgh, 16. August 2015. Ein Neuling schreibt hier. Der Hinweis ist wichtig, und auch gar nicht kokett, weil er ein paar Einschränkungen beinhaltet – was nämlich bewährte und gewiefte Festival-Routiniers im schottischen Edinburgh für selbstverständlich halten und nicht (mehr) der Rede wert, das ist für den Anfänger auch bei der Festival-Ausgabe Nummer 69 ziemlich neu und zum Staunen. Vor allem die Intensität macht schwindlig, mit der das Festival sich ausbreitet in der Stadt am Firth of Forth. Knapp 500.000 Einwohner hat Schottlands Hauptstadt, die Altstadt auf dem Hügel unterhalb des Schlosses ist voller schmaler, enger Gassen, die auch dann wie gesperrt wirken, wenn sie nicht tatsächlich geschlossen sind: wie die "Royal Mile", die in Teilen zur theatralisch-musikalischen Fußgängerzone wird und speziell dann überfüllt ist ab nachmittags, wenn wieder mal ein militärisch-blasmusika-lisches "Tattoo" ansteht.

Tod auf Bewährung

von Lena Schneider

Avignon, 18. Juli 2015. Ein Gespenst schwebt überm diesjährigen Festival in Avignon, das Gespenst des Verschwindens. Es hat verschiedene Gestalten. Eine davon hat sich das Festival zum Programm gemacht. "Ich bin der Andere" heißt die Saison 2015. Es ist ein Echo auf "Je suis Charlie", die weltweite Solidaritätsbekundung nach der Ermordung der 12 Mitarbeiter von "Charlie Hebdo". Doch der 7. Januar scheint vom südfranzösischen Sommer aus fern. Die Menschen drängen sich bis spät in die Nacht auf Plätzen, in Sälen und Warteschlangen zusammen wie jedes Jahr. Die halbherzigen Taschenkontrollen (noch gilt in Frankreich das Terrorschutzprogramm "Vigipirate") nehmen sie gelassen hin. Business as usual. Der erste Schock nach dem Attentat ist längst verklungen, und wenn da so etwas wie eine Angst vor der plötzlichen Auslöschung geblieben ist, wird sie mit dem Fächer, dem wichtigsten Utensil im Avignoner Hochsommer, beiseite gewedelt.