Vertraute Fremde

von Matthias Weigel

Timișoara, 11. November 2014. Holzjalousien und bröckelnde kaiserliche Fassadenreste lassen fast vergessen, dass sich im Erdgeschoss des prächtigen Gebäudes aus der Donaumonarchie längst ein MacDonalds eingenistet hat. Während sich das gentrifizierungsgeschädigte Touristenherz an den unsanierten, rohen Schönheiten im Zentrum von Timișoara kaum sattsehen kann, beklagen die Einwohner hier, dass die Gebäude über Jahrzehnte ihrem Verfall überlassen wurden – ein Versäumnis, dass nun mühsam nachgeholt werden müsse.

A Small Sign of Hope

by Andrew Haydon

27 August 2014. The Edinburgh Festival Fringe is big. Very big. In theory it's the "Fringe" of the Edinburgh International Festival, but these days that's a complete misnomer. For almost the whole of August, Edinburgh is almost all Fringe and nothing else. (Well, not strictly true: incongruously the city also plays host to the Royal Military Tattoo selling out to the tune of 215,800 tickets.) This year, the Fringe reportedly broke the two-million mark for number-of-tickets sold for 49,497 performances of 3,193 shows.

The problem is on the mountain, not in the valley

by Marianna Salzmann

Rome, 11 August 2014. Il problema è a monte, non al valle. The problem is on the mountain, not in the valley. That's what is written on the yellow SOS-posters of the Teatro Valle (Valle meaning valley in Italian). Today the move took place.

Das Problem ist auf dem Berg und nicht im Tal

von Marianna Salzmann

Rom, 11. August 2014. Il problema è a monte, non al valle. Das Problem ist auf dem Berg und nicht im Tal. So steht es auf den gelben SOS-Plakaten des Teatro Valle. Valle heißt auf Italienisch auch Tal. Heute war der Auszug.

No last days

by Marianna Salzmann

Rome, August 7th 2014. It's July 35th 2014. The occupants should have left on the 31st. They didn't, they changed the calendar instead. "35 luglio" says the poster behind the display window at the door. The city's deadline to clear the theatre by August 1st has been postponed. The negotiations are in progress.

Ci siamo – hier sind wir

Rom, 5. Juli 2014. Grundlage für die offene Diskussion sind die folgenden Punkte, die in den Arbeitstreffen und in den Versammlungen der letzten Tage, und in Zusammenarbeit mit der Künstlergemeinschaft sowie mit den Bürgerinnen und Bürgern formuliert worden sind.

Nessun ultimo giorno

di Marianna Salzmann

Roma, 7 agosto 2014. È il 35 luglio 2014. Il 31 luglio gli occupanti sarebbero dovuti andare via. Non lo hanno fatto, hanno cambiato il calendario. "35 luglio" si legge sulla locandina appesa all'entrata del teatro. L'intimidazione delle autorità cittadine di sgomberare il teatro entro il primo agosto é stata rinviata. Le trattative sono aperte.

Keine letzten Tage

von Marianna Salzmann

Rom, 7. August 2014. Es ist der 35te Juli 2014. Am 31ten hätten die Besetzer*innen rausgehen sollen. Sie taten es nicht, sie änderten den Kalender. "35 luglio" sagt das Plakat im Schaufenster an der Tür. Die Forderung von der Stadt, das Theater bis zum 1sten August zu räumen, wurde verschoben. Die Verhandlungen laufen. "Sie werden uns räumen, das ist sicher", sagt Silvia Calderoni und dreht sich die nächste Zigarette. Wir sitzen auf dem Boden in der Via del Teatro Valle. Sie ist übernächtigt, letzte Nacht hat sie noch im Süden Italiens gespielt – sie kam auf direktem Weg zurück nach Rom. Jeden Moment könnte die Polizei kommen, obwohl es eine offizielle Abmachung mit den Repräsentant*innen der Stadt gibt, bis zum 10ten August zu warten. Dass die Räumung überraschend früher stattfinden kann, ist gängige Praxis überall in Europa.

Botschaften der Zerrissenheit

von Simone Kaempf

Bratislava, Juni 2014. Schließlich kam er doch. Fragte, wo er am Theater parken könnte, und erst damit war den Mitarbeitern des Slowakischen Nationaltheaters in Bratislava klar, dass Attila Vidnyánszky, Intendant des Ungarischen Nationaltheaters, tatsächlich an der Diskussion teilnehmen würde. Selbstverständlich war das für das Theater und das von ihm ausgerichtete Festival "Eurokontext" nicht. Denn als Vidnyánszky in diesem März nach Budapest zum Nationaltheater-Festival "M.I.T.E.M"- lud, hatte sein Kollege Roman Polák, Intendant des Slowakischen Nationaltheaters in Bratislava, eine Gastspiel-Einladung ausgeschlagen.

Chaotisch und voller Hoffnung

von Bahar Çuhadar

Istanbul im Juni 2014. Die Türkei besitzt eine dynamische, hin und wieder chaotische, dennoch hoffnungsvolle Theaterlandschaft. Man kann sie grob in vier Bereiche unterteilen: Zum einen gibt es die Staatstheater, die 1949 gegründet wurden, aktuell in 21 Provinzen aktiv und dem türkischen Kultur- und Tourismusministerium unterstellt sind. Ferner haben mehrere Städte ihre Stadttheater, die an die Stadtverwaltungen gebunden sind und dessen ältestes sich in Istanbul befindet. Hinzu kommen die privat geführten Theater, die teilweise schon seit mehr als einem halben Jahrhundert bestehen und zu Institutionen wurden (Dostlar Tiyatrosu, Ankara Sanat Tiyatrosu, Kenter Tiyatrosu, Oyun Atölyesi, etc.). Darüber hinaus existieren die unabhängigen Theaterensembles, die – sowohl aus künstlerischer Perspektive als auch im Hinblick auf das Publikumsinteresse – nach den Gezi-Protesten eine Art Erwachen auslösten.