Jedermann kennt kein Morgen

von Reinhard Kriechbaum

18. Juli 2021. Die Stimme der Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler ist heuer vom Tonband zu vernehmen. Sie verweist auf das Sicherheitskonzept der Salzburger Festspiele. Und sie betont mit klaren Worten, dass es zu alledem auch die tätige Mithilfe des Publikums braucht. Sprich: Bitte Maske aufsetzen!

Die Wunde aufstechen, bis sie blubbert

Interview mit Claudia Bauer, Lucia Bihler, Pınar Karabulut, Theresa Thomasberger und Josephine Witt

15. Juli 2021. Im März trat Klaus Dörr als Intendant der Berliner Volksbühne zurück, nachdem mehrere Mitarbeiterinnen Belästigungsvowürfe gegen ihn erhoben hatten. Bald machte das Wort Femwashing die Runde. Der Begriff, bislang vor allem aus der Wirtschaft bekannt, bezeichnet die Strategie, ein pro-feministisches Image zu etablieren, während sich an den Strukturen im Hintergrund wenig ändert. Auch Dörr hatte sich um ein fortschrittliches Außenbild des Hauses bemüht und dezidiert Frauen für die Regie engagiert. Alles nur Fassade? Wie bewerten die Volksbühnen-Regisseurinnen den Skandal? Hat er ihr Selbstverständnis verändert? Simone Kaempf und Jorinde Minna Markert haben mit fünf von ihnen gesprochen.

Die Kunst der Oberfläche

7. Juli 2021. In der neuen Folge unserer Reihe "Neue Dramatik in zwölf Positionen" begrüßen wir Sarah Nemitz und Lutz Hübner. Das Duo ist vor allem für seine well-made plays bekannt, ein Genre, das trotz großen Erfolgs beim Publikum in der Kritik steht. Man wirft diesen Stücken fehlende Tiefe und Experimentierfreude vor. Im Gespräch mit nachtkritik.de-Redakteur Michael Wolf verteidigen Nemitz & Hübner das well-made play. Für sie ist es ein Instrument zur Erforschung der politischen Gegenwart.

Ein "Wir" irrt sich gewaltig

von Michael Wolf

Berlin, 23. Juni 2021. Außerhalb Griechenlands erregt das Athener Embros-Theater vor allem Aufsehen, wenn es mal wieder in seiner Existenz bedroht ist. 2006 fiel die Förderung weg, einige Zeit stand es leer. 2011 besetzten Künstler das staatseigene Gebäude, zwei Jahre später folgte die Räumung, dann eine erneute Besetzung. Die selbstverwaltete Bühne, so liest man, hat sich seither zu einem soziokulturellen Zentrum entwickelt. Der Eintritt ist frei, Studenten, Flüchtlinge und Nachbarn treffen dort aufeinander. Im Mai endete diese Erfolgsgeschichte vorerst, die Behörden versiegelten das denkmalgeschützte Gebäude mit Beton. Der Staat, immer noch in größten wirtschaftlichen Schwierigkeiten, will es wohl einer kommerziellen Nutzung zuführen. Nach Protesten soll das Theater Medienberichten zufolge inzwischen aber wiedereröffnet worden sein.