Ehre füllt den Kühlschrank nicht

von Cornelia Fiedler

4. Juli 2020. Es ist deprimierend: Die neusten Zahlen zu Frauen im Kulturbetrieb zu sichten macht keinen Spaß. Der Blick auf das Einkommen von Künstler*innen generell liest sich noch immer als gesellschaftliches Armutszeugnis; und die Fakten zu Freiberufler*innen im Speziellen bestätigen die schlimmsten coronainduzierten Befürchtungen. Einerseits. Andererseits tut es richtiggehend gut, sich mit diesen Statistiken zu konfrontieren. Weil es klarzieht, dass kein individuelles Verschulden vorliegt, wenn nach dem Shutdown plötzlich die Hartz-IV-Anträge auf dem Küchentisch in der Kreativen-WG liegen. Weil wir schlicht in Strukturen leben und arbeiten, die die geringe Wertschätzung kultureller Arbeit ebenso reproduzieren wie die Schlechterstellung von Frauen.

Bochumer Verwandlungen

von Max Florian Kühlem

3. Juli 2020. Ein Moment Wahrhaftigkeit auf der Spielzeitvorstellung am Schauspielhaus Bochum: Johan Simons schaut leicht verknittert in sein Publikum aus verteilt sitzenden Journalisten auf der großen Bühne, hinter ihm der schöne Saal mit der "offenen Wunde" aus wegen Corona ausgebauten Sitzen. Der 73-Jährige sagt: "Wenn man startet, tut man so, als wisse man alles über eine Stadt. Und dann begegnet man ihr."

Kopftheater aus der App

von Christian Rakow

2. Juli 2020. Die erste Erscheinung des Neuen ist der Schrecken. Auch im interaktiven Netztheater. Als Christopher Rüping seine experimentierfreudige Web-Serie "Dekalog" am Schauspielhaus Zürich startete, da haperte es technisch noch an allen Enden. Der Sprecherton des Solisten Thomas Wodianka kam mit Sekunden Verzögerung an, verhinderte den Schauspielgenuss. Und das Publikum im begleitenden Chat zeigte entsprechend Zähne und schüttete wonnig seine Häme aus. Für die folgenden Teile schalteten die Zürcher*innen den Chat zur Aufführung ab, das Publikum durfte fürderhin als anonymer Massenmensch am Geschehen teilhaben, mit den für die Serie charakteristischen Ted-Abstimmungen über den Verlauf der Geschichte.

Vor uns liegen Monate der Angst-Arbeit

1. Juli 2020. Die Corona-Krise hat in vielen Bereichen bereits existierende Probleme verschärft oder zumindest sichtbar gemacht. Auch in der Gegenwartsdramatik, wo die Folgen der Pandemie besonders den Autor*innen noch lange schaden könnten – sagt der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz im Gespräch mit Andrea Heinz. Aber der Lockdown hat Schmalz auch dazu inspiriert, sich verstärkt um die Dramen-Analyse zu kümmern und ein neues Forschungsprojekt anzustoßen.