Versteinerte Strukturen?

14. November 2019. Aufrüttelnd sind die Ergebnisse von Thomas Schmidts Studie "Macht und Struktur im Theater": Mehr als die Hälfte der Künstler*innen an deutschsprachigen Theatern hat in ihrem Berufsleben schon verbale Übergriffe oder psychische Bedrohungen erlebt. Überstunden und geringe Bezahlung bei unsicherer Beschäftigung sind vielerorts ihr Alltag. Konflikte zwischen Theaterleitern und ihrer Belegschaft, Diskriminierung und übergriffige Arbeitsweisen sind also nicht nur Einzelfälle, sondern Systemfehler? Dieser Frage widmen sich Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit ihren Gesprächspartner*innen in Folge 19 des Theaterpodcast.

Die Heiliginnen

von Lea Draeger

13. November 2019. Die Schauspielerin Lea Draeger, aktuell im Ensemble des Berliner Maxim Gorki Theaters, tritt regelmäßig mit Ausstellungen als Bildende Künstlerin an die Öffentlichkeit. Zum "4. Berliner Herbstsalon" des Gorki Theaters steuert sie ihr 36-teiliges narratives Künstlerbuch "Die Heiliginnen" bei. In der Serie erzählt Draeger in der ikonographischen Tradition von Heiligendarstellungen ihre Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg. Sie beschreibt katholisch geprägte, patriarchale Strukturen zwischen Hexenverfolgung, Papstverehrung und männlicher häuslicher Gewalt.

nachtkritik.de präsentiert eine Auswahl aus dem Zyklus. In der Ausstellung befinden sich auf den Rückseiten der Bilder weitere Texte, die hier einzusehen sind. Am 15. November 2019 um 19 Uhr wird Lea Draeger das Künstlerbuch "Die Heiliginnen" in einer Lesung beim "Herbstsalon" im Palais am Festungsgraben in Berlin-Mitte vorstellen. (Lea Draegers Originalbilder wurden abfotografiert von Lutz Knospe).

 

 

Ressourcen der Macht oder Last Dirty Secrets

von Thomas Heskia

14. November 2019. Dem vor wenigen Jahren verstorbenen Doyen der Organisationsforschung Warren Bennis wird die Aussage zugeschrieben, Fragen der Macht seien "the organization's last dirty secret". Sie sind omnipräsent und beeinflussen das Handeln bis ins kleinste Detail. Offen über Macht zu sprechen, scheint jedoch nicht nur im Theaterkontext mit einem Tabu belegt zu sein. Aus gutem Grund, denn dies wäre ja schon der erste Schritt, sie in Frage zu stellen. Auch in der Forschung hatte das anrüchige Thema lange Zeit kaum Präsenz: Beiträge zu Management und Führung gibt es zuhauf, Macht als unumgängliche Voraussetzung kommt darin nur am Rande vor. Die jüngste Aktualität ist einerseits der Einsicht zu verdanken, dass die Entwicklung von Organisationen ohne ein Verständnis offener wie auch verdeckter Machtstrukturen unmöglich ist. Zum anderen haben mutige Frauen das Schweigen gebrochen und in der #MeToo-Bewegung Fälle von sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Ohne diesen Aspekt des Machtmissbrauchs in patriarchalen Systemen kleinreden zu wollen: Es geht um weit mehr als das. So wie es auch Thomas Schmidt in seiner Studie zum Machtmissbrauch an Theatern beschreibt.

"Man begegnet dieser DDR ja ununterbrochen!"

Leander Haußmann im Gespräch mit Christian Rakow und Esther Slevogt

Berlin, November 2019. Wir treffen Leander Haußmann in einem Berliner Café um die Ecke vom Gendarmenmarkt, um über seine Künstlererfahrungen mit der deutsch-deutschen Einheit zu sprechen. Als Schauspieler (unter anderem bei Frank Castorf) und als Jungregisseur an Provinzbühnen in Parchim, Gera und Weimar vor der Einheit, bald als gefeierter Nachwenderegisseur an Staatsbühnen von München bis Hamburg, schließlich als Intendant am Schauspielhaus Bochum scheint er uns der ideale Gesprächspartner zum Mauerfalljubiläum zu sein.