Urteile revisited 3 280 c Birgit Hupfeld "Urteile (revisited)" am Münchner Residenztheater © Birgit Hupfeld 27. Oktober 2021

Forensische Architektur, NSU-Monologe und andere Songs

Der Sammelband Rassismus. Macht. Vergessen. geht den Spuren rechter Gewalttaten auf den Grund. Darin enthalten ist ein Gespräch zwischen dem Historiker Friedrich Burschel und dem Schauspieler und Juristen Dietrich Kuhlbrodt. Zusammen mit Theatermacher Jonas Zipf sprechen sie über den Wert künstlerischer Interventionen in der Ermittlungsarbeit gegen Terrornetze. 

Forensische Architektur, NSU-Monologe und andere Songs

Jonas Zipf im Gespräch mit Fritz Burschel und Dietrich Kuhlbrodt

27. Oktober 2021. Auf die erste Gesprächs-Anfrage reagiert der Publizist und langjährige Beobachter des Münchner NSU-Prozesses Fritz Burschel prompt und begeistert. Dietrich Kuhlbrodt, den Mitbegründer der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen Ludwigsburg, langjährigen Oberstaatsanwalt und späteren Schlingensief-Performer, wollte er schon immer kennenlernen. Als er im Vorfeld des verabredeten Gesprächs erfährt, dass sich die Ausgangsfrage um die Relevanz künstlerischer Interventionen drehen soll, formuliert er Skepsis und Reserve gegenüber dem gängigen "Kunst-Talk". Unter der Moderation von Jonas Zipf begegnen sich die beiden schließlich am Telefon: am einen Ende der Leitung Nazi-Jäger Kuhlbrodt, in einer Drehpause des gleichnamigen Films, den Max Czollek gerade über ihn dreht, am anderen Ende der Referent der Rosa-Luxemburg-Stiftung Fritz Burschel

Don't make Femicide sexy again!

von Jorinde Minna Markert

25. Oktober 2021. "Ein guter Mord, ein echter Mord, ein schöner Mord. So schön, als man ihn nur verlangen tun kann", spricht das Schlusswort von "Woyzeck" ein selten feingeistiger Polizist in Betrachtung der toten Marie. Im Duktus des kanonischen Kunstkenners bewundert er, was vor ihm liegt: ein Mord, der die ikonografische Checkliste abhakt. Die Getötete: jung, weiblich gelesen. Die Lippen: rot. Der Tatort: das Ufer eines Gewässers. Die Art der Tötung: Messerstiche. Das Motiv: Eifersucht, Promiskuität.

Das Riesending in Mitte

20. Oktober 2021. Seit vier Wochen läuft die Spielzeit an der Volksbühne, der nun das Team Pollesch vorsteht. Swingende Lässigkeit bescheinigen die einen dem eröffnenden "Zirkusabend, der Revolutionäre im Rentnerparadies zeigte". Unter der Latte durchgesprungen! Wie souverän. Deutlich war aber auch das Murren über den "enttäuschend lahmen" Einstieg. "Wovon außer von seinen eigenen Stars in der Manege handelt dieses Theater eigentlich?", fragte etwa die Kritikerin Eva Behrendt. "Wo weist es in die Zukunft?" Einige Antworten darauf hat René Pollesch selbst,  und er teilt sie im Theaterpodcast #40 mit Susanne Burkhardt und Elena Philipp.