nachtkritik-Theatertreffen

Sechs Tage lang hatten die Leser und Leserinnen von nachtkritik.de Zeit, Ihre Auswahl für das nachtkritik-Theatertreffen 2008 zu bestimmen. 26 Aufführungen, nominiert von unseren KorrespondentInnen, standen zur Wahl. Jeder Leser, jede Leserin von nachtkritik hatte zehn Stimmen zu vergeben, um die wichtigsten Inszenierungen der vergangenen 12 Monate zu küren.

Das Ergebnis überrascht insofern, als die dänische Performer-Gruppe Signa gleich mit den beiden Produktionen, die sie zuletzt in Deutschland vorstellten, unter die Top Ten gewählt wurde. Ebenfalls mit zwei Inszenierungen in die Endauswahl schaffte es Stephan Kimmig, in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit einer der prägenden Regisseure des Stadttheater-Mainstreams in Deutschland.

Die meisten Stimmen von allen aber erhielt mit David Bösch, Jahrgang 1978, ein noch junger Regisseur, der in seinem vor kurzem inszenierten Woyzeck apokalyptisch unbehagliche Bilder entfaltet. Dieser Essener Woyzeck steht an der Spitze der von den nachtkritik-Leserinnen und -Lesern ausgewählten zehn wichtigsten Aufführungen des letzten Jahres, die wir hier gereiht nach der Anzahl der für sie abgegeben Stimmen auflisten:

1.   Georg Büchner, Woyzeck
Regie: David Bösch, Schauspiel Essen, Premiere am 6.10.2007.

2.   Platz Mangel, ein Projekt von Christoph Marthaler
Rote Fabrik Zürich, 6.12.2007.

Und

Wajdi Mouawad, Verbrennungen
Regie: Stefan Bachmann, Akademietheater Wien, 28.9.2007.

4.   William Shakespeare, Hamlet
Regie: Jan Bosse, Schauspielhaus Zürich, 3.3.07.

Und

Einar Schleef, Gertrud UA
Regie: Armin Petras, Schauspiel Frankfurt, 21.12.2007.

6.   Signa, Die Erscheinungen der Martha Rubin
Schauspiel Köln, 14.10.2007.

Und

Tom Lanoye, Mamma Medea
Regie: Stephan Kimmig, Münchner Kammerspiele, 8.12.2007.

8.   Signa, The Dorine Chaikin Institute
Nordwind Festival Berlin, 17.11.2007.

Und

Anton Tschechow, Onkel Wanja
Regie: Jürgen Gosch, Deutsches Theater, 12.1.2008.

10.   Friedrich Schiller, Maria Stuart
Regie: Stephan Kimmig, Thalia Theater Hamburg, 24.2.2007.

 

Hier noch einmal die Liste derjenigen Inszenierungen, die zur Auswahl standen.

 

Herzlichen Glückwunsch!!!

nachtkritik.de gratuliert den Produktionsteams aller ausgewählten Inszenierungen, gratuliert den Autoren und Autorinnen sowie den Theatern, an denen diese Aufführungen entstanden. Wir werden sehen, inwiefern sich die Auswahl der Korrespondentinnen und Leser von nachtkritik.de unterscheidet von dem Einladungs-Tableau, zu dem sich die JurorInnen des Berliner Theatertreffens in der Nacht zum Dienstag durchringen werden.

Die glückliche Siegerin des nachtkritik-Theatertreffen Gewinnspiels ist Carola Hannusch aus Wiesbaden.

 

 

nachtkritik-Theatertreffen

Hier sehen Sie die Liste derjenigen Aufführungen der letzten 12 Monate, aus denen die LeserInnen von nachtkritik.de vom 4. bis 10. Februar 2008. bis zu zehn Inszenierungen wählen konnten. Grundlage dieser Liste ist das Votum der KorrespondentInnen von nachtkritik.de. Sie haben die aus ihrer Sicht wichtigsten Inszenierungen im ganzen deutschsprachigen Raum nominiert:

 

1.   Gob Squad, Kitchen (You've never had it so good)
Volksbühne Berlin, 30.3.2007.

2.   Roland Schimmelpfennig, Das Reich der Tiere UA
Regie: Jürgen Gosch, Deutsches Theater, 1.9.2007.

3.   Gerhart Hauptmann, Die Ratten
Regie: Michael Thalheimer, Deutsches Theater, 6.10.2007.

4.   Signa, The Dorine Chaikin Institute
Berlin, 17.11.2007.

5.   Anton Tschechow, Onkel Wanja
Regie: Jürgen Gosch, Deutsches Theater, 12.1.2008.

6.   Luigi Pirandello, Die Riesen vom Berge
Regie: Andrej Woron, Bremer Theater, 28.4.2007

7.   William Shakespeare, Was ihr wollt
Regie: Jürgen Gosch. Düsseldorfer Schauspielhaus, 19.10.2007

8.   Calderon de la Barca/ Thomas Hürlimann, Das große Welttheater
Regie: Volker Hesse, Einsiedeln, 22.06.2007.

9.   Georg Büchner, Woyzeck
Regie: David Bösch, Schauspiel Essen, 6.10.2007.

10.   Einar Schleef, Gertrud UA
Regie: Armin Petras, Schauspiel Frankfurt, 21.12.2007.

11.   Henrik Ibsen, Ein Volksfeind
Regie: Florian Fiedler, Schauspiel Frankfurt, 8.12.2007.

12.   Elfriede Jelinek, Ulrike Maria Stuart
Regie: Michael Simon, Theater Freiburg, 5.10.2007.

13.   Euripides, Medea
Regie: Claudia Bauer, Neues Theater Halle, 5.6.2007.

14.   Friedrich Schiller, Maria Stuart
Regie: Stephan Kimmig, Thalia Theater Hamburg, 24.2.2007.

15.   Simon Stephens, Pornographie UA
Regie: Sebastian Nübling, Deutsches Schauspielhaus Hamburg/
Schauspiel Hannover, Festival Theaterformen, 17.6.2007.

16.   Johann Wolfgang Goethe, Faust. Kunstwerk Mensch
Regie: Sebastian Baumgarten, Schauspiel Hannover, 23.10.2007.

17.   Signa, Die Erscheinungen der Martha Rubin
Schauspiel Köln, 14.10.2007.

18.   Ferenc Molnár, Liliom
Regie: Jan Jochymski, Schauspiel Leipzig, 26.10.2007.

19.   Tom Lanoye, Mamma Medea
Regie: Stephan Kimmig, Münchner Kammerspiele, 8.12.2007.

20.   Matthieu Kassovitz, Hass UA
Regie: Sebastian Nübling, Münchner Kammerspiele, 18.1.2007.

21.   Johann Wolfgang Goethe, Faust
Regie: Sewan Latchinian, Neues Theater Senftenberg, 28.9.2007.

22.   René Pollesch, Liebe ist kälter als das Kapital UA
Regie: René Pollesch, Staatstheater Stuttgart, 24.9.2007.

23.   Peter Handke, Spuren der Verirrten
Regie: Friederike Heller, Burgtheater Wien, 6.5.2007.

24.   Wajdi Mouawad, Verbrennungen
Regie: Stefan Bachmann, Akademietheater Wien, 28.9.2007.

25.   William Shakespeare, Hamlet
Regie: Jan Bosse, Schauspielhaus Zürich, 3.3.07.

26.   Platz Mangel, ein Projekt von Christoph Marthaler
Rote Fabrik Zürich, 6.12.2007.

 

Hier das Ergebnis der Umfrage unter den LeserInnen von nachtkritik.de.

Langeweile ist der beste Zeitvertreib

Von 31. Januar bis 3. Februar 2008 findet im Hamburger Thalia Theater die Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft statt. Diesmal steht das Symposium unter dem Motto Geteilte Zeit, und es soll um die Auseinandersetzung mit Zeiterfahrung in den verschiedensten Positionen des Theaters gehen, von der Alltagspraxis bis zur Ästhetik.

Einer der "Tischredner" wird der Berliner Theaterwissenschaftler Hans-Friedrich Bormann sein, dessen Forderung nach mehr Platz für eigene Gedanken im Theater ("Für ein Theater der Langeweile") wir mit Dank dem Programmbuch entnehmen. Als weiterer Tischredner wird übrigens Dirk Pilz die Zeitökonomie beim Verfassen von und im Umgang mit Nachtkritiken thematisieren: Was unmittelbar und blitzschnell geschrieben werden muss, ist danach unbegrenzt verfügbar.

Goldfisch im Teich der tiefen Themen

von Esther Boldt

Frankfurt am Main, 29. Januar 2008. "Es herrscht im Theater ein Zynismus vor, der kratzt an der Menschenwürde. Dabei könnte es doch Lebensermutigung im besten Sinne sein." Jan Neumann glaubt an die Kraft von Geschichten und Gefühlen, er riskiert es lieber, dem Kitsch zu nahe zu kommen als kühle Leere zu produzieren. Darum fasst er das Theater herzhaft an. Und das gleich von drei Seiten, denn der 32-Jährige arbeitet als Schauspieler, Autor und Regisseur.