In dieser Zitrone ist kein Saft mehr

von Harald Raab

Mannheim, Dezember 2009. Der kulturelle Stolz der Rhein-Neckar Region ist das Nationaltheater in der Industrie- und Dienstleistungsmetropole Mannheim. Doch wie es da drinnen aussieht – jetzt endlich geht es viele an: die Zuschauer, das Personal und immer mehr den Gemeinderat. Denn wenn es ungewöhnlich heftig regnet, müssen im Bühnenbereich Eimer aufgestellt werden. Das Dach ist undicht. Der hölzerne Bühnenboden ist stellenweise so verrottet, dass Blechplatten eingezogen werden mussten, um ein Einbrechen zu verhindern. An der Fassade bröckeln Teile der Steinplatten ab. Wegen Sicherheitsmängel fürchtet Generalintendantin Regula Gerber, dass ihr Haus von einem Tag auf den anderen geschlossen werden kann. Eine Sanierung in der Größenordnung von 25 Millionen Euro ist überfällig.

Der austauschbare freie Künstler

von Samuel Schwarz

Zürich, 30. November 2009. Die anonymen Voten in diesem Blog entwerten jeden Versuch, etwas Vernünftiges zu schreiben. Der Text wird zu Dreck, egal, was man schreibt. Dies ist mein sechster Versuch. Der übel riechende Schweiß der anonymen Hass- und Blödelvoten springt über auf den eigenen Text. Der rechthaberische Eifer drückt auch aus dem eigenen Text schleimig zwischen den Buchstaben heraus, auch wenn man noch so vernünftig was zu schreiben versucht. Die Umstände definieren das Bewusstsein des Texts. Weil es eben möglich ist, dass auch anonyme Schreiber in den Blog pissen können, wird alles gelb und ranzig und fäkal. Das ist schade.

Keine Zeit für Revolution?

Nicolas Stemann im Interview mit Christian Rakow

Berlin, November 2009. Am Deutschen Theater inszeniert Nicolas Stemann im Dezember 2009 Die heilige Johanna der Schlachthöfe von Bertolt Brecht, ein Stück über Börsenspekulationen der Fleischfabrikanten von Chicago. Wir treffen ihn im Vorfeld der Premiere.

Sternstunden des Unspektakulären

von Anne Peter

April 2009. Selten sind Special-Effects so wenig sensationell, so dilettantisch vorgeführt und doch so wunderschön! Ein ferngesteuertes Auto fährt zu Händel-Klängen eine Wunderkerze spazieren. Autoscheinwerfer blinken zu pompösem Walkürenritt durch Bühnennebel. Serge nennt das dann etwa "Light Effect on a music by Wagner". Und zwischendurch tanzt er im Dunkeln mit Glow-in-the-dark-Brille zu "Billy Jean".