Gott bewahre uns vor Eröffnungsreden

Von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 11. August 2009. Daniel Kehlmann hatte in den vergangenen zwei Wochen ja ausreichend Gelegenheit zum Einüben von unverbindlichen Antworten, die er nun auch im Abschluss-Pressegespräch der Reihe "Dichter zu Gast" bei den Salzburger Festspielen hören ließ. Jovial und geschmeidig, wie er eben ist.

Murmler und Rauner

4. August 2009. Das ist doch lustig. Daniel Kehlmann hat eine Rede gehalten. Über Theater. Gegen das Regietheater. Für seinen Vater. Jeder weiß, dass diese Rede niemand interessieren würde, wenn Kehlmann nicht viele Bücher verkauft und die Salzburger Festspiele ihm nicht die Plattform geboten hätten. Weil Kehlmann aber ein Erfolgsschriftsteller ist und die Salzburger Festspiele, sommer- und promibedingt, alljährlich viel Aufmerksamkeit erheischen, meint (fast) jeder, zu dieser Rede was sagen zu müssen. Aber gut, so funktioniert das eben.

Zeitreisender, rückwärtsgewandt

von Stefan Bläske

Wien, 27. Juli 2009. Kann er das ernst meinen? Ist es kalkulierte Provokation, ein PR-Gag, oder die Verblendung eines zutiefst reaktionären Menschen, der die Salzburger Bühne und das vermeintlich konservative Festivalpublikum nutzt, um sich als Gloria von Thurn und Taxis unter den Autoren zu profilieren?

Kein Sinn für halbe Sachen

von Esther Boldt

Frankfurt, Juli 2009. Er hat alles gespielt, von Montag bis Freitag. Er war der Feuerwehrmann Montag in Florian Fiedlers Inszenierung von Truffauts "Fahrenheit 451", der diensteifrig mit den Kollegen zur Bücherverbrennung marschiert – die Knie gen Himmel, mit aufrechtem Kreuz, und dabei flinkfingerig Bücher einsteckt, um zuhause dem Wahrheitswert der Worte nachzuspüren. Er war Robinson Crusoe mit meerzerzaustem Haar und zorniger Verlorenheit, und er war der Wilde, den der Gestrandete auf der einsamen Insel fand und Freitag nannte in Robert Lehnigers Robinson-Recherche "Friday I'm in love". Aber Martin Butzke ist mehr als nur ein Schauspieler für alle Wochentage.