Abschied von der Schlange

26. März 2009. Es ist Zeit für ein Bekenntnis. Ja, ich bekenne: Ich habe von 1991 an in der Warteschlange beim Kartenvorverkauf fürs Berliner Theatertreffen gestanden. Jahr für Jahr. Nur einmal bin ich fremdgegangen und habe es an der Theaterkasse bei Karstadt im Wedding probiert – mit durchschlagendem Misserfolg: im folgenden Jahr stand ich wieder an der offiziellen Kasse in der Schaperstraße. Selbst als ich schon beruflich mit Theaterkritik zu tun hatte, habe ich mich doch immer wieder angestellt: ich war Teil der Schlange.

Die letzten Winkel des Innenohres

7. März 2009. Während seit Tagen in unserer Kommentarspalte eine Diskussion über die Qualitäten oder Nicht-Qualitäten von Birgit Minichmayr tobt, flattert mir – wie es der Zufall so will – eine CD des Musikers und Komponisten Wolfgang Mitterer ins Haus: "Sopop" (col legno WWE 20901). Schon will ich die CD ganz tief unten in den Stapel der irgendwann einmal zu hörenden CDs hineinstopfen, da fällt mein Blick auf den Schriftzug am unteren Rand des giftgrünen Covers: "feat. Birgit Minichmayr". Oho! Aha! Birgit Minichmayr! Ich lege die CD ganz nach oben auf den Stapel. Kurzes Innehalten: nein, ich lege sie ein.

Tarzans Witwe

3. März 2009. Sie war eine Werbe-Ikone und eine Zeit lang eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Fernsehens: die Schauspielerin Johanna König, die auch eine ausgebildete Tänzerin war, seit 1968 aber als burschikose Vollschlanke mit Schiebermütze, weißer Latzhose und rot-weiß karierter Bluse für ein amerikanisches Waschmittel warb, das in den 60er Jahren unter dem Namen Ariel auf den deutschen Markt kam. Mit Hilfe von Johanna König alias Clementine und dem Slogan "Nicht nur sauber, sondern porentief rein" wurde es zum meistverkauften Waschpulver des Landes und von Clementine am Ende des Spots stets mit pfiffigem Blick für den Hauptwaschgang empfohlen.

Das Gedächtnis des Theaters

1. März 2009. Die überlebensgroßen Plüschhasen, die gestern Abend in Karin Henkels Choderlos-Laclos-Heiner-Müller-Christopher-Hampton Variation "Gefährliche Liebschaften" auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin auf den kommenden Frühling und das Ansteigen des Triebthermometers verwiesen, verweisen darüber hinaus noch auf etwas anderes: dass auch das Theater ein Gedächtnis hat. Denn man muss wissen, dass Karin Henkel, 1970 in Köln geboren, ihr Regiedebüt im zarten Alter von dreiundzwanzig Jahren am Hessischen Staatstheater Wiesbaden gab: mit Coline Serreaus Komödie "Hase Hase".