Als ob dort vor allem Affen leben

von Petra Kohse

Berlin, 13. Mai 2009. Ein passenderer Ort wird in Berlin kaum zu finden sein: Das Goethe Institut stellte sein europaweites Theaterprojekt "After the Fall" am Mittwoch im ehemaligen "Haus des Reisens" am Alexanderplatz vor. Genauer: Im 12. Stock des 1971 erbauten Hochhauses, in dem zu Ostzeiten das Reisebüro der DDR und Interflug residierten. Insgesamt gibt es 17 Geschosse. Aber schon im 12., aus den Räumen des Week-End-Clubs heraus, suggeriert ein einziger Blick auf Berlin mehr Urbanität, als sich unten und in Echtzeit im Laufe eines ganzen Jahres erfahren lässt. Draufsicht also, und zwar nicht nur hier, sondern vor allem anderswo.

Im freien Fall

von Anna Rheinsberg

Mai 2009. Am 8. März 2009, dem Internationalen Frauentag, lasen die in Kassel lebende Schriftstellerin Ingrid Mylo und ich in der Märchenwache in Schauenburg bei Kassel Texte von Autorinnen der Zwanziger Jahre, die von Aufbruch und gleichzeitiger Armut handeln. Wir hatten unserem Rezitationsabend das Motto ARME MÄDCHEN SINGEN gegeben (d.i. die Titelzeile eines Gedichts von Claire Goll aus dem Jahr 1918). Erfreulicherweise waren viele Menschen zu unserer Veranstaltung gekommen, die meisten aus Kassel. Ingrid Mylo und ich nutzten den Abend, um auf die heutige bedrohliche Situation von Künstlerinnen hinzuweisen.

Kafka war da

10. Mai 2009. Die Realitätsnähe von Andreas Kriegenburgs "Prozess" hatte sich bestätigt, bevor die Vorstellung überhaupt anfing. Fünf Minuten vor Beginn – das Zuschauervolk rückte sich noch zurecht, hier und dort schoben sich Nachzügler an den Knien der bereits Sitzenden vorbei durch die Reihen des Berliner Festspielhauses; ich hatte gerade mein Handy gezückt, um es ordnungsgemäß auszuschalten, und las bei dieser Gelegenheit noch schnell die SMS, die gerade eingegangen war – beugte sich ein Herr von links hinter mir vor und wies mich in strengem Ton an: "Das schalten Sie dann aber aus, ja?"

Buch und Busen

8. Mai 2009. "Stell die Milch auf den Tisch, aber klapp kein Buch zu." Das ist ein toller Satz, und ich habe ihn mir bis heute gemerkt. Ebenso: "Das ist Giuseppe. Er weiß rein gar nichts, weil er nicht in die Schule geht, weil er keine ganze Hose hat." Auch so ein Satz. Ich kann ihn nicht vergessen. Weil ich ihn gelesen habe.