Wer hat Angst vor Romeo und Julia?

27. Dezember 2007. Hier sind sie, die meistdiskutierten, also meistkommentierten Texte des Jahres 2007 auf nachtkritik.de (Stand 27.12.2007), die Aufreger der Saison:

Plädoyer für das Provinztheater

von Andreas Jüttner

29. November 2007. Umfassende Thesen zum deutschen Theater haben meist ein Problem: Da sie von einem Menschen formuliert werden, können sie angesichts des enorm vielfältigen Theaterangebots unmöglich umfassend gültig sein. Das betrifft auch Stefan Keims Plädoyer für ein populäres Theater, dem dennoch die Ehre gebührt, den Stier des konservativen Rollback endlich mal konstruktiv bei den Hörnern zu packen und ihm durch differenzierte Benennung eines Problems das Futter zu entziehen. Denn wer auf Teufel komm raus originell sein will, dem passiert es zwangsläufig, dass er mal Einfälle statt Ideen serviert und so für Wasser auf den Mühlen der Werktreue- und Spiralblock-Fraktion sorgt. Daher ist das "Plädoyer für ein populäres Theater" (das ja nicht konservativ sein muss) durchaus angebracht.

Komplett anders

von Georg Kasch

München, 25. November 2007. Wie sieht die Zukunft des Theaters aus? Wenn einen diese Frage interessiert, sind Festivals eine gute Sache. Oft geben sie jungen Talenten eine Chance, ihre Arbeiten zu präsentieren. Durch das Unfertige, Improvisierte schimmert vielleicht eine Handschrift, die sich im Rückblick als wegweisend herausstellt.

Plädoyer für ein populäres Theater

von Stefan Keim

München, November 2007. Ein wichtiges Thema, eine starke Geschichte, großartige Schauspieler. Berichte in allen ernstzunehmenden Medien, inhaltliche Debatten entstanden, und sie zeigten Wirkung: Erstmals will sich ein Vertreter des Arzneimittelherstellers Grünenthal mit einem Menschen treffen, der durch das Medikament Contergan geschädigt wurde.

"Contergan" ist ein Fernsehfilm, ein sehr guter, umstritten, aufregend, massenwirksam. Warum ist "Contergan" ein Fernsehfilm? Die Frage wurde in den Feuilletons manchmal gestellt. Allerdings mit dem Zusatz: Wieso kommt so ein Film nicht ins Kino? Auf die Idee, dass dieser Stoff auf die Theaterbühne gehört, kam erstmal keiner. Weil das Theater nicht mehr als zentrale Kunstform wahrgenommen wird.