Einar Schleef, Pensionär

17. Januar 2009. In den 90er Jahren habe ich manchmal versucht, mir Einar Schleef als alten Mann vorzustellen: altersweise, milde, ein bisschen müde. Es ging nicht, die Fantasie versagte, Schleef blieb in meiner Vorstellung immer ungefähr 50 Jahre alt. Die Haare Schleefs mochten wohl grau werden, aber zum zahnlosen Greis taugte er nicht. Er ist ja dann auch nicht alt geworden, im Juli 2001 wollte sein Herz den Raubbau des Künstlers am eigenen Körper nicht mehr mitmachen und blieb stehen.

Gestern in der Schaubühne

15. Januar 2009. Gestern in der Schaubühne hat Sepp Bierbichler seine Schuhe ausgezogen. Auf der Bühne. Während der Premiere von John Gabriel Borkman. Wir fragten uns hinterher: Inszenierung oder Bühnenproblem? Immerhin hatte sich Felix Römer beinahe auch flach gelegt, und Angela Winkler rutschte oder stolperte beim Schlussapplaus.

Aus dem Leben der Nachtkritiker

13. Januar 2009. Als die Nachtkritiker noch klein waren, passierte es ihnen schon einmal, dass sie vor den Pforten des Paradieses abgewiesen wurden. In Wien, wo der große Luc Bondy, mit dem auch sehr großen Gert Voss den noch größeren "König Lear" inszenierte. Als die Nachtkritiker noch klein waren, schickten sie einfach ihren Premierenbericht von vor den Pforten des Paradieses. Dass sich im Paradies wenig Paradiesisches abspielte, konnten später alle sehen, als der große Gert Voss im kleinen Fernsehkasten bei der Lear-Übertragung pathetisch sich das Hemd vom Leibe riss.

Willkommen!

11. Januar 2009. In einer Kurzglosse in einer Frankfurter Sonntagszeitung lesen wir, wie Volker Weidermann am Abend des 80. Geburtstages von Heiner Müller der Krise des Theaters begegnete, in, na, was denken Sie, wo?: richtig, in der Volksbühne. Außerdem traf er dort Italiener, Studenten und einen "Obdachlosen mit einer Tasche voller tropfender, bestialisch stinkender Fäkalien". Wir rufen ein freundliches: Willkommen im gemütlichen Krisen-Plauderer-Club!