Der Jugendversteher

von Dirk Pilz

Berlin, 9. August 2007. "Wenn man von der festen Position des Sozialismus ausgeht, kann es meines Erachtens auf dem Gebiet von Kunst und Literatur keine Tabus geben. Das betrifft sowohl die Fragen der inhaltlichen Gestaltung als auch des Stils – kurz gesagt: die Fragen dessen, was man die künstlerische Meisterschaft nennt." Das sagte Erich Honecker auf der vierten Tagung des Zentralkomitees der SED im Dezember 1971, nachdem er im Mai zum Ersten Sekretär dieses obersten Gremiums der DDR gewählt worden war.

Der Hochkulturpromi

von Tomo Mirko Pavlovic

8. August 2007. Es gibt Augenblicke im Leben, in denen man sich unsicher fühlt. In der Bank, wenn einen der grinsende Hosenanzug Anfang Zwanzig fragt, ob man noch nicht angesichts des fortgeschrittenen Alters und der aktuellen Rentendiskussion an die Erstellung eines persönlichen Liquiditätsplans für die Restzeit gedacht habe. Bei einer Fahrzeugkontrolle auf dem Balkan, wenn man bemerkt, dass der sich nähernde Polizist Turnschuhe trägt.

Das Unheimliche als Heimat

von Martin Kagel

Athens/Georgia, 28. Juli 2007. Als sich George Tabori 1970 entschied, in Deutschland zu leben und zu arbeiten, hatte er eigentlich schon ein ganzes Leben hinter sich. 56 Jahre war er alt, hatte, 1914 in Ungarn geboren, in Deutschland, im Nahen Osten, in England und den U.S.A. gelebt, sich als Lehrling im Hotelfach, als Korrespondent, im Dienst des Britischen Geheimdienstes, als Schriftsteller, Drehbuchautor, Übersetzer und Regisseur verdingt.

Die Notlicht-Affäre

von Bernd Noack

Salzburg, 27. Juli 2007. "Eine Gesellschaft, die zwei Minuten Finsternis nicht verträgt, kommt ohne mein Schauspiel aus." Dieses Verdikt im Telegramm-Stil markierte vor genau 35 Jahren den Höhepunkt einer grotesken Auseinandersetzung zwischen dem Dichter Thomas Bernhard und den Salzburger Festspielen. In die Chronik der aus dem Ufer laufenden Theater-Ereignisse ist die Geschichte eingegangen als der "Notlicht-Skandal".