Amélie Niermeyer – Düsseldorfer Schauspielhaus, Intendantin

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Das schönste Theatererlebnis des Jahres hatte ich vor wenigen Tagen in London am National Theatre: Ich habe War Horse nach dem Roman von Michael Morpurgo in einer Produktion von Marianne Elliott und Tom Morris gesehen. Es ist die Geschichte des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines Pferdes erzählt.

Thomas Bockelmann – Staatstheater Kassel, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Ein erster Höhepunkt im vergangenen Jahr war für mich, Hildegard Schmahl als Prospero in Shakespeares Sturm. Viel über die dunklen Seiten des Lebens wissend, spielte sie ihn mit größter, warmer Lebensklugheit und einer bestechend souveränen, sparsamen und präzisen Körpersprache. Für mich besonders berührend war der Moment, in dem sie sinngemäß ins Publikum sagte: "Sie haben auch nicht immer alles richtig gemacht im Leben, oder?"

Matthias Lilienthal – Hebbel am Ufer Berlin, Künstlerischer Leiter

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Meine drei Lieblingsinszenierungen der letzten Saison kommen aus Tokyo, Rio de Janeiro und Berlin. Bruno Beltrão hat mit seinem Stück H3 einen merkwürdig kraftvollen HipHop hingelegt. Die körperliche Präsenz und Kraft seiner Tänzer erzählt sehr präzise von der Gewalt in der brasilianischen Gesellschaft, ohne es je anzusprechen. Dieses Rewind der Bewegungen hatte etwas Verstörendes. Seine bisher schönste Arbeit!

Andreas Beck – Schauspielhaus Wien, Künstlerischer Leiter

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Meine Lieblingstheaterabende 2008… nun, da wäre vor allem Krzysztof Warlikowskis Inszenierung von Angels in America von Tony Kushner, beide Teile, ein Abend. Sechs, sieben Stunden lang Theater, wie im Traum vergangen, die schöne, fremde Sprache kein Thema mehr, sondern eingetaucht in diese kluge, nachhallende Inszenierung. Und so zeigt sich, dass der engagierte, persönliche Zugriff Warlikowskis aus diesem ehemals viel gespielten Zeitstück einen modernen Klassiker unserer Tage macht – abseits polnischer Wirklichkeit. Nicht mehr akut oder aktuell wirkt Kushners Drama, sondern zeitlos. Für mich eine Wiederentdeckung, und was selten genug einem Film widerfährt, nämlich, plötzlich, als "Klassiker", als "Evergreen" betitelt zu werden, wurde hier zur Beschreibung des Stücks: "Angels in America" ist modern, jenseits des Tagesgeschäfts.